Geschäft Fußball
Die Probleme der Fifa mit ihren Förderern

Moskau -

Russlands Staatschef Wladimir Putin hat sein Ziel erreicht, die WM wird durchweg positiv bewertet. Gianni Infantino, Chef des Fußball-Weltverbandes Fifa, ist voll des Lobes. Schließlich hat Putin auch dazu beigetragen, eine Reihe von Löchern bei den WM-Sponsoren zu schließen. Die Fifa dankt. Während zahlreiche Konzerne der westlichen Welt zuletzt abgesprungen sind, hat China den Wachstumsmarkt Fußball entdeckt.

Mittwoch, 11.07.2018, 20:23 Uhr

Alles nur Show: Kicken auf dem Roten Platz mit Russlands Staatschef Wladimir Putin (3.v.l.) und Fifa-Boss Gianni Infantino am Ball
Alles nur Show: Kicken auf dem Roten Platz mit Russlands Staatschef Wladimir Putin (3.v.l.) und Fifa-Boss Gianni Infantino am Ball Foto: dpa

Man kann nicht sagen, dass die Geldmaschine Fußball-WM ins Stocken geraten ist. Der Weltverband Fifa plant im sogenannten WM-Zyklus von 2015 bis 2018 mit Einnahmen aus dem Sponsoring von rund 1,3 Milliarden Dollar – über 90 Prozent dieser Summe habe man erwirtschaftet, wurde verkündet. Aber tatsächlich ist es deutlich schwerer geworden, die „Pakete“ an die Firmen zu bekommen. Eigentlich hatte der Weltverband mit Sitz in der Schweiz 34 solcher Arrangements für Fifa-Sponsoren, WM-Unterstützer und auch regionale Partner verkaufen wollen – nur 17 wurden letztlich mit viel Mühe und Not veräußert.

Vor der Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 war das noch anders, als von 20 Sponsorenangeboten alle bereits zwei Jahre vorher verkauft waren. Dann kam die Korruptionsaffäre von 2015, die Suspendierung von Fifa-Boss Sepp Blatter. Weltweit operierende Unternehmen wie Sony, Continental, die Fluglinie Emirates, Castrol oder Johnson & Johnson beendeten ihre Vereinbarungen zum Teil vorzeitig. Sie hatten genug von den Tricks und Mauscheleien innerhalb der Fifa.

Putin hat Blatter nicht vergessen

Den 82 Jahre alten Joseph S. Blatter, der eigentlich zurückgezogen im Wallis lebt, schreckte das nicht ab, seinen Freund Wladimir Putin bei der WM zu besuchen. Es war eine persönliche Einladung des russischen Staatschefs, der Blatter die Vergabe von 2010 nicht vergessen hatte. Damals waren im Doppelpack Russland für 2018 und Katar für 2022 als Ausrichter bestimmt worden. Glück für Russland, dass der Zuschlag für Katar zum großen Diskussionspunkt wurde, eine WM in der Wüste im Advent – absurd, da war Russland ja geradezu eine 1a-Entscheidung.

Blatter

Der ