Mehr als 13.000 Fälle
Grippewelle in Deutschland gestartet - viele Kranke im Münsterland

Berlin -

Während ein neuer Erreger aus China für Aufregung sorgt, ist hierzulande die Grippewelle losgerollt. Dabei sind Tausende Fälle und auch tödliche Verläufe die Regel. Was man in diesem Winter wissen muss.

Donnerstag, 23.01.2020, 11:18 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 14:51 Uhr
Mehr als 13.000 Fälle: Grippewelle in Deutschland gestartet - viele Kranke im Münsterland
Die Grippewelle hat begonnen - und wird noch einige Zeit anhalten. Foto: dpa

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Wer bisher in diesem Winter mit solchen Symptomen das Bett hütete, fühlte sich vielleicht vergrippt, litt aber wahrscheinlich an einer harmlosen Erkältung. Vorrangig solche Erreger kursierten jedenfalls. Seit dem Jahreswechsel finden Experten in Proben von Patienten aber zunehmend echte Grippeviren, die Zahl bestätigter Fälle steigt. Offiziell hat die Grippewelle in Deutschland nun begonnen, wie aus einem aktuellen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hervorgeht.

„Die Welle wird sich noch etliche Wochen hinziehen“, sagte RKI-Expertin Silke Buda der Deutschen Presse-Agentur. Sich noch impfen zu lassen, sei möglich. Empfohlen wird die Impfung unter anderem Menschen ab 60, chronisch Kranken, Schwangeren sowie Ärzten oder Pflegekräften. „Man sollte sich jetzt aber sputen: Bis der Schutz aufgebaut ist, dauert es bis zu 14 Tage“, sagte Buda. Laut Paul-Ehrlich-Institut wurden mehr als 21 Millionen Impfdosen freigegeben.

Sieben Tipps zur Grippewelle

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  • Die Grippewelle hat begonnen - und wird noch einige Zeit anhalten. Wer sich den Influenza-Virus eingefangen hat, muss viel Geduld haben. Betroffene können die Beschwerden aber lindern, Und wer sich noch nicht angesteckt hat, kann sich schützen. Das erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) auf Gesundheitsinformation.de. Die wichtigsten Infos im Überblick:

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  • Wie schütze ich mich vor Ansteckung?

    Grippeviren verbreiten sich unter anderem über direkten Körperkontakt, beim Händeschütteln etwa, sowie über Dinge, die viele Menschen anfassen, den Haltegriff in der Bahn etwa. Wer sich schützen will, sollte auf beides möglichst verzichten, seine Hände vom Gesicht fernhalten - und sich dazu häufig und gründlich die Hände waschen. Das heißt: Mit Seife und mindestens 20 Sekunden lang.

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  • Lohnt sich eine Impfung?

    Ja, unbedingt - auch jetzt noch. Das gilt selbst für Schwangere und besonders für Ältere. Auch Kinder können ab einem Alter von sechs Monaten geimpft werden. Eile ist geboten: Bis der zusätzliche Schutz der Impfung wirkt, vergehen etwa zwei Wochen. Die Grippewelle wird aber voraussichtlich länger dauern. Hundertprozentigen Schutz bietet allerdings auch die Impfung nicht.

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  • Woran erkenne ich, dass ich die Grippe habe?

    Die Symptome der Grippe ähneln denen einer ganz normalen Erkältung, sind allerdings oft schwerer und langwieriger. Größtes Unterscheidungsmerkmal ist der Beginn der Krankheit: Während sich die Erkältung meistens anschleicht, bricht die Grippe fast überfallartig aus.

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  • Muss ich zum Arzt?

    Ärztlicher Rat ist bei einer Grippe unbedingt sinnvoll, rät das IQWIG - auch wenn gegen die Krankheit oft kein echtes Kraut gewachsen ist. Berufstätige brauchen den Arzt für die Krankschreibung, denn nach ein oder zwei Tagen ist die Grippe nicht vorbei. Nach einer Woche lassen die Beschwerden in der Regel zwar deutlich nach, Erschöpfung und Husten können aber deutlich länger bleiben.

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  • Wie gefährlich ist die Grippe?

    Die Grippe ist eine potenziell schwere Erkrankung, mit häufigen Begleiterkrankungen wie einer Entzündung der Nasennebenhölen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt oft eine Mittelohrentzündung hinzu. Aufpassen müssen Menschen mit einem schwächeren Immunsystem: Ältere zum Beispiel und Menschen mit Lungen- oder Immunerkrankungen. Hier ist das Risiko besonders hoch, dass die Influenza einen schweren oder sehr schweren Verlauf nimmt. Letzterer kann lebensgefährlich sein.

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  • Welche Medikamente helfen?

    Antibiotika helfen auf keinen Fall - beziehungsweise nur dann, wenn zu der viral verursachten Grippe noch ein bakterieller Infekt hinzukommt. Es gibt jedoch spezielle Grippemedikamente, in Deutschland vor allem den Wirkstoff Oseltamivir. Diese sind aber verschreibungspflichtig, helfen nur unter bestimmten Umständen und haben teils heftige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen.

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  • Was kann ich sonst gegen Grippe tun?

    Zu Hause bleiben, schonen, von anderen Menschen fernhalten und benutzte Taschentücher sofort entsorgen. Sonst geht erst einmal nicht viel. Hausmittel wie Kräutertee und Hühnersuppe sind eventuell gut fürs individuelle Wohlempfinden, ihre Wirkung ist aber nicht wissenschaftlich erwiesen. Rezeptfrei erhältliche Medikamente - wie Ibuprofen oder ASS (Acetylsalicylsäure) etwa - können helfen, die Beschwerden zu lindern und Fieber zu senken.

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32 Tote in Deutschland seit Saisonbeginn

Seit Saisonbeginn im Oktober 2019 sind bundesweit 13.350 durch Laboranalysen bestätigte Fälle gemeldet worden, davon 4439 in der vergangenen Woche. Bisher starben daran nachweislich 32 Menschen. Mehr als 3500 Patienten wurden wegen Grippe im Krankenhaus behandelt. Gemeldet wurden zudem zum Beispiel 15 Ausbrüche in Kindergärten.

Viele Fälle im Münsterland

In Nordrhein-Westfalen wurden laut einer Mitteilung der Krankenversicherung Barmer seit Dezember 730 Influenza-Fälle gemeldet. Das Münsterland ist dabei mit 185 Fällen eine der am stärksten betroffenen Regionen. Am häufigsten traf es demnach Menschen im Kreis Steinfurt (64), in Münster (43), sowie in den Kreisen Borken und Warendorf (beide 35), im Kreis Coesfeld wurden hingegen nur acht Fälle gemeldet. Mit Abstand am häufigsten erkrankt sind in NRW bisher Kölner (87 Fälle), Hamm, Herne und Krefeld hingegen meldeten lediglich jeweils zwei Influenza-Fälle. Den Verlauf der Grippewelle kann man auf wöchentlich erstellten Karten des Robert Koch-Instituts nachverfolgen.

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Diese Zahlen zeigen nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Geschehens: Nach RKI-Schätzungen werden im Verlauf von Grippewellen 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung angesteckt. Mehrere Zehntausend Tote bei heftigen Wellen werden angenommen - meist sind Senioren betroffen, die das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Die Schwere der Welle schwankt von Jahr zu Jahr. Im vergangenen Winter wertete das RKI den Verlauf als moderat.

Wie Kälte das Infektionsrisiko erhöht

Das Wetter kann die Übertragung nach RKI-Einschätzung indirekt beeinflussen. Bei sehr kaltem Wetter hielten sich Menschen länger in geschlossenen Räumen auf und trockene Heizungsluft könne die Schleimhäute der Atemwege unter Umständen infektionsanfälliger machen. Auch könnten die Tröpfchen, die von Kranken ausgehustet werden, bei Kälte länger in trockener Raumluft schweben und damit über etwas größere Distanzen auf die Atemschleimhäute anderer Menschen gelangen. „Für die Schwere einer Grippewelle und die Zahl der Erkrankungen sind aber andere Faktoren sicher wichtiger, zum Beispiel die Immunität in der Bevölkerung durch vorausgegangene Grippewellen“, betonte Buda.

Impfstoff muss jährlich angepasst werden

Die Oberflächenstrukturen von Influenzaviren ändern sich von Jahr zu Jahr, wie der Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover, Tobias Welte, erläutert. Für das Immunsystem bedeutet das wechselnde Herausforderungen. Auch der Impfstoff muss jährlich an die veränderten Strukturen angepasst werden - Monate vor Saisonbeginn gemäß Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ein Piks alle zehn Jahre wie bei manch anderer Impfung ist bei Influenza daher nicht möglich.

In den vergangenen zehn Jahren lagen die WHO-Empfehlungen in mindestens drei Jahren komplett falsch.

Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover

Wiederholt war jedoch der Schutz, den die Impfung bot, nicht optimal. „In den vergangenen zehn Jahren lagen die WHO-Empfehlungen in mindestens drei Jahren komplett falsch“, sagte Welte. Während die Herstellung von Millionen Impfdosen läuft, wandeln sich die Erreger weiter. So kann es kommen, dass der Impfstoff nicht mehr passt. Bei älteren Menschen kommt hinzu, dass das Immunsystem oft nicht mehr so fit ist und die Impfung daher nur schwächeren Schutz bietet. Das RKI verwies allerdings immer wieder darauf, dass angesichts der Häufigkeit der Grippe immer noch zahlreiche Fälle mit der Impfung verhindert werden, sie gelte als wichtigste Schutzmaßnahme.

Der „große Traum“ der Forscher

Wissenschaftler verfolgen international schon länger die Idee, andere, effizientere Ansätze zu finden: zum Beispiel einen Universalimpfstoff gegen alle Grippeerreger. Die Vorstellung sei „ein großer Traum“, für dessen Erfüllung aber noch viel Arbeit nötig sei, sagte Welte. Solche Impfstoffe, die etwa gegen weniger variable Kernstrukturen des Virus gerichtet sind, befänden sich in frühen Entwicklungsphasen, etwa im Tiermodell. Bis zur Zulassung für den Einsatz am Menschen vergingen ab dann mindestens noch zehn, eher 15 Jahre, so der Experte. Gegebenenfalls könne die Politik das Verfahren beschleunigen, solle eine geeignete Substanz gefunden sein.

Typischer Verlauf

Eine echte Grippe beginnt oft plötzlich. Zu typischen Symptomen zählen Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Glieder- und Kopfschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Neben milden Verläufen sind auch Komplikationen möglich, etwa mit Lungenentzündung.

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