Marcel Reif über die Fußball-WM
Die Einstellung entscheidet

Unser Gastkolumnist Marcel Reif hat sich mit (Sport-)Politik, den Testspielen, Titelverteidiger Deutschland und der Furcht vor der Gruppenphase beschäftigt.

Donnerstag, 14.06.2018, 10:00 Uhr

Große Fußballer im Zweikampf. Aber reicht bei Superstar Cristiano Ronaldo die Kraft, um nach langer Saison noch einmal wirkliche Kunst zu zeigen? Und kann Weltmeister Mats Hummels als Titelverteidiger wirklich die letzten Prozent herauskitzeln?
Gastkolumnist Marcel Reif schreibt über Gündogan und Özil, Testspiele und die Furcht vor der Gruppenphase. Foto: dpa

Fangen wir an mit – Politik. Russland ist nicht Putin, jedenfalls nicht nur. Geben wir den Menschen in diesem schönen Land eine echte Chance, sich als freundliche und faire Gastgeber zu zeigen anstatt ihnen mit Vorurteilen und Belehrungen zu begegnen.

Nicht zu viel verlangen

Und lasst uns bitte nicht zu viel verlangen von unseren Fußballern. Herr Kimmich muss nicht vor jedem Eckball dem Arm heben und ein Statement verlesen zu Menschenrechten, zur Ost-Ukraine oder zu sonstwas – das zu verlangen, wäre heuchlerisch und eine Überforderung des Sports wie seiner Protagonisten.

Wer solche Proteste einfordert, hätte besser versuchen sollen, die WM in Russland zu verhindern. Oder die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Oder die WM 2022 in Katar. Oder die Sommerspiele in Peking. Oder die Winterspiele in Peking.

Die Stadien der Fußball-WM in Russland

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  • Blick am Abend über das Stadion Luschniki in Moskau, in dem das Finale der Fußball-WM 2018 stattfindet.

    Foto: Dmitry Serebryakov
  • Die deutsche Mannschaft bestreitet hier am kommenden Sonntag ihr erstes WM-Spiel gegen Mexiko. Das Luschniki-Stadion bietet Platz für 80.000 Menschen.

    Foto: Ivan Sekretarev
  • Das Spartak-Stadion: Moskaus populärster Club Spartak spielt hier seine Heimspiele. Es bietet 45.000 Plätze.

    Foto: Marcus Brandt
  • Das auf einer Newa-Insel erbaute Sankt-Petersburg-Stadion, wird bei Nacht farbig angestrahlt.

    Foto: Dmitri Lovetsky
  • Im Sankt-Petersburg-Stadion findet das Spiel um Platz drei statt.

    Foto: Dmitri Lovetsky
  • Insgesamt hat das Sankt-Petersburg-Stadion ein Fassungsvermögen von 67.000 Plätzen.

    Foto: -/CNES AIRBUS DEFENCE & SPACE/AP/dpa
  • Das Kaliningrad-Stadion ist ein Neubau auf der Oktjabrski-Insel.

    Foto: Uncredited
  • Einen Fußball-Top-Club gibt es in der Ostsee-Metropole, dem ehemaligen Königsberg, nicht. Das Kaliningrad-Stadion bietet 35.000 Plätze.

    Foto: Uncredited/CNES AIRBUS DEFENCE & SPACE/AP/dpa
  • Die Mordowia-Arena am Stadtrand von Saransk. In dem Stadion sollen Spiele der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2018 stattfinden. Nach der WM gibt es einen Rückbau für Tennis und Volleyballfelder. Hier finden 44.000 Zuschauer einen Platz.

    Foto: Julia Chestnova
  • Die Rostow-am-Don-Arena, das WM-Stadion der Stadt mit Platz für 45.000 Besucher.

    Foto: Uncredited
  • Das Fischt-Olympia-Stadion in Sotschi.

    Foto: Andre Penner
  • Die Fischt-Arena mit dem Flügeldach hat einen Blick aus Schwarze Meer und war Hauptspielort der DFB-Elf beim Confed Cup. Die Arena hat insgesamt 48.000 Plätze. Auch bei der WM kickt Deutschland hier in der Vorrunde gegen Schweden.

    Foto: Artur Lebedev
  • Das Nischni-Nowgorod-Stadion in Nowgorod.

    Foto: James Ellingworth
  • Der futuristische Neubau des Nischni-Nowgorod-Stadions soll Wasser und Wind symbolisieren. Er bietet Platz für 45.000 Zuschauer.

    Foto: -/CNES AIRBUS DEFENCE & SPACE/AP/dpa
  • Die Jekaterinburg Arena - rund um die neo-klassizistische Fassade der alten Arena wurde das neue Stadion gebaut.

    Foto: Anton Basanaev
  • Markant sind die Hinter-Tor-Tribünen der Jekaterinburg Arena, die aus dem Rund herausragen und nach der WM abgebaut werden sollen. Platz bietet die Arena für 35.000 Besucher.

    Foto: Anton Basanaev
  • Die Kasan-Arena, das WM-Stadion der Stadt. Die neue Multifunktionsarena wurde schon beim Confed Cup erfolgreich getestet. 45.000 Plätze.

    Foto: Sergei Grits
  • Die Samara-Arena, das WM-Stadion der Stadt.

    Foto: Yuri Strelets
  • Das Stadion in Samara ist die künftige Heimstätte des Zweitligisten Krylja Sowetow. In dem Viertelfinal-Stadion haben 45.000 Menschen Platz.

    Foto: Yuri Strelets
  • Die neue Wolgograd-Arena, das WM-Stadion der Stadt, entstand am Ufer der Wolga vor der Kulisse des Kriegsmahnmals «Mutter Heimat ruft».

    Foto: Dmitriy Rogulin
  • Die Wolgograd-Arena hat 45.000 Plätze.

    Foto: Dmitriy Rogulin

Der Sport ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, vor allem dann nicht, wenn der Politik keine Mittel einfallen oder sie der Wirtschaft nicht gefallen. Oder beides.

So viel wie nötig

Damit wir uns nicht missverstehen: Von der Formel „Sport hat mit Politik nichts zu tun“ halte ich nichts. Eher darf man sagen: So viel Sport wie möglich und so viel Politik wie nötig.

Wenn uns eine WM die Möglichkeit gibt, einen tiefen Blick auf ein Land zu werfen, dann sollten wir nicht blind sein für das, was wir sehen und was um uns herum geschieht. Dann dürfen und sollen wir sagen, wenn uns Dinge nicht gefallen. Das ist gelebte Meinungsfreiheit, und auf die haben auch Nationalspieler im WM-Dienst ein Recht. Aber das ist ihre persönliche Sache.

Video-Umfrage: Münster stellt die deutsche Mannschaft vor der WM auf

Gilt das auch für Mesut Özil und Ilkay Gündogan? Nein. Ein solches Foto mit Herrn Erdogan gibt es nicht zum Nulltarif. Das hätten die beiden wissen können, nein: müssen. Und wenn nicht, hätte es einer aus ihrem Schwarm von Beratern wissen und ihnen sagen müssen.

Ein privates Treffen wäre ihre Privatsache gewesen mit privaten Konsequenzen. Denn eines bleibt: Sie sind deutsche Nationalspieler – auch mit Vorbildfunktion! Und Erdogan ist der, der er ist. Aber der Termin war Mittel zum Zweck im Wahlkampf und wurde auch so verbreitet. Und das hat nur funktioniert, weil Özil und Gündogan in ihrer Rolle als deutsche Nationalspieler aufgetreten sind.

Gravierende Folgen

Die Folgen für das Mannschaftsklima sind gravierend, der Fall ist zu einer Belastung für alle geworden und stört die WM-Vorbereitung. Das liegt auch am jämmerlichen Krisenmanagement mit dem Tiefpunkt des inszenierten Treffens im Schloss Bellevue, in das deutsche Fußballer sonst nur kommen, um sich das Silberne Lorbeerblatt abzuholen.

Die Teamleitung hätte Klartext sprechen müssen anstatt mit halbgaren Erklärungen herumzueiern. Das geht nicht, man kann Zahnpasta nicht in die Tube zurückdrücken.

Die Menschen haben gemerkt, wie da taktiert worden ist. Sie fühlten sich auf den Arm genommen, und ich glaube, dass es vor allem deshalb in Leverkusen die Pfiffe gab gegen Gündogan.

Zum Autor

Marcel Reif

Meinungsfreudig und ausdrucksstark ist Marcel Reif seit seinem Rückzug als TV-Kommentator einer der gefragtesten Fußball-Experten. Der Mann, der beim ZDF, RTL und schließlich bei Sky ein Live-Reporter der Extraklasse war, wird während der WM als Kolumnist für diese Zeitung tätig sein. Wir wissen nicht, welche Meinung er zu welchem Thema haben wird – aber wir sind sicher, dass er sie mit Wissen, Geist und Humor perfekt würzen wird. Reif (68) wurde in Polen geboren, er lebte lange in Deutschland, ehe er 1997 in die Schweiz übersiedelte und 2013 die Schweizer Staatsbürgeschaft annahm. Der eloquente Fernsehmann wurde mehrfach ausgezeichnet, 2003 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis für seine Berichterstattung von der Fußball-WM 2002.

...

Kann der Fall sogar die ausgerufene Mission Titelverteidigung gefährden? Hoffentlich nicht, aber das gilt genauso für andere – im Vergleich – Problemchen in der deutschen Mannschaft.

So darf man fragen, wie die Bayern das Gefühl abschütteln, eine verkorkste Saison hinter sich zu haben. Ob Boateng wieder fit wird und ob der Fuß von Neuer wirklich hält.

Testspiele halt

Und man darf sich durchaus nachdenklich am Kopf kratzen, wenn man die ­beiden letzten Testspiele gesehen hat. Österreich einen Sieg über die Piefkes im ­Geschenkpapier zu überlassen, das muss nun wirklich nicht sein, aber okay – Testspiele halt.

Der Plan, sich zur Generalprobe mit den Saudis einen Gegner einzuladen, gegen den man sich mit einer Handvoll Törchen in WM-Laune bringt, ist dann auch daneben gegangen. Anstatt fröhlich pfeifend aufzu­brechen, wurde man von einer pfeifenden Kulisse außer Landes geleitet.

Der deutsche WM-Kader 2018

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  • Manuel Neuer (32 Jahre)

    Position: Torwart

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 02.06.2009

    Länderspiele: 74

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Guillaume Horcajuelo/EPA/dpa
  • Marc-André Ter Stegen (26 Jahre)

    Position: Torwart

    Verein: FC Barcelona

    Länderspieldebüt: 26.05.2012

    Länderspiele: 19

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Kevin Trapp (27 Jahre) 

    Position: Torwart

    Verein: Paris Saint-Germain

    Länderspieldebüt: 06.06.2017

    Länderspiele: 3

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Jan Woitas/dpa
  • Mats Hummels (29 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 13.05.2010

    Länderspiele: 63

    Tore: 5

    WM-Teilnahmen: 1

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Jonas Hector (27 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: 1. FC Köln

    Länderspieldebüt: 14.11.2014

    Länderspiele: 36

    Tore: 3

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Ina Fassbender/dpa
  • Matthias Ginter (24 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: Borussia Mönchengladbach

    Länderspieldebüt: 05.03.2014

    Länderspiele: 17

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 1

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Jérôme Boateng (29 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 10.10.2009

    Länderspiele: 70

    Tore: 1

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Arne Dedert/dpa
  • Joshua Kimmich (23 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 29.05.2016

    Länderspiele: 27

    Tore: 3

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Marvin Plattenhardt (26 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: Hertha BSC

    Länderspieldebüt: 06.06.2017

    Länderspiele: 6

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Antonio Rüdiger (25 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Chelsea

    Länderspieldebüt: 13.05.2014

    Länderspiele: 23

    Tore: 1

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Niklas Süle (22 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 31.08.2016

    Länderspiele: 9

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Toni Kroos (28 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein:Real Madrid

    Länderspieldebüt: 03.03.2010

    Länderspiele: 82

    Tore: 12

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: : Christian Charisius/dpa
  • İlkay Gündoğan (27 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Manchester City

    Länderspieldebüt: 11.10.2011

    Länderspiele: 24

    Tore: 4

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Federico Gambarini/dpa
  • Sami Khedira (31 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Juventus Turin

    Länderspieldebüt: 05.09.2009

    Länderspiele: 73

    Tore: 7

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Federico Gambarini/dpa
  • Sebastian Rudy (28 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 13.05.2014

    Länderspiele: 24

    Tore: 1

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: dpa
  • Leon Goretzka (23 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: FC Schalke 04

    Länderspieldebüt: 13.05.2014

    Länderspiele: 14

    Tore: 6

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Julian Draxler (24 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Paris Saint-Germain

    Länderspieldebüt: 26.05.2012

    Länderspiele: 42

    Tore: 6

    WM-Teilnahmen: 1

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Marco Reus (28 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Borussia Dortmund

    Länderspieldebüt: 07.10.2011

    Länderspiele: 29

    Tore: 9

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa
  • Mesut Özil (29 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: FC Arsenal

    Länderspieldebüt: 11.02.2009

    Länderspiele: 89

    Tore: 22

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Julian Brandt (22 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Bayern 04 Leverkusen

    Länderspieldebüt: 29.05.2016

    Länderspiele: 14

    Tore: 1

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: : Jan Woitas/dpa
  • Thomas Müller (28 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 03.03.2010

    Länderspiele: 90

    Tore: 38

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Federico Gambarini/dpa
  • Timo Werner (22 Jahre)

    Position: Sturm

    Verein: RB Leipzig

    Länderspieldebüt: 22.03.2017

    Länderspiele: 12

    Tore: 7

    WM-Teilnahmen 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Mario Gomez (32 Jahre)

    Position: Stürmer

    Verein: VfB Stuttgart

    Länderspieldebüt: 07.02.2007

    Länderspiele: 73

    Tore: 31

    WM-Teilnahmen: 1

    Foto: dpa

Aber das alles wird sich sportlich regeln lassen, dafür steht schon der Bundes­trainer, der jetzt als Weltmeister noch ein bisschen un­angreifbarer geworden ist. Nein, die entscheidende Frage ist: Sind diese jungen Menschen, die in ihrer Sportart das Höchste erreicht haben, was man erreichen kann, wirklich wieder hungrig genug, um das noch mal zu schaffen?

Darauf kommt es an: Nicht auf die Aufstellung, sondern auf die Einstellung; ob es ­gelingt, die letzten Prozent bis zur äußersten Leistungsgrenze herauszuholen. Das ist die Herausforderung für einen Titelverteidiger, und die ist sehr groß. Deshalb ­haben es auch erst zwei Mannschaften geschafft – die letzte kam aus Brasilien, und das war 1962.

WM, das Turnier der Weltbesten

Das war in Chile und die zweite WM, an die ich mich erinnern kann. Seitdem habe ich jedes Turnier verfolgt und ich gedenke nicht, damit aufzuhören. Die Faszination für das große Spiel ist intakt, aber ungetrübt kann ich sie schon lange nicht mehr genießen.

Ich würde gern Ronaldo und Messi, die beiden besten Fußballer unseres Planeten, und all die anderen Ausnahmespieler auf der Höhe ihrer Kunst erleben. Und nicht mit ansehen müssen, wie sie sich beim wichtigsten Turnier nach einer elend langen Saison müde und ausgelaugt über den Platz schleppen.

Diese Länder nehmen an der WM teil

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  • Russland hat bei Weltmeisterschaften noch nie für Riesen-Aufmerksamkeit sorgen können. Außer vielleicht beim WM-Finale 1966 zwischen England und Deutschland, als der russische Linienrichter Toriq Behramow seinem Schiedsrichter  Gottfried Dienst (Schweiz) signalisierte, dass der später als Wembley-Tor  viel diskutierte Treffer  von Geoff Hurst hinter der Linie war. Russland (damals noch UdSSR) wurde damals Vierter.

    In diesem Jahr läuteten schon vor dem ersten Anpfiff die Alarmglocken nach der verpatzten Generalprobe gegen die Türkei (1:1). Als „Katastrophe, die in einem Albtraum enden könnte“, bezeichnete die Moskauer Zeitung „Sport Express“ den letzten Auftritt der Sbornaja. Das Team von Trainer Stanislaw Tschertschessow blieb im Jahr 2018 ohne einen Sieg, hatte von seinen letzten sieben Spielen keines gewonnen. 

    „Das Einzige, was Russland für eine perfekte WM noch fehlt, ist eine gute Mannschaft“, sagte Bestsellerautor Wladimir Kaminer und fügte süffisant hinzu: „Es sieht so aus, als könne Russland nur Weltmeister werden, wenn der Präsident mitspielt.“

    Prognose der Redaktion

    Das Viertelfinale ist drin – weil das Publikum mithilft. 

    ...
    Foto: Marius Becker/dpa
  • Nach dem 1:2 im finalen Testspiel gegen Deutschland  hagelte es Lob für die „Grünen Falken“: „Saudi-Arabien ist sehr gut organisiert und hat eine gute Mentalität“, sagte beispielsweise Oliver Kahn. Der frühere Nationaltorwart ist seit Herbst Torwarttrainer beim saudischen Verband.

    Auch Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich wenig überrascht vom Auftritt der Araber. „Wir haben festgestellt, dass sie enorme Fortschritte gemacht haben“, sagte Löw:  „Weil sie fußballerisch gut sind, frech, klein, beweglich, flexibel, am Ball sehr gewandt.“

    Saudi-Arabiens argentinischer Trainer Antonio Pizzi betonte:  „Das Spiel gibt uns Selbstvertrauen für das Eröffnungsspiel.“

    Na ja. Überbewerten werden die Jungs um Stürmer Mohammed Al-Sahlawi das Resultat gegen die Deutschen nicht. Saudi Arabien ist bei der WM krasser Außenseiter. Als Weltranglisten-67. sind die Saudis, zum 5. Mal bei einer WM-Endrunde dabei und 1994 (USA) sogar im Achtelfinale, der nominell zweitschlechteste WM-Teilnehmer nach Russland.   

    Prognose der Redaktion

    Der Außenseiter der Gruppe A ändert seinen Nimbus nicht.

    ...
    Foto: Peer Grimm/dpa-Zentralbild/dpa
  • Der Sport gebiert Helden – das mag euphemistisch klingen – im Fall von Mohamed Salah  mag es jedoch treffend sein. In Ägypten hat der Stürmer vom FC Liverpool längst Heldenstatus erreicht – fast scheint es so, als habe „König Mo“ den „Pharaonen“ ganz allein die 28-jährige WM-Abstinenz beendet.

    Immerhin hatte Salah im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen die Demokratische Republik Kongo in der 5. Minute der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer zum Sieg erzielt. Hunderttausende feierten in Kairo das Ereignis – und seinen Protagonisten.

    Dass – mit dem im Champions-League-Finale verletzten und wohl erst im WM-Verlauf wieder fitten Ausnahmefußballer – Ägypten die Vorrunde überstehen kann, liegt allerdings nicht nur am Können der Nordafrikaner. Die ziehen aus dem vermeintlichen „Losglück“ mit Russland, Saudi Arabien und Uruguay als Gegner der Gruppe A die Hoffnung, erstmals seit 1938 wieder ein WM-Achtelfinale zu erreichen. – Wenn Salah nach seiner Schulterverletzung denn eingesetzt werden kann und das Buhlen des FC Barcelona um ihn nicht für Unruhe im Kader sorgt. 

    Prognose der Redaktion

    Ägypten kommt als Gruppenzweiter weiter.

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    Foto: Philipp Laage/dpa-tmn
  • Lange ist‘s her: 1930 war es, als Uruguay, auch die „Celeste“ wegen der blauen Trikots genannt, den ersten Weltmeistertitel (als damaliger Gastgeber der ersten WM-Endrunde) gewann. 20 Jahre später bissen sich die Südamerikaner erneut durch. 1950 holten sie sich den zweiten Titel. Immerhin: In diesen Dekaden galt der kleine Staat, zwischen Brasilien und Argentinien gelegen, als Fußball-Macht.

    Nun haben sie sich zurückgebissen in die Phalanx der, na ja, mittelgroßen Fußballnationen. 2010 in Südafrika wurden sie Vierte.

    Beißen ist ein Stichwort: Uruguays populärster und mit 51 Länderspieltreffern auch erfolgreichster Spieler, Luis Suarez vom FC Barcelona, sorgte bei der WM in Brasilien mit einer Beiß-Attacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini in der Vorrunde für einen riesigen Skandal und weltweites Aufsehen. Ohne seinen Torjäger schied das Team im Achtelfinale gegen Kolumbien aus.

    In Russland will der Angreifer nur noch Tore sprechen lassen und zusammen mit Sturmpartner Edinson Cavani von Paris St. Germain sportlich für Furore sorgen. Das Selbstvertrauen im Team von Trainer Oscar Tabarez ist groß. 2011 gewann er mit seinem Team die Copa America.

    Prognose der Redaktion

    Uruguay zieht als Gruppenerster ins Achtelfinale ein.

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    Foto: dpa
  • Seine Pistolero-Pose ist legendär. Und wirkt arrogant. Dass Cristiano Ronaldo von sich überzeugt ist, ist hinlänglich bekannt. Ein großer Selbstverliebter, dieser Portugiese, der dem Fußball bislang so viel gegeben hat. Flemmen kann der fünfmalige Weltfußballer wie kaum ein anderer. Und diese Gabe hat ihn reich gemacht. Inzwischen gehört „CR7“ zu den bestbezahlten Sportlern auf dem Globus. 93 Millionen Dollar soll er allein 2017 verdient haben. Ein stolzes Sümmchen.

    Das alles hat sich der 33-Jährige hart erarbeitet. In Madeira, seiner Heimat, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater war Alkoholiker, verstarb früh mit 53 Jahren an Leber- und Nierenversagen, die Mutter zog ihn alleine groß – und gestand in der Kino-Dokumentation „Ronaldo – der Film“ unter Tränen, dass sie darüber nachgedacht hätte, die Schwangerschaft abzubrechen.

    In Russland zählen die Portugiesen übrigens nicht zu den Titelanwärtern. Denn: Die extreme Abhängigkeit von ihrem Superstar ist die größte Schwäche des amtierenden Europameisters. Trotzdem: Ein Ronaldo kann schon mal den Unterschied ausmachen.    

    Prognose der Redaktion

    Das Viertelfinale ist drin für Portugal.

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    Foto: dpa
  • Absicht? Real Madrids Sergio Ramos wurde seinem Ruf als „Bad Boy“ der Szene beim Finale in der Champions League gegen den FC Liverpool einmal mehr gerecht. Der Spanier hatte sich beim 3:1-Sieg in der 30. Minute auf einen Zweikampf mit Mohamed Salah eingelassen und verletzte diesen böse an der Schulter. Das vorzeitige Aus für den Ägypter. Die spannende Frage: Handelte der 32-Jährige vorsätzlich?

    Fakt ist: Ramos zog sich den Zorn von Millionen Fußballfans zu, wurde in den sozialen Netzwerken auf üble Weise beschimpft und angefeindet. Drohende Nachrichten und Anrufe gingen sogar auf seinem Handy ein – eine Änderung der Nummer war unumgänglich. Ganz nebenbei verklagte ihn ein ägyptischer Anwalt auf Schadenersatz – er soll nicht weniger als eine Milliarde gefordert haben. Verrückt.

