Weihnachten und das Klima
Beziehungsstatus: „Es ist kompliziert“

Münster -

Kurz vor Weihnachten ging es in Berlin darum, wie das Klimapaket doch noch etwas wirksamer werden kann. An vielen anderen Orten dürften die Frage nach dem passenden Weihnachtsgeschenk oder dem richtigen Festtagsmenü brennender diskutiert werden. Wie passt beides zusammen?

Donnerstag, 19.12.2019, 15:38 Uhr aktualisiert: 19.12.2019, 15:42 Uhr
Weihnachten und das Klima: Beziehungsstatus: „Es ist kompliziert“
In Plastik eingeschweißte Lebkuchen-Herzen: Wie umweltfreundlich feiern wir Weihnachten? Foto: dpa

Wären Weihnachten und das Klima ein Paar, ihr Beziehungsstatus würde wohl lauten: „Es ist kompliziert.“ Weihnachtliche Werte wie Nächstenliebe sprechen eigentlich dafür, den Schutz der Erde beim Feiern zu bedenken. Doch beim Schenken und Schlemmen kann das schnell auf der Strecke bleiben.

„Wir spüren, dass da etwas nicht so ganz zusammen passt“, sagt die Münsteraner Nachhaltigkeitsforscherin Carolin Bohn . Die Frage sei, inwiefern sich diese kritische Reflexion dann auch wirklich ins Handeln übersetze.Weihnachten - das ist nichts Neues - ist nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch das des Überflusses. Wie passt das in eine Zeit, in der das Klima zum Topthema in Politik und Wirtschaft geworden ist und sich Menschen zunehmend über ihren eigenen Einfluss Gedanken machen? Gibt es das schlechte Gewissen, das sich beim Fliegen in dem Schlagwort „Flugscham“ manifestiert hat, auch beim Kaufen, Schenken, Essen, Verpacken rund ums Fest? Google weiß zumindest noch nichts davon. Während „Flugscham“ schon rund 157 000 Treffer ausspuckt, fragt die Suchmaschine bei „Konsumscham“, ob man nicht eigentlich nach „Konsumsucht“ habe suchen wollen.

Warnung vor weniger Konsum

Im Handel wünscht man sich naturgemäß, dass das auch so bleibt. H&M-Chef Karl-Johan Persson sorgte für Schlagzeilen, als er in einem Interview davor warnte, weniger zu konsumieren, da das gar nicht so viel für die Umwelt bringen würde, dafür aber schreckliche Konsequenzen wie den Verlust von Arbeitsplätzen haben würde.

Carolin Bohn, die sich aus politikwissenschaftlicher Perspektive mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt, hat - zumindest aus Skandinavien - das Wort „Kaufscham“ schon mal gehört, meint aber trotzdem: „Eine Einschränkung des Konsums zeichnet sich nicht ab.“ Auch der Handelsverband ging zuletzt davon aus, dass das aktuelle Weihnachtsgeschäft die Umsätze des Vorjahres nochmal toppen könnte.

Es bleibt meist bei guten Absichten

Bei den Veranstaltern der Weihnachtsmärkte steht das Thema Plastikvermeidung zwar mittlerweile auf der Agenda - weitgehend bleibt es aber bei guten Absichten. Aachen will mit gutem Beispiel vorangehen und ab 2020 „plastikfrei“ werden. Andere Städte wie Düsseldorf oder Münster loben das und geloben, sich Mühe zu geben. Doch die „Abers“ sind zahlreich: Hygiene, Vorschriften, und, und, und. Bislang quellen die Mülleimer auf den Märkten wie gewohnt über.

Weihnachtsmärkte in der Adventszeit

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  • Beginnt im Münsterland die Adventszeit, starten auch die Weihnachtsmärkte in die Saison. Einige davon können in der gesamten Adventszeit besucht werden. Ein Überblick von Ahaus bis Warendorf.

