Fußball
Schüler im WM-Dilemma: späte Spiele, früher Schulstart

Fußballfans dürften während der anstehenden WM ziemlich müde sein: Manche Spiele fangen erst um 22.00 Uhr oder später an - das passt auch mit den Stundenplänen an den Schulen nicht zusammen.

Freitag, 06.06.2014, 09:06 Uhr

Joachim Löw kann so oder so auf die Unterstützung der Schüler bauen. Foto: Uwe Anspach
Joachim Löw kann so oder so auf die Unterstützung der Schüler bauen. Foto: Uwe Anspach Foto: dpa

Salzgitter (dpa) - Abends bei der WM mitfiebern und morgens länger schlafen? Das dürfte sich mancher Schüler wünschen, denn einige Spiele der Fußball-Weltmeisterschaften fangen erst um 22.00 Uhr europäischer Sommerzeit oder noch später an.

Ob man da nicht was am Stundenplan drehen kann? Schwierig. Eine einheitliche Regelung gibt es in Deutschland nicht. In manchen Bundesländern können es sich die Schüler ganz abschminken, nach den Spielen länger zu schlafen. Andere Länder überlassen es den Schulen, ob der Unterricht während der Weltmeisterschaft später losgeht.

Wegen des Fußballfiebers also länger im Bett bleiben? «Das ist zwar gut gemeint, aber der Aufwand ist zu groß», sagt Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ( GEW ). Und der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus , hält davon «überhaupt nichts». Er sagt: «Schule muss Vorrang haben.»

«Viele Schüler fahren mit dem Bus, die Fahrpläne werden aber nicht extra wegen der WM umgestellt. Dann könnten diese Schüler ohnehin nicht später zur Schule kommen», sagt Hoffmann von der GEW. Auch Kraus vom Lehrerverband meint, es höchstens in Großstädten könnte man den Unterrichtsbeginn verschieben. «Was macht man denn mit Schulen auf dem Land, wo die Schüler von den Bussen abhängig sind?»

Dass einige Länder die Schulen selbst über den Schulbeginn entscheiden lassen, davon hält Hoffmann nichts. «Es ist falsch, die Verantwortung an die Schulen zu geben. Weil die Schulen dann auch die Verantwortung tragen, wenn die Schüler müde im Unterricht sitzen.»

Etwa in Baden-Württemberg, Sachsen und Niedersachsen entscheiden die Schulen selbst, ob das tatsächlich so ist oder der Unterricht während der WM später losgeht. In Baden-Württemberg seien die Reaktionen gemischt: An manchen Schulen scheine Fußball keine Rolle zu spielen, andere freuten sich, flexibel sein zu können, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums. Für viele Schulen ist der Aufwand zu groß.

Ob machbar oder nicht, Kraus hält auch mit Blick auf die anstehenden Zeugnisse nichts von Fußball-Ausnahmen. Lehrer seien am Ende des Schuljahres froh um jede Stunde: «Ganze Klassen brauchen noch Noten oder ein Schüler steht noch auf der Kippe, so dass Lehrer ihm nochmal auf den Zahn fühlen wollen.» Hoffmann von der GEW plädiert aber für etwas Rücksicht: «Die Schulen sollten (...) zum Beispiel keine Klassenarbeiten nach wichtigen Spielen ansetzen.»

Die rund 280 Schüler der Hauptschule «An der Klunkau» im niedersächsischen Salzgitter können länger schlafen - zumindest, nach dem Halbfinale und dem Finale. Und auch nur, wenn Deutschland überhaupt so weit kommt. «Wir haben nichts davon, wenn die Schüler am nächsten Tag in den Seilen hängen», sagt Schulleiter Dirk Heinemann. «Allen kann man es natürlich nicht recht machen, aber letztendlich gab es große Zustimmung.» Die Lehrer müssen trotzdem wie üblich um 7.30 Uhr anfangen. Und wenn Schüler, etwa weil ihre Eltern arbeiten müssen, nicht später kommen können, gehe das natürlich auch.

Manche Schüler haben ohnehin ein bisschen Glück, ganz egal, wie und wann der Schulbus fährt: Etwa in Hamburg, Brandenburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen gibt es früh Sommerferien - so können sie zumindest in der entscheidenden WM-Phase die Spiele gucken und am nächsten Morgen so lange liegen bleiben, wie sie wollen. Vorher heißt es aber noch Daumen drücken, damit Deutschland es auch tatsächlich so weit schafft.

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