    Und jetzt das: Spaniens nicht unumstrittener Superstar liefert frei Haus Spaniens WM-Hit 2018. An der Seite von Musiker Demarco Flamenco trällert er die Ballade „Otra Estrella en tu Corazon“, was übersetzt so viel wie „Ein weiterer Stern in deinem Herzen“ heißt. Lammfromm.

    Prognose der Redaktion

    Spanien gehört zu den heißen Titelanwärtern.

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    Foto: Nacht/XinHua/dpa
  • In Kapstadt, Johannesburg und anderen großen Städten Südafrikas zogen  im Mai 2004 Tausende durch die Straßen. Just hatte die Fifa erstmals eine Fußball-Weltmeisterschaft an ein Land des afrikanischen Kontinents vergeben. Folgt nach dem Süden nun der Norden?

    Fakt ist: Marokko hat seine Bewerbung für das Turnier 2026 beim Weltverband eingereicht. Dafür muss sich das Königreich gegen namhafte Konkurrenten durchsetzen. Kanada, die USA und Mexico heißen die Gegner. Die Chancen sind indes ähnlich gering wie in den Jahren davor. Vier Mal hat sich der Wüstenstaat schon um die Spiele bemüht – stets vergeblich. Dafür präsentiert das Land mit Didier Drogba und Samuel Eto’o zwei Top-Stars der Szene als Botschafter. Sie dürften die Hoffnungen beleben.

    In Russland sind die Marokkaner nach 20 Jahren endlich wieder bei einer WM dabei. Und der Hunger ist groß. Der französische Trainer Herve Renard sagt frech: „Ich mache keinen Hehl daraus: Wenn wir bei der WM schon nach der Vorrunde ausscheiden, wäre das eine riesige Enttäuschung.“ Mit Verlaub: Spanien und Europameister Portugal sind eine Nummer zu groß.

    Prognose der Redaktion

    Marokko wird Dritter in der Gruppe – und fliegt heim.

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    Foto: Lukas Schulze/dpa
  • Die Iraner waren in Sachen WM-Qualifikation Frühaufsteher. Neben Gastgeber Russland und Rekordweltmeister Brasilien qualifizierte sich das Team aus dem Nahen Osten bereits im Juni 2017 als dritte Auswahl für das globale Kräftemessen – zum fünften Mal. Bislang war stets nach der Vorrunde Schluss. Erst 2014 am Zuckerhut scheiterte der dreimalige Asienmeister nach einem torlosen Unentschieden gegen Nigeria und Niederlagen gegen Argentinien (0:1) und Bosnien-Herzegowina (1:3) in der Gruppenphase.

    Die Vorbereitung auf das Turnier war alles andere als optimal. In der entscheidenden Phase gingen der Elf von Trainer Carlos Queiroz  die Testspielgegner aus. Hintergrund sind die politisch schwierigen Bedingungen – unter anderem haben die USA das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt. Da geht man schon mal auf Nummer sicher.

    Stürmer Ashkan Dejagah (Nottingham Forest) ist einer der bekanntesten Iraner, wurde 2009 mit dem VfL Wolfsburg Deutscher Meister und schlüpfte bei den Niedersachsen in die Rolle des Publikumslieblings. Zuletzt legte ihn allerdings eine Knie-OP lahm.

    Prognose der Redaktion

    Der Iran packt wieder nach der Vorrunde die Koffer.

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    Foto: picture-alliance/dpa/rf
  • Nein, Feuerwehrmann wollte „Grizou“ nie werden, der kleine Antoine Griezmann wollte eigentlich nie etwas anderes sein als Fußballer: Als Sechsjähriger kickte er für den EC Macon im Burgund – als 27-Jähriger zuletzt für Atletico Ma­drid. In der spanischen Hauptstadt wird der geniale Franzose vermutlich seine Zelte abbrechen – noch vor der WM will er seinen neuen Verein bekanntgeben.

    Interesse dürften alle haben, die sich den Starstürmer leisten können – sein Handelswert wird im sechsstelligen Millionenbereich angesiedelt. Billig ist er nicht – einfach schon gar nicht. Im Oktober 2012 wurde der 21-Jährige vom französischen Verband für ein Jahr suspendiert, weil er sich zu einem Disco-Besuch aus dem Trainingslager geschlichen hatte.

    Doch spätestens ab 2014 wusste auch die Èquipe Tricolore ihren unnachahmlichen Vortänzer wieder zu schätzen. Griezmann ist nämlich auch von den Gegnern nur schwer bis gar nicht zu bändigen – was vor allem deutsche Fußball-Fans nur zu gut wissen. Griezmann schoss im Alleingang mit zwei Treffern die Franzosen zum 2:0-Sieg gegen Deutschland ins EM-Finale 2016. 

    Prognose der Redaktion

    Frankreich bleibt als einer der Top-Favoriten lange im Turnier.

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    Foto: dpa-tmn
  • Was ist 1,78 m groß, hat eine außergewöhnliche Sprungkraft und kommt aus Australien? Klar, das rote Riesenkäguru – und natürlich Timothy Filiga Cahill, Australiens lebende und vor allem nimmermüde Fußball-Legende. Der Stürmer wird am 6. Dezember stolze 39 Jahre alt. Vorher bestreitet der Rekordtorschütze der „Aussies“ noch seine vierte Weltmeisterschaft nach den Auftritten 2006 in Deutschland, 2010 in Südafrika und 2014 in Australien.

    Trainer Bert van Marwijk setzt voll und ganz auf die Erfahrung seines Routiniers, der den jungen Hüpfern Mathew Leckie (Hertha BSC/27) und Robbie Kruse (VfL Bochum/29) im Sturm Beine machen soll. Denn keiner kennt den Weg zum Tor in Australien besser als Cahill, der 47 Mal für die Socceroos erfolgreich war. Cahill erzielte 2006 beim 3:1-Sieg über Japan auch die ersten beiden australischen WM-Treffer überhaupt.

    Der Mann, der in der Jugend für Samoa auf Torejagd ging, ist auch in den Rekordlisten der US-amerikanischen Profi-Liga verewigt: Nach acht Sekunden traf er 2013 für die New York Red Bulls gegen Houston Dynamo. Blitzschnell zugeschlagen – wie das Rote Riesenkänguru...

    Prognose der Redaktion

    Australien verliert kein Spiel hoch – aber alle drei.

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    Foto: dpa
  • Auf Schalke erinnert man sich gerne an Jéfferson Agustín Farfán Guadalupe: In der Saison 2008/2009 wechselte der Mann aus Lima nach Gelsenkirchen und erzielte seinen ersten Treffer ausgerechnet gegen Borussia Dortmund – alleine das macht ihn auf Schalke unvergesslich.

    Als er sich 2015 unerlaubt von der Truppe entfernte und der Copa America und Peru den Vorzug vor der Bundesliga und Schalke gab, standen die Zeichen auf Trennung. Mit 30 Jahren und einer langen Verletzungsgeschichte startete Farfán den sportlichen Vorruhestand und vergoldete seinen Karriereherbst mit einem einträglichen Gastspiel beim Erstligisten Al Jazira in Abu Dhabi.

    Doch noch war Farfán offensichtlich zu stark für die Abschiedstournee, 2017 sicherte sich Lokomotive Moskau die Durchschlagskraft des stabilen Peruaners. Zehn Treffer steuerte Farfán zu Moskaus Meisterstück bei.

    Auch Perus Nationaltrainer Ricardo Gareca baut wieder auf seinen Oldie, der neben dem gerade noch rechtzeitig vor Meldeschluss begnadigten Dopingsünder und Ex-Bayern-Spieler Paolo Guerrero Stütze des Teams sein soll – wie einst auf Schalke.

    Prognose der Redaktion

    Raus als Dritter – knapp hinter den punktgleichen Dänen.

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    Foto: dpa
  • Man nennt ihn den Grafen: Nicklas Bendtner ist der Mann, der Dänemark zurück auf den Fußball-Thron führen sollte. Im Jahr 2010 wurde der robuste und extravagante Torjäger  im damals noch vergleichsweise überschaubaren Fußballmarkt auf einen Marktwert von zehn Millionen Euro taxiert – vor der großen Fußball-Inflation ein absoluter Top-Wert.