    Foto: Oliver Werner
  • Ahaus:

    Winterzauber, 6. Dezember bis 5. Januar 2020, mit Eisfläche, MO bis FR 14 bis 18 Uhr, DO bis 21 Uhr, SA/SO 10 bis 18 Uhr

    Foto: Anne Alichmann
  • Ahlen: 

    „Ahlener Advent“, 6. bis 17. Dezember, MO bis DO 16 bis 20 Uhr, FR 14 bis 20 Uhr, SA/SO 11 bis 22 Uhr, Marktplatz

    Foto: Ulrich Gösmann
  • Beckum: 

    Weihnachtsmarkt, 29. November bis 8. Dezember; MO bis FR 14.30 bis 20 Uhr, SA 10 bis 20 Uhr, SO 12 bis 20 Uhr;

    Eisbahn auf dem Marktplatz ab 12. Dezember bis 5. Januar 2020,

    Foto: Beckum
  • Bocholt: 

    Weihnachtsmarkt, 29. November bis 22. Dezember, täglich 12 bis 20 Uhr vor dem Rathaus; parallel dazu Bocholt on Ice bis 2. Februar 2020; 

    Adventsmarkt im Textil-Werk, 26. November bis 1. Dezember, täglich 10 bis 18 Uhr

    Foto: Jochen Krühler
  • Borken-Marbeck: 

    Bäuerlicher Weihnachtsmarkt auf dem Hof Schulze Beikel, 30. November und 1. Dezember, 7. und 8. Dezember, 12. bis 15. Dezember, DO/FR 13 bis 21 Uhr, SA 11 bis 21 Uhr, SO 11 bis 20 Uhr, Eintritt: 8 Euro (bis 14 Jahre frei)

    Foto: nn
  • Dülmen:

    Weihnachtsmarkt, 30. November bis 22. Dezember, MO bis FR 15 bis 19 Uhr, SA/SO 11 bis 19 Uhr;

    parallel dazu Dülmener Winter mit Eisbahn auf dem Marktplatz, bis 5. Januar 2020

    Foto: -
  • Gronau:

    Winterzauber, 6. bis 15. Dezember, Winterwald mit Eisstockbahn, MO bis DO 16 bis 20 Uhr, FR 16 bis 22 Uhr, SA/SO 14 bis 22 Uhr

    Foto: Martin Borck
  • Hamm: 

    Weihnachtsmarkt mit Eisbahn bis 22. Dezember, SO bis DO 12 bis 20 Uhr, FR/SA 12 bis 21 Uhr, Marktplatz

    Foto: Stadtmarketing/Thorsten Hübner
  • Hopsten-Schale

    Adventszauber im Kulturlandhaus, 30. November bis 8. Dezember, MO-SA 14 bis 18 Uhr, SO 11 bis 18 Uhr

    Foto: dpa
  • Ibbenbüren:

    Ibbenbüren on Ice, bis 5. Januar 2020, Eislaufbetrieb vor dem Rathaus, außerhalb der Ferien MO-FR ab 13 Uhr, SA/SO ab 10 Uhr, innerhalb der Ferien täglich ab 10 Uhr, ab 19 Uhr Eisstockschießen

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Münster: 

    Fünf Weihnachtsmärkte in der Innenstadt: Rathausinnenhof (bis 23. Dezember), Aegidiimarkt (bis 23. Dezember), Lichtermarkt vor St. Lamberti (bis 22. Dezember), Kiepenkerlviertel (bis 22. Dezember), Giebelhüüskesmarkt an der Überwasserkirche (bis 22. Dezember), Öffnungszeiten: SO bis DO 11 bis 20 Uhr, FR/SA 11 bis 21 Uhr;

    Foto: hpe
  • Münster:

    Weihnachtsmarkt im Mühlenhof Freilichtmuseum: an den AdventswochenendenSA/SO 12 bis 19 Uhr (Eintritt ins Freilichtmuseum)

    Foto: Anna Spliethoff
  • Osnabrück:

    Historischer Weihnachtsmarkt, bis 22. Dezember, SO bis DO 12 bis 21 Uhr, FR/SA 12 bis 22 Uhr, Rathausplatz, Marienkirche, Dom und Johanniskirche;

    Winterdorf am Schloss, ab 28. November, DO/FR 16 bis 22 Uhr, SA 12 bis 22 Uhr, SO 12 bis 20 Uhr

    Foto: OMT
  • Ostbevern:

    Winter-Hütten-Zauber an allen Donnerstagen vor Weihnachten, ab dem 28. November, 16 bis 21 Uhr, Kirchplatz St. Ambrosius

    Foto: Reinker
  • Rheine: 

    Emszauber, 27. November bis 21. Dezember, MO bis MI 16 bis 21 Uhr, DO/FR 16 bis 23 Uhr, SA 13 bis 24 Uhr, SO 13 bis 20 Uhr; 17. Dezember 9 bis 23 Uhr Kalter Markt

    Foto: Sven Rapreger
  • Velen:

    Waldweihnachtsmarkt, an allen Adventswochenenden, FR bis SO jeweils 11 bis 20 Uhr, Eintritt: Erwachsene 8 Euro (bis 14 Jahre frei), Landgut Krumme

    Foto: -
  • Warendorf: 

    Weihnachtswäldchen, 29. November bis 15. Dezember, MO bis DO 14 bis 20 Uhr, FR 14 bis 22 Uhr, SA 11 bis 22 Uhr, SO 11 bis 20 Uhr (Kunsthandwerker schließen früher)

    Foto: Warendorf Marketing

Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass rund um Weihnachten die Menge an Verpackungsmüll um bis zu 20 Prozent steigt. „Die Mengen sind leider gewaltig“, sagt Referent Thomas Fischer. Mit einer kurzfristigen Umkehr dieses Trends sei auch nicht zu rechnen, da Hersteller bislang keine ausreichenden Alternativen böten. Das boomende Online-Geschäft wirke außerdem einer „Konsumscham“ eher entgegen, da man im Internet ungesehen und anonym einkaufen könne.

Mit etwas Mühe zu mehr Nachhaltigkeit

Und doch ist das Klima in den Köpfen präsent, sogar in denen der Kleinsten: Stärker als in den Vorjahren ist das Thema 2019 auf den Wunschzetteln angekommen, wie ein Blick ins Christkind-Postfach in Engelskirchen zeigt. „Besseres Klima, keinen Krieg und kein Plastik mehr im Meer“, hat sich etwa ein Mädchen namens Lisa gewünscht, wie die Post-Sprecherin Britta Töllner berichtet. Auf die Playmobil-Figuren oder neuesten Spiele verzichten wollten die Absender dafür allerdings bisher nicht.

Besseres Klima, keinen Krieg und kein Plastik mehr im Meer

Wunschzettel eines Mädchens

Forscherin Bohn plädiert dafür, mit Familien und Freunden gemeinsam zu thematisieren, ob man manches traditionelle Weihnachtsritual nicht vielleicht infrage stellen wolle. „Am besten ist es, wenn man gemeinsame Entscheidungen trifft, sodass nicht ein Einzelner einfach sagt: „So, die Ente ist gestrichen, es gibt jetzt nur noch Kohl oder Tofu-Gans.“ Manches Geschenk oder Essen sei dazu da, anderen etwas Gutes zu tun oder den Wert von Beziehungen auszudrücken. „Da ist die Frage: Finden wir gemeinsam eine Möglichkeit, das anders zu zeigen? Und haben wir die richtigen Rahmenbedingungen, um es umzusetzen?“

Anregungen dafür sammeln Bohn und ihre Kollegen auch in einem Online-Adventskalender, darunter etwa Geschenkideen zum Selbermachen. Etwas Mühe scheint also nötig, um Weihnachten mit dem Klima zu versöhnen - so wie in jeder anderen Beziehung.

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