Ausgangssperre für Katzen?
Zwei niederländische Juristen fordern eine EU-weite Leinenpflicht

Münster -

Katzen polarisieren – ihre Besitzer sehen sie als verschmuste Samtpfoten, ihre Gegner machen sie für den Tod Hunderttausender Kleintiere verantwortlich. Geht es nach zwei niederländischen Juristen, sollen Hauskatzen nirgendwo in der EU mehr frei herumlaufen dürfen. Was spricht dafür, was dagegen?

Dienstag, 03.12.2019, 18:30 Uhr aktualisiert: 03.12.2019, 18:51 Uhr
Katzen wirken niedlich und sanft. Doch die Haustiere jagen gerne Singvögel.
Katzen wirken niedlich und sanft. Doch die Haustiere jagen gerne Singvögel. Foto: colourbox.de (Symbolbild)

Stehen Katzen für den „Tod auf Samtpfoten“ vieler Kleintierarten? Geht es nach zwei niederländischen Umweltrechtlern von der Universität Tilburg soll der Freigang der beliebten Haustiere künftig völlig verboten werden. Und das per Gesetz in der gesamten EU . Betroffen wären dann auch die 15 Millionen deutschen Katzen, zumindest diejenigen, die draußen herumstreunen. Die Begründung: Die Freiläufer sind für den Tod von Millionen von Vögeln, kleinen Tieren und auch von Reptilien verantwortlich. In den Niederlanden wird nun eine Leinenpflicht oder gar ein Ausgehverbot diskutiert.

Die Juristen schreiben von etwa 140 Millionen toten Beutetieren der Katzen allein in den Niederlanden, 367 Arten seien durch sie akut gefährdet. Sie berufen sich in einem Gutachten für die ­renommierte Fachzeitschrift „Journal of Environmental Law“ auf zahlreiche Gesetze, etwa die Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union. Experten gehen von bis zu 200 Millionen Vögeln aus, die in Deutschland Katzen zum Opfer fallen.

Wer soll das kontrollieren?

Naturschutzbund

Doch trotzdem sieht der Naturschutzbund den Vorstoß der niederländischen Juristen skeptisch. „Wir begrüßen zwar grundsätzlich die rechtliche Einschätzung“, erklärt Birgit Königs , Pressesprecherin des Naturschutzbunds NRW im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch ihrer Meinung nach ist sie wenig zielführend: „Es ist schlichtweg nicht praktikabel, den Katzen den Freigang zu verbieten. Wer soll das kontrollieren?“

Außerdem sei kein Fall dokumentiert, bei dem eine Tierart von Katzen ausgerottet worden sei. „Es ist klar, dass Katzen großen Druck beispielsweise auf die Singvögelpopulation ausüben“, räumt sie ein. Doch die Faktoren, die zum Verschwinden der Vögel führten, seien vielfältig. Die größte Bedrohung für die Artenvielfalt sei und bleibe die fortschreitende Verschlechterung von Lebensräumen durch den Menschen. Doch trotzdem gibt es dem Nabu zufolge Handlungsbedarf.

Das können Katzenbesitzer tun

Freigänger, die zu Hause gefüttert werden, würden nur zum Zeitvertreib jagen. „Hauptproblem sind die verwilderten Hauskatzen“, meint Birgit Königs. Deshalb setze sich der Nabu für das „Paderborner Modell“ ein. Dabei müssen Katzen, die draußen laufen, kastriert und gekennzeichnet werden, sodass sie einem Eigentümer zugeordnet werden können und sich nicht ungehemmt fortpflanzen. Außerdem befürwortet der Nabu ein Freilaufverbot in Ausnahmefällen wie auf Neuseeland, wo Katzen den Kiwi-Vogel bedrohen, der seine Nester auf dem Boden hat und nicht wegfliegen kann – ein gefundenes Fressen also.

Was können Katzenbesitzer tun? „Ein Glöckchen am Halsband hilft, gefährdete Bäume mit Vogelnestern können außerdem durch Manschettenringe gesichert werden“, rät Birgit Königs.

Pro und Contra

Pro: Nicht zu bändigen

Katzen sind Killer! Das klingt provokativ, entspricht aber der Wahrheit. Während Hunden der Jagdinstinkt abzugewöhnen ist, kann das beim Stubentiger nicht gelingen. Selbst dann, wenn Katzen ständig mit den exklusivsten Leckerbissen verwöhnt werden, wollen sie Mäuse fangen – und leider auch Vögel und andere Tiere, die wichtiger Bestandteil unserer natürlichen Umwelt sind. Die Natur gilt es zu schützen, die Katze nicht. Um ihren Tötungsdrang zu stoppen, hilft nur eins: Sie muss im Haus bleiben  und dort Stubenfliegen fangen. (Jürgen Stilling)

Contra: Nicht nötig!

Katzen nicht mehr auf die Straße und in den Garten? Dafür mag es juristische Gründe geben. Doch wer seine Katze regelmäßig füttert, hält ihr Jagdfieber im Zaum. Zumeist toben sie ihren  Jagdtrieb übrigens an Mäusen und Ratten aus – und diese zu beseitigen, ist ja gewollt. Im Münsterland gab es gerade eine regelrechte Mäuseplage: Ein Beleg dafür, dass es nicht zu viele Katzen gibt. Sie zu kas­trieren und zu registrieren, ist gleichwohl der richtige Weg. Denn die ungezügelte Vermehrung von herumstreunenden Tieren ist das Hauptproblem. (Claudia Kramer-Santel)

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