    Arsenal London nahm den Hochbegabten unter Vertrag, verlieh ihn später an Juventus Turin – doch der ganz große Durchbruch wollte nicht gelingen. Von 2014 bis 2016 kickte der Däne beim VfL Wolfsburg mit eher mäßigem Erfolg, das Ende einer ungekrönten Karriere nahm seinen Anfang und liegt jetzt beim norwegischen Club Rosenborg Trondheim in den letzten Zügen.

    Diese WM sollte die letzte große Bühne für den Unvollendeten werden – doch der Vorhang fällt ohne Bendtner. Ende Mai zog sich Bendtner im Ligaspiel gegen Brann Bergen eine Muskelverletzung zu. Bis zum letzten Tag bangte Dänemark um einen seiner letzten großen Stars – ehe der Graf abdankte.

    Prognose der Redaktion

    Die Dänen begleiten Frankreich in die K.o.-Phase.

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    Foto: dpa
  • Messi, Messi, immer nur Messi. Alles dreht sich um „la pulga“, den Floh des FC Barcelona. Der 1,70 Meter große Supertechniker, geboren in Rosario, ist seit Jahren die große Hoffnung Argentiniens auf den ersten WM-Triumph nach 1986 in Mexiko. Doch der große Wurf im Nationaldress glückte  Messi (30) noch nicht, die Krönung von König Lionel I. blieb bislang aus.

    Bei den kontinentalen Titelkämpfen scheint den fünfmaligen Weltfußballer ein Deutschland-Fluch zu verfolgen. 2006 und 2010 verlor der wendige, wieselflinke Ausnahmekönner mit der Albiceleste jeweils im Viertelfinale, vor vier Jahren dann knapp nach Verlängerung im Endspiel. Nun folgt Messis vierter Anlauf. Doch noch: Schließlich hatte er im Juni 2016 nach der Final-Niederlage bei der Copa Americana Centenario gegen Chile seine Nationalmannschaftskarriere bereits beendet. Nur zwei Monate später aber folgte der Rücktritt vom Rücktritt, dann ein gutes Jahr später die mühselige Qualifikation für die WM in Russland. Das Turnier soll nun seines werden, nach all den Vereinstiteln mit Barca soll der Weltpokal her. Die Uhr tickt, auch für einen Superstar wie Messi.

    Prognose der Redaktion

    Argentinien ist wie immer alles zuzutrauen – ein Titelkandidat.

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    Foto: picture alliance /dpa-tmn
  • Mit seinen knapp 350 000 Einwohnern hat Island nur wenige mehr als Münster. Kein Wunder, dass der Inselstaat das kleinste Teilnehmer-Land der WM-Geschichte ist. Die nur geringe Auswahl an Fußballern – gerade einmal um die 100 Profis hat Island – hält die Wikinger aber nicht davon ab, erfolgreich Fußball zu spielen.

    Bei der EM 2016 stürmte das Team von Trainer Heimir Hallgrimsson, der weiterhin als Zahnarzt arbeitet, ins Viertelfinale – auch dank der herausragenden Unterstützung der zahlreichen Fans, die mit ihrem legendären und von einem rhythmischen Klatschen begleiteten Schlachtruf „Huh“ europaweit die Herzen erobert haben. Auf dem Feld schrieben die Kicker um Kapitän Aaron Gunnarsson ihr Märchen weiter und qualifizierten sich erstmals für eine WM. Zu der wird Island als ein Team aus Legionären fahren, zu dem mit Rurik Gislason (SV Sandhausen) und Alfred Finnbogason (FC Augsburg) auch zwei in Deutschland beschäftigte Profis gehören. Einzig Birkir Saevarsson und Kári Árnason spielen in der Heimat. Den isländischen Geist aber hat keiner vergessen. Der ist tief, ganz tief verwurzelt.

    Prognose der Redaktion

    Island ist Außenseiter – aber einer, der überraschen wird.

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    Foto: dpa-tmn/Ragnar Th. Sigurdsson
  • Die Erinnerungen an die WM 2014 in Brasilien lassen bei den heißblütigen Kroaten das Blut noch heute hochkochen. Nach einem Zupfer, der maximal ein Züpferchen war, von Dejan Lovren an Fred entschiedt Schiedsrichter Yuichi Nishimura auf Strafstoß für Brasilien. Der Gastgeber nahm in Person von Superstar Neymar das Geschenk zur 2:1-Führung an, die letztlich Grundlage für den 3:1-Erfolg war. Der Auftakt war der Anfang von Kroatiens schnellem Ende, nach dem 4:0 gegen Kamerun sowie dem 1:3 gegen Mexiko war bereits nach der Vorrunde Schluss.

    Eine bittere Enttäuschung, die sich nun in Russland nicht wiederholen soll. Dass Kroatien den Sprung ins Achtelfinale schafft, dafür soll allen voran Luka Modric (32) sorgen. Der schüchterne Spielmacher von Real Ma­drid ist das Herz der routinierten „Kockasti“ („die Karierten“) um Mario Mandzukic (31), Ivan Rakitic (30), Danijel Subasic (33) oder Ivan Perisic (29). Ein Selbstläufer in der Gruppe aber wird es nicht, daher sagt Verbandspräsident Davor Suker: „Wir sollten Schritt für Schritt gehen.“ Der erste soll gegen Nigeria erfolgen – damit in Zukunft die Erinnerungen an die WM 2018  nicht auch das kroatische Blut hochkochen lassen.

    Prognose der Redaktion

    Frühes Aus oder Viertelfinale – für Kroatien ist vieles möglich.

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    Foto: dpa
  • Deutsche Trainer haben in Nigeria schon fast eine Tradition. Karl-Heinz Marotzke (1970 bis 1971 und 1974), Gottlieb Göller (1981), Manfred Hoener (1988 bis 1989) sowie Berti Vogts (2007 bis 2008) hatten mehr oder weniger erfolgreiche Zeiten bei den „Super Eagles“, denen nun ein weiterer deutscher Coach zum Höhenflug verhelfen soll. Im Sommer 2016 übernahm Gernot Rohr das fußballerische Kommando in dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas (190 Millionen Einwohner) – in einer nicht einfachen Situation.

    Als WM-Achtelfinalist von 2014 verpasste Nigeria zwei Mal die Qualifikation zum Afrika-Cup. Ein Desaster für die fußballbegeisterte Nation. Der 64 Jahre alte Rohr, Meister 1974 und 1975 mit dem FC Bayern, hatte nur wenig Zeit für einen Neuaufbau, der ihm aber gelang. Dabei band der Wahl-Franzose ganz bewusst frühere Nationalspieler wie Jay-Jay Okocha, Viktor Agali oder Viktor Ikpeba als Bezugspersonen und Bindeglieder ein. Mit Erfolg, Nigeria qualifizierte sich zum sechsten Mal für die WM. Für den gebürtigen Mannheimer ist es dagegen eine Premiere auf der größten aller Fußball-Bühnen.

    Prognose der Redaktion

    In der schweren Gruppe wäre das Weiterkommen ein Erfolg.

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    Foto: picture-alliance/dpa/Michael Kappeler
  • Später dürfte Neymar froh gewesen sein, an diesem Tag in Belo Horizonte nicht auf dem Platz gestanden zu haben. Wobei die Frage erlaubt ist, inwieweit er das 1:7-Debakel bei der Heim-WM 2014 in Brasilien gegen Deutschland hätte stoppen können? Neymar hatte sich davor schwer am Rücken verletzt.

    Ihm geht es ein wenig wie Messi. Spricht man über die Nationalteams von Brasilien oder Argentinien, dann spricht man über die Superstars, halt Neymar oder Messi. Spricht man über Deutschland, spricht man über eine Mannschaft. Ein Mythos des Fußballs.

    Nationaltrainer Tite, der Schitsch oder so ähnlich ausgesprochen wird, hat die Hierarchie auf dem Feld verändert, schwört jedoch auf ein 4-4-1 ohne Wenn und Aber. Mehr Teamgeist, mehr Alternativen, Neymar auf der linken Seite nicht mehr Alleinunterhalter – damit soll WM-Titel sechs her.

    Neymar ist erst 26 Jahre jung, er bleibt der Anker der Selecao. Doch sein Durchbruch bei einer WM lässt auf sich warten, auch mit Paris St. Germain hat der 222-Millionen-Euro-Mann die ganz großen Ziele bislang verfehlt. Ein Schritt zurück zum Wohle der Mannschaft könnte allen helfen.

    Prognose der Redaktion

    Erreicht das Viertelfinale und scheitert an Deutschland.

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    Foto: Marcelo Sayao/EFE FILE/EPA/dpa
  • Granit Xhaka beschwört die Geister der Vergangenheit. Dabei wissen nur die wenigsten, dass der 25 Jahre alte Schweizer bereits Weltmeister war. Die Eidgenossen gewannen 2009 die Titelkämpfe in der U-17-Kategorie in Nigeria gegen die Gastgeber mit 1:0.

    Xhaka kommt nun bereits auf über 60 „richtige“ Länderspiele, allerdings zwang ihn gerade erst eine Knieverletzung zur Pause. Entwarnung aber gab es von Trainer Vladimir Petkovic, der mit dem Einsatz des Mittelfeldstars von Arsenal London gegen Brasilien zum WM-Auftakt fest rechnet. Und dafür stellte schon mal das neue Selbstbewusstsein klar: „Ich werde beim Eröffnungsspiel gegen Brasilien nicht mit offenem Mund dastehen.“

    Er, der für 43 Millionen Euro von Mönchengladbach zu Arsenal gewechselt war, will wieder Geschichte schreiben, am besten wiederholen, denn: „Wir haben 2009 Brasilien bei der U-17-WM geschlagen. Danach folgte das Achtelfinale gegen Deutschland – auch die Jungs vom DFB kippten wir aus dem Turnier.“ Eine Neuauflage in dieser Konstellation wäre möglich. Xhaka ist bereit dafür.

    Prognose der Redaktion

    Die Eidgenossen scheitern bereits in der Vorrunde.

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    Foto: Walter Bieri/KEYSTONE/dpa
  • Keylor Navas geht es wie seiner Nationalmannschaft. Sie werden unterschätzt. Das war 2014 bei der WM so, als die „Ticos“ sensationell das Viertelfinale erreichten und dort erst im Elfmeterschießen an den Niederlanden scheiterten. Letztgenannte Nation fehlt bei der WM, Costa Rica qualifizierte sich dagegen souverän hinter Mexiko für Russland.

    Navas ist dabei der Volksheld in seiner Heimat. Schließlich schaffte er nicht nur den Sprung zu Real Madrid, sondern setzte sich dort allen Unkenrufen zum Trotz auch durch. Seite an Seite mit Ronaldo, Bale oder Kroos gewann er drei Mal die Champions League – und wurde dennoch immer und immer wieder als zu leicht und klein befunden. Die Kritiker belehrte er zuletzt eines Besseren, im Halbfinale gegen Bayern München.

    „Ich brauche nur Vertrauen, wie es mir Zinedine Zidane bei Real geschenkt hat“, sagt der ewig Unterschätzte. „Ticos“-Trainer Oscar Ramirez, der „Machillo“ (das Männchen), setzt auf ihn. Denn bei Costa Rica ist er der Größte: mit 1,85 Metern. Seine Vertreter Leonel Moreira (1,80 m) und Patrick Pemberton (1,78) kommen auch nicht an das Torhüter-Gardemaß ran. Wen stört’s?

    Prognose der Redaktion

    Keine Chance für Costa Rica, das Aus in der Vorrunde.

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    Foto: picture alliance/dpa-tmn
  • Leicht zu bändigen ist Sergej Milinkovic-Savic nicht. „Er wird sich“, fordert der Ex-Schalker Mladen Kristajic als Chefcoach der serbischen Auswahl, „unterordnen müssen“. Es verheißt nichts Gutes, wenn ein Trainer das über einen 23-Jährigen sagt. Kristajics Vorgänger Slavoljub Muslin ließ den Jungstar links oder rechts liegen – und stolperte darüber. Beim im Dezember 2017 gekommenen Kristajic ist das anders: „Auf so ein Talent können wir nicht verzichten.“

    Dabei ist die WM für den „Zehner“ von Lazio Rom nur der Durchlauferhitzer. Er wird der nächste 100-Millionen-Euro-Mann sein. Die Summe bot Juventus Turin für ihn, deutlich zu wenig lautete die Antwort. Im Jahr 2015 war er von KRC Genk für 18 Millionen Euro nach Rom transferiert worden.

    SMS wird der filigrane Mittelfeldspieler nur noch genannt, ein paar WhatsApp-Nachrichten von ihm reichten zum Muslin-Aus. Sein Berater ist der Ex-Profi Mateja Kezman, erfahren im serbischen Fußballklüngel und europäischem Geschäft. Er wird aber nur Kasse machen können, wenn SMS liefert. Ein Vorrunden-Aus wäre fatal. 

    Prognose der Redaktion

    Gruppenzweiter, dann das Achtelfinalaus gegen Deutschland.

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    Foto: dpa
  • Von Greifswalde nach Madrid, der junge Mann hat es geschafft. Nicht nur, weil er bereits 2014 Weltmeister wurde und mit 28 Jahren mit Real Madrid bereits zum vierten Mal die Champions League gewonnen hat. Kroos, der manchmal robotergleich seine Pässe fast schon unterkühlt und fehlerfrei an den Mann bringt, bekommt nun auch noch seinen eigenen Film.

    Leipold Hoesch verfilmt das Leben des stillen deutschen Mittelfeldstars. Er dirigiert nicht wie Karajan ein Orchester mit Taktstock, er dirigiert mit dem Fuß. Er dürfte – neben einem gesunden Manuel Neuer und einem in Bestform befindlichen Innenverteidiger-Duo mit Mats Hummels und Jerome Boateng –  der wichtigste, der entscheidende Strippenzieher sein.

    Seine Passquote ist schon legendär, seine strategischen Fähigkeiten auch. Dabei macht er wenig Aufsehen um seine Person. Man kann sich ihn auch in einem x-beliebigen Kreisliga-Spiel zwischen Halverde und Kobbo Tecklenburg vorstellen. Voll konzentriert, beherrscht, fehlerfrei. Nicht auszuschließen, dass Toni Kroos entscheidenden Anteil hat am Gewinn des fünften Sterns und damit der erfolgreichen Titelverteidigung.

    Prognose der Redaktion

    Patriotismus pur, Deutschland holt den fünften Stern.

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    Foto: Britta Pedersen/dpa/Zentralbild-dpa
  • Vermutlich könnte Rafael Marquéz problemlos zumindest eine Nebenrolle in der TV-Serie „Narcos“ spielen. Schließlich werden dem 39-Jährigen Drogenhandel und Geldwäsche vorgeworfen. Das stört Nationaltrainer Juan Carlos Osorio offenbar wenig, denn der altgediente Haudegen der mexikanischen Nationalelf soll mit nach Russland, unabhängig davon, dass er auf der schwarzen Liste des US-amerikanischen Finanzministeriums steht.

    So oder so würde Marquéz dann mit dem deutschen Ex-Nationalspieler Lothar Matthäus, Antonio Carbajal (Mexiko) und Gianluigi Buffon (Italien) gleichziehen – jeder von den Letztgenannten spielte fünf WM-Turniere.

    „Kaiser aus Michoacán“ lautet der Spitzname von Marquéz, in Deutschland gibt es auch einen Fußball-Kaiser, der beim WM-Sommermärchen nicht alles ganz legal in die Wege leitete. Jedem Land also seinen Kaiser. Marquéz ficht das nicht an, nach dem Abschied von Atlas Guadalajara, nach Zwischenstationen bei Hellas Verona, FC Barcelona und AS Monaco will der Mexikaner mit seinen 141 Länderspielen Abschied von der WM nehmen. 

    Prognose der Redaktion

    Mexiko scheitert bereits in der Gruppenphase.

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    Foto: Inah/Handout/EFE/INAH/dpa
  • Meine Güte, das muss eine starke Mannschaft sein, die sich diesen Luxus leisten kann: Zlatan Ibrahimovic wurde von Schwedens Nationalcoach Janne Andersson nicht berufen. Vielleicht zu alt mit 36 Jahren? Vielleicht zu wenig gefordert bei Los Angeles Galaxy? Zu selbstverliebt?

    Er sei, erklärte der Verband, bei seinem „Nein“ geblieben. Also „Ibra“ hatte abgesagt. „Wenn ich will, dann werde ich bei der WM dabei sein“, erklärte er vielsagend, also im Schwedischen auch als zlatanierend bekannt, zur Nominierungsarie.

    Emil Forsberg, Mittelfeldmotor von RB Leipzig, ficht das alles nicht an. Er spricht von einer Ansammlung von „Mentalitätsmonstern“ im schwedischen Kader. Mit und ohne Ibrahimovic. Vor zwölf Jahren war das Team letztmalig bei einer WM dabei und scheiterte im Achtelfinale an Deutschland. Vom Hin und Her um Ibrahimovic will sich keiner verrückt machen lassen. Hej, wir haben Holland und Italien in der Qualifikation rausgeworfen.

    Ibrahimovic wird aber omnipräsent sein – als Markenbotschafter für eine Kreditkarte und kontaktloses Bezahlen. Der Werbe-Clip wird in Deutschland hoch- und runterlaufen. 

    Prognose der Redaktion

    Zweiter in der Gruppe, dann das Aus gegen Brasilien.

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    Foto: dpa
  • Südkorea feiert ein kleines Jubiläum: Die WM in Russland ist bereits die zehnte Teilnahme an diesem Turnier, seit 1986 sind die „Tigers“ ununterbrochen bei den ganz großen Fifa-Turnieren dabei. Allerdings waren die Asiaten in der Regel immer leichte Beute für die Konkurrenz – nur die Heim-WM 2002 als Vierter sowie die Teilnahme am Achtelfinale 2010 in Südafrika unterbrachen den „normalen“ Rhythmus: das Aus in einer WM-Vorrunde.

    Und nun? Die Hoffnung hat einen Namen und ist in Deutschland nicht unbekannt: Heung-min Son. Erst 25 Jahre ist die Offensivkraft alt. Man mag es nicht glauben, aber sein fußballerisches Rüstzeug hat er beim Hamburger SV erhalten. Internat, Jugendzeit, Profidebüt – alles HSV. Es war nicht alles schlecht im Norden.

    Dabei hat die „Bild“-Zeitung das größte Problem in der Zukunft bei Heung-min Son entdeckt. Er muss bis 28 seinen 21-monatigen Wehrdienst abgeleistet haben.

    Da kommt die WM gerade noch passend, 2019 müsste Son, der dreifache Fußballer Asiens, tatsächlich einrücken. Obwohl: Wenn Südkorea die Vorrunde übersteht, ist das unwahrscheinlich.

    Prognose der Redaktion

    Das Aus in der Vorrunde für die Asiaten.

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    Foto: pa/dpa/Panasia Kimura
  • Belgien hat nicht einmal zwölf Millionen Einwohner, doch allemal genügend fußballerische Qualität, um bei dieser WM Geschichte zu schreiben. Längst spielen Flamen und Wallonen in den stärk­sten Ligen der Welt. Und zählen dort zu den Bestverdienern.

    Vor allem die englische Premier League machte in der Vergangenheit Jagd auf die Topstars der „Roten Teufel“. Mit Erfolg: Kevin de Bruyne spielt für Meister Manchester City, Eden Hazard für den FC Chelsea und Romelu Lukaku für Manchester United. Der Marktwert des Trios liegt nach Addition der Einzelsummen bei etwa 300 Millionen Euro, ein Wahnsinn.

    Super Einzelspieler, aber auch ein super Team? Diesen Nachweis muss die wohl stärkste belgische Generation aller Zeiten noch erbringen. Schon bei den zurückliegenden Turnieren zählte sie zum Kreis der Favoriten. Vor vier Jahren in Brasilien verpasste Belgien den großen Wurf im Viertelfinale – 0:1 gegen Argentinien. Kann passieren, weitaus schmerzlicher war das EM-Aus 2016 in gleicher Runde. Nach dem  1:3 gegen Wales ging eine ganze Nation enttäuscht ins Bett. Vielleicht findet jetzt in Russland jemand den richtigen Knopf für den großen Erfolg.

    Prognose der Redaktion

    Belgien ist ein Kandidat für das Halbfinale.

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    Foto: Elena Metz/dpa
  • Neuling, Außenseiter, Exot: Panama, das südlichste Land Mittelamerikas, hat noch nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Der große Coup gelang im Oktober 2017. Ein Phantomtor verhalf dem Team zum entscheidenden 2:1-Erfolg über Costa Rica, als Verlierer der Qualifikation schoben Honduras und die USA Frust. Nach dem Coup trat Panamas Staatspräsident Carlos Varela im Trainingsanzug der Nationalmannschaft vor die Fernsehkameras und rief einen landesweiten Feiertag aus.

    Erstmals schmücken nun die Köpfe panamaischer Fußballer die bunten Panini-Sammelalben. Echte Stars sucht man dort vergeblich. Ohne Zweifel ein wirklicher Haudegen ist Felipe Baloy. Der inzwischen 37-jährige Innenverteidiger von CSD Municipal (Guatemala) bestritt bereits 100 Spiele für die Canaleros. Die WM ist nun die sportliche Krönung für den dreifachen Vater.

    Bereits Erfahrung auf diesem Niveau hat Trainer Hernan Dario Gomez. Der Kolumbianer coachte schon die Auswahl seiner Heimat (1998) und Ecuador (2002) bei einer WM.

    Prognose der Redaktion

    Panama bestreitet drei Gruppenspiele und fährt dann heim.

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    Foto: dpa
  • Der schlaue Tunesier weiß sich in der Not, in diesem Fall im Ramadan, zu helfen.  Manchmal genügt es, einfach zu Boden zu sinken und eine Weile nicht aufzustehen. So geschehen in den Vorbereitungsspielen gegen Portugal und die Türkei. Jeweils direkt nach Sonnenuntergang ließ sich Tunesiens Nationaltorhüter im Strafraum behandeln, angeblich schmerzte die Schulter. Währenddessen versorgten sich die Kameraden am Rand mit Wasser und Datteln und führten ihren Körpern nach einem langen enthaltsamen Tag neue Kräfte zu.

    Derlei Tricks braucht es während des WM-Turniers nicht – die Fastenzeit endet pünktlich zum WM-Start.  Doch auch durchgängig gestärkt, werden es die Adler von Karthago sehr schwer haben, die erste Turnierphase zu überstehen.

    Schon die Qualifikation war eine Überraschung, innerhalb Afrikas spielte Tunesien lange keine große Rolle mehr. Beim Afrika Cup kam das Team seit 2004 nicht über das Viertelfinale hinaus, an einer WM nahm es zuletzt 2006 in Deutschland teil.

    Als Star der Mannschaft gilt Mittelfeldspieler Wahbi Khazri. Der 27-Jährige, übrigens ein gebürtiger Korse, spielt derzeit für den französischen Erstligisten Stade Rennes.  

    Prognose der Redaktion

    Tunesien verpasst das Achtelfinale – knapp!

