Mildes Wetter lässt die Natur kalt
Zu warme Temperaturen im Januar – Polarwirbel hält die kühle Luft fest

Münster -

Bis zu 13 Grad Celsius soll es am Mittwoch werden. „Eindeutig zu warm für einen Januar“, bestätigt Thomas Gerwin vom Deutschen Wetterdienst aus Essen. Insgesamt lägen die Temperaturen in diesem Monat rund drei bis vier Grad über dem üblichen Durchschnitt. Ursächlich dafür sei eine Wetterlage, die sich laut Gerwin „einfach nicht umstellen will“

Dienstag, 14.01.2020, 18:28 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 18:39 Uhr
Ein Weißstorch landet auf seinem Nest am Ortsrand von Bensheim (Kreis Bergstraße). Von Jahr zu Jahr überwintern wegen des milderen Klimas immer mehr Störche in Deutschland.
Ein Weißstorch landet auf seinem Nest am Ortsrand von Bensheim (Kreis Bergstraße). Von Jahr zu Jahr überwintern wegen des milderen Klimas immer mehr Störche in Deutschland. Foto: Arne Dedert/dpa

Ein Polarwirbel halte die kalte Luft „seit fast zwei Monaten wie betoniert fest“. Deshalb könne ein Tiefdruckgebiet warme Luft aus dem Südwesten in unsere Regionen bringen, erklärt Gerwin . Ab und zu gebe es Anzeichen, dass sich der sogenannte Jetstream über dem Pol bewege, aber dann bleibe er doch wie festgefahren liegen, sagt der Wetterdiensttechniker.

Ganz will Gerwin den Winter aber noch nicht verabschieden. „Es kann schon noch sein, dass sich die Wetterlage ändert und es dann ab Anfang Februar doch noch einmal kalt wird. „Erste Modelle deuteten das an. Gerwin ist allerdings sicher: „Die Hoffnung auf Schnee im Januar in Nordrhein-Westfalen können wir uns schenken.“

Uwe Spangenberg, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Münster

Uwe Spangenberg, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Münster

Landwirte werden laut Uwe Spangenberg, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Münster angesichts des milden Wetters noch nicht nervös. „Die Pflanzen befinden sich noch in einer Vegetationspause.“ „Durch ein paar wärmere Tage springt die Natur nicht sofort wieder an.“

Birgit Königs , Biologin und Pressesprecherin des Naturschutzbundes NRW (Nabu), hält diese milden Tage so früh im Jahr ebenfalls für „noch nicht bedenklich“. „Damit kommt die Pflanzenwelt grundsätzlich gut klar. Ebenso wie Gerwin geht Königs davon aus, dass es sich um ein Wetterphänomen handelt, das im Winter schon einmal vorkommen kann. Dass die Winter generell wärmer werden, stehe auf einem anderen Blatt.

Hummeln und Wildbienen finden keine Nahrung

Problematisch werden können zu viele warme Tage für Hummeln und Wildbienen, die aus der Winterruhe aufwachen, umherfliegen und keine Nahrung finden, weil noch nichts blüht. „Ein paar Nächte über zehn Grad Celsius holen Amphibien aus ihrer Winterstarre“, so Königs. Für sie könne ein erneuter Kälteeinbruch verhängnisvolle Folgen haben. Säugetiere, wie Igel würden vom warmen Wetter ebenfalls geweckt. Sie fahren ihren Stoffwechsel hoch und verbrauchen Energie, die sie mangels Nahrung nicht wieder aufladen können.

Ob das warme Wetter auch ungeliebten Insekten wie dem Eichenprozessionsspinner oder dem Borkenkäfer schade, dazu wagt Königs keine Vorhersage. Feuchte Winter seien eher schädlicher, weil dann ein Schimmelpilz den Tieren zusetze. „Wie diese Tiere aber wirklich durch den Winter gekommen sind, dazu lässt sich erst im Frühjahr eine Aussage treffen.“

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