Nachwuchs
Berliner Zoo stellt Panda-Jungs vor

Seit Ende August leben im Berliner Zoo Panda-Zwillinge. Jetzt laufen die Vorbereitungen für den ersten Auftritt vor Publikum im Jahr 2020. Und Namen haben die niedlichen Tierchen nun auch.

Montag, 09.12.2019, 16:03 Uhr aktualisiert: 09.12.2019, 16:06 Uhr
Die Panda-Zwillings-Männchen Meng Yuan (l) und Meng Xiang ganz eng.
Die Panda-Zwillings-Männchen Meng Yuan (l) und Meng Xiang ganz eng. Foto: Christoph Soeder

Berlin (dpa) - Langsam wird das Bettchen, auf das alle warten, herangerollt. Zwei kleine schwarz-weiße Bärchen liegen darin auf dem Bauch, alle Viere von sich gestreckt. Verschlafen sehen sie aus bei ihrem ersten Auftritt vor der Presse, die Panda-Zwillinge im Berliner Zoo.

Dank Wärmelampen und warmer Unterlage für die Kleinen können Dutzende Kameraleute und Fotografen zehn Minuten lang Bilder machen. «Ahs» und «Ohs» sind zu hören. Alle bisher veröffentlichten Aufnahmen ließ der Zoo selbst hinter den Kulissen machen. Auch Namen und Geschlecht waren geheim - bis jetzt.

Zum 100. Lebenstag der beiden werden die Fakten am Montag mit einer kleinen Zeremonie an der Panda-Anlage im Zoo preisgegeben - mit Berlins Regierungschef Michael Müller ( SPD ) und dem chinesischen Botschafter Wu Ken . Letzterer verkündete die Namen des ersten Panda-Nachwuchses in Deutschland überhaupt: Meng Xiang («Ersehnter Traum») und Meng Yuan («Erfüllter Traum»).

Das passt zu den Panda-Eltern: Sie heißen Meng Meng und Jiao Qing, was so viel heißt wie Träumchen und Schätzchen.

Verkündet wird außerdem: Es sind Männchen, je sechs Kilo schwer. Sie legen derzeit täglich an Gewicht zu und machen erste Gehversuche. Herumgereicht würden sie nicht, scherzt Zoodirektor Andreas Knieriem, auch wenn sie so süß seien wie Plüschtiere («Wenn ich die beiden sehe, dann ist das zum Quietschen»).

Bei der Namensgebung habe der Zoo Mitspracherecht gehabt und auch chinesische Namen gewollt - die Tiere seien schließlich Teil des chinesischen Arterhaltungsprogramms. Zwei bis vier Jahre sollen die Jungtiere in Berlin bleiben und danach nach China ziehen, hieß es.

Dass die seltenen Bären in der Hauptstadt zu sehen sind, geht letztlich auf jahrelange Arbeit zurück: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Verhandlungen für den Zoo 2015 in Gang gebracht und die Bären zwei Jahre später persönlich in der Hauptstadt begrüßt. Auch Chinas Staatspräsident Xi Jinping war gekommen.

China überlässt solche Bären nur ausgewählten Ländern - «Panda-Diplomatie» wird das immer wieder genannt. Gratis gibt es sie aber nicht: Der Zoo zahlt pro Jahr für die Eltern-Tiere rund eine Million US-Dollar (rund 900 000 Euro), die wieder in die Panda-Zucht fließen. Über die Summe für die Jungtiere macht der Zoo keine Angaben.

In Berlin leben die Pandas in einem rund zehn Millionen Euro teuren Luxusgehege im China-Look. Dort wird nichts dem Zufall überlassen, schon gar nicht die Fortpflanzung. Nach ersten Paarungsversuchen der als sexfaul geltenden Pandas in diesem Frühjahr wurde Meng Meng sicherheitshalber auch künstlich besamt. Frühere Versuche, andere Panda-Paare in Berlin zu Eltern zu machen, waren erfolglos geblieben. Experten aus China begleiten bis heute jeden Schritt.

Der chinesische Botschafter betont im Zoo, dass die Geburt der seltenen Bären ein gutes Geschenk sei zum 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Peking in diesem Jahr. Auch sei mit dem Nachwuchs, der Berlin «Glück und Freude» bringen könne, ein Wunsch von Chinas Staatspräsident wahr geworden. Weltweit seien in diesem Jahr insgesamt nur 60 Pandas geboren worden, davon hätten 57 überlebt, sagte Wu Ken.

Der Zoo und chinesische Vertreter betonen immer wieder, dass die Pandas als «Flaggschiff-Tiere» und «Sonderbotschafter» Symbole für den Artenschutz seien. Wiederholt wurden aber kritische Stimmen laut: Der Deutsche Tierschutzbund beklagte bei der Ankunft der Elterntiere, dem Zoo gehe es weniger um Artenschutz und Nachhaltigkeit, sondern um Millioneneinnahmen. Die Tierrechtler von Peta kritisierten, dass Panda-Haltung und -Zucht rein politische und wirtschaftliche Gründe hätten, aber keinen Beitrag zum Artenschutz leisteten.

Zoo-Besucher können die Zwillinge noch nicht sehen. Die Panda-Anlage ist auch am Montag wegen der Namensverkündung abgesperrt, Sicherheitsleute passen auf. Anfang 2020, sobald die Zwillinge laufen und der Mutter folgen können, sollen dann alle einen Blick erhaschen können. Nach Zoo-Angaben schlafen die Kleinen noch die meiste Zeit.

«Sie werden in Scharen hierher strömen, da bin ich ganz sicher», sagte Berlins Regierungschef Müller mit Blick auf die Verrücktheit der Hauptstädter für Zoo-Tiere und insbesondere für Bären. Auch ein Zoo-Mitarbeiter deutet an: Der Presse-Rummel am Montag ist wohl erst der Anfang.

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