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    Foto: Frank May/dpa
  • Zum 15. Mal nimmt England bereits an einem WM-Turnier teil. 1966 triumphierte es im eigenen Land nach dem Wembley-Tor. Dazu schafften es die „Three Lions“ 1990 noch einmal ins Halbfinale. Es ist in der Summe eine magere Bilanz für eine große Fußball-Nation.

    Nach vielen Misserfolgen und Tragödien in Elfmeterschießen kann das Team diesmal eigentlich nur überraschen. Spätestens das 1:2-Desaster gegen Island bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren hat die Erwartungen im Land tief heruntergeschraubt. Der Schock gegen den krassen Außenseiter sitzt immer noch tief.

    52 Jahre nach dem einzigen WM-Coup setzt Trainer Gareth Southgate voll auf die Jugend. Das Durchschnittsalter im Kader liegt nur wenig über 26 Jahren, dem Nachwuchsprojekt wurde sogar der langjährige Stammkeeper Joe Hart geopfert, der nach gewiss schwacher Saison bei West Ham United überraschend aussortiert wurde. Star im Team ist Torjäger Harry Kane von Tottenham Hotspur, er soll die Mannschaft führen und der Offensive Impulse geben. 

    Prognose der Redaktion

    England kann überraschen – positiv oder negativ.

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    Foto: Philip Toscano/dpa
  • Es gab eine Zeit, da spielte der Führungszirkel der polnischen Nationalelf einmütig für denselben Verein: Borussia Dortmund. Zwischen 2010 und 2014 standen Jakub Blaszczykowski, Lukasz Piszczek und Robert Lewandowski für Schwarz-Gelb auf dem Rasen, wurden zwei Mal Deutscher Meister, Pokalsieger, schafften es sogar ins Champions-League-Finale.

    Heute ist nur noch Rechtsverteidiger Piszczek beim BVB und plagt sich oft mit Verletzungen herum, Blaszczykowski dürfte den Wechsel zum VfL Wolfsburg, wo er mit Rückenproblemen lange ausfiel, einigermaßen bereut haben.

    Und Lewandowski? Der gilt gemeinhin als einer der drei besten Mittelstürmer weltweit, ist seit seinem ablösefreien Weggang zum FC Bayern vier Mal Meister geworden und zwei weitere Male Torschützenkönig. In 257 Bundesliga-Partien hat er 180 Mal getroffen. Tolle Statistiken, Wahnsinnswerte. Nun wird Lewandowski 30 und träumt noch immer vom Gewinn der Königsklasse. Ob er diesen noch mit den Bayern anstrebt? Sein Berater Pini Zahavi ließ kürzlich wissen, dass sein Klient München verlassen will. Prompt kam die Ansage von Boss Uli Hoeneß, dass er bleiben muss. Ende offen.

    Prognose der Redaktion

    Mit Lewandowski in Top-Form geht‘s ins Viertelfinale.

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    Foto: dpa
  • Zum zweiten Mal erst hat sich der Senegal für eine WM qualifiziert. Die erste Teilnahme allerdings hatte es in sich. Damals gewann der krasse Außenseiter gegen Titelverteidiger Frankreich das Auftaktspiel durch ein Tor von Papa Bouba Diop mit 1:0 und versetzte die Welt in großes Staunen. Erst im Viertelfinale war Schluss gegen die Türkei (0:1).

    Ob es auch 2018 zu einem solchen Husarenritt reicht? Die Hoffnungen ruhen vor allem auf einem Mann, der auf der britischen Insel für Furore sorgt: Sadio Mané vom FC Liverpool. Zusammen mit dem Ägypter Mohamed Salah und dem Brasilianer Roberto Firmino bildet er das aktuell gefährlichste Sturmtrio der Welt. In der Premier wie in der Champions League wirbelte das Trio zahlreiche Defensivreihen durcheinander. Im Finale gegen Real Madrid war Manés Tor zum 1:1 beim 1:3 aber zu wenig.

    Der Sturm-Star der Reds stellt sämtliche Mitspieler in den Schatten. Seine Profi-Laufbahn begann er wie viele Landsleute in Frankreich. Vom FC Metz ging es dann zu RB Salzburg (Trainer Roger Schmidt) und schließlich zum FC South­ampton nach England. Vor zwei Jahren folgte der Vertrag an der Merseyside, wo Chefcoach Jürgen Klopp die Fähigkeiten des konter- und dribbelstarken Afrikaners optimal einband. Nun hofft der Senegal, vom Leistungsschub zu profitieren.

    Prognose der Redaktion

    Ein Mané reicht nicht. In der Gruppe ist Schluss.

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    Foto: dpa/Eva Krafczyk
  • Eine gewisse Skepsis begleitete im vergangenen Sommer den Wechsel von James Rodriguez an die Säbener Straße. Kolumbiens Superstar war 2014, nachdem er bei der WM in Brasilien mit sechs Treffern Torschützenkönig geworden war, vom AS Monaco für 80 Millionen Euro zu Real Madrid gegangen, dort aber nie richtig angekommen. Also wollte er weg aus Spanien, die Bayern suchten Verstärkung für ihre Offensive und ließen sich auf ein Leihgeschäft über zwei Jahre (Kosten 13 Millionen Euro) inklusive Kaufoption ein.

    Ein guter Deal? Für einen Reservisten der Königlichen, der im Finale der Champions League gegen Juventus Turin nicht mal mehr gut genug für den 18er-Kader war? Nun, der deutsche Rekordmeister hat sein Handeln bis heute nicht bereut. Denn James, so die gängige Kurzform, gefällt nicht nur als Torschütze und vor allem Vorbereiter, sondern bringt auch eine kämpferische Komponente mit, die ihm kaum jemand zugetraut hatte. Lediglich sein Ballverlust vor dem 0:1 im Pokal-Finale gegen Eintracht Frankfurt warf einen Schatten auf seine erste Bayern-Saison.

    Prognose der Redaktion

    Alles ist möglich – vom Vorrunden-Aus bis zum Halbfinale.

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    Foto: dpa
  • Der deutsche Exportschlager ins Land der aufgehenden Sonne ist der kölsche Prinz persönlich. Seit einem Jahr geht der inzwischen 33-Jährige Lukas Podolski für Vissel Kobe auf Torejagd. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. In der Regel aber verhält es sich andersherum.

    Japanische Top-Spieler sind in der Bundesliga heiß begehrt. Gotoku Sakai beim HSV, Makoto Hasebe bei Eintracht Frankfurt, Yushinori Muto beim FSV Mainz 05, Takuma Asano beim VfB Stuttgart, Yuya Osako beim 1. FC Köln oder Takashi Usami und Genki Haraguchi, die gerade mit Fortuna Düsseldorf den Aufstieg geschafft haben, sind die aktuellsten Beispiele.

    Auch Shinji Okazaki (Mainz, VfB Stuttgart), Hiroshi Kiyotake (1. FC Nürnberg, Hannover 96), Takashi Inui (Frankfurt) oder Hiroki Sakai (Hannover) haben sich aus dem aktuellen japanischen Kader schon in der deutschen Eliteklasse versucht. Über allen aber thront Shinji Kagawa. Beim BVB gehörte er zu den Meister-Mannschaften 2011 und 2012. Als Schnäppchen war er 2010 aus der 2. Liga in seiner Heimat gekommen. Nun aber ist er das Sorgenkind. Aufgrund von Verletzungsproblemen spielte er seit Februar nicht mehr für die Dortmunder.

    Prognose der Redaktion

    Das Achtelfinale ist drin – mehr auf keinen Fall.

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    Foto: dpa/JNTO

Und dann ist da diese Vorrunde, die nur da zu da ist, die Mannschaften nach Hause zu schicken, von denen man vorher gewusst hat, dass sie besser zu Hause ­geblieben wären. Nichts gegen die vielzitierten Kleinen – aber das ist eine WM, das Turnier der Weltbesten.

Ich will ehrlich sein: Ein bisschen fürchte ich mich deshalb vor der Gruppenphase. Das sind gut zwei ­Wochen Vorgeplänkel, dann geht die WM zum zweiten Mal los – aber dann richtig.

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