Corona-Pandemie
Flüge gestrichen: Argentinier segelt von Portugal nach Hause

Er wollte seine Eltern noch einmal sehen, doch wegen der grassierenden Corona-Pandemie waren alle Flüge gestrichen. Da setzte Juan Manuel Ballestero kurzentschlossen Segel und stach in See.

Freitag, 19.06.2020, 03:51 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 05:01 Uhr
Juan Manuel Ballestero steht auf seinem Boot. Am 24. März - nachdem Argentinien alle Flüge gestrichen hatte - legte er im Hafen von Porto Santo in Portugal ab und erreichte am 17. Juni Mar del Plata.
Juan Manuel Ballestero steht auf seinem Boot. Am 24. März - nachdem Argentinien alle Flüge gestrichen hatte - legte er im Hafen von Porto Santo in Portugal ab und erreichte am 17. Juni Mar del Plata. Foto: Vicente Robles

Mar del Plata (dpa) - Nach einer dreimonatigen Atlantiküberquerung in einem kleinen Segelboot von der portugiesischen Insel Porto Santo bei Madeira nach Argentinien erreichte Juan Manuel Ballestero den Badeort Mar del Plata, wie örtliche Medien berichten.

«Als das Coronavirus sich ausbreitete, starben in Europa 1000 Menschen am Tag und ich hatte Angst, meine Familie nie wieder zu sehen», sagte der 47-Jährige der Zeitung «La Nación». Mit 90 und 82 Jahren gehören seine Eltern zur Risikogruppe. Weil es keine Flüge nach Argentinien mehr gab, entschied sich Ballestero dazu, mit seinem 8,80 Meter langen Segelboot «Skua» die Überfahrt zu wagen. Er kaufte für 200 Euro Proviant und nahm Kurs auf Argentinien.

Ballestero ist ein erfahrener Skipper und hatte bereits 2011 einmal den Atlantik überquert, dennoch brachte die Fahrt ihn und vor allem sein Boot an die Grenzen. Mehrfach geriet er in heftige Stürme und die Außenhaut des Boots bekam Risse. «Das Wasser stand mir bis zum Bauchnabel», erzählte er.

Nach kurzen Zwischenstopps in Brasilien und Uruguay ist er nun im Hafen seiner Heimatstadt Mar del Plata vor Anker gegangen. Allerdings kann er seine Eltern Carlos und Nilda noch immer nicht in die Arme schließen - vorher muss er noch die zweiwöchige Quarantäne auf seinem Boot verbringen.

Ein Wunsch konnte nach einer Fahrt über 8000 Kilometer und 85 Tage auf hoher See allerdings nicht länger warten. «Schickt mir ein Schnitzel rüber», rief er seinen Freunden und Bekannten zu, die ihn an der Hafenmole erwarteten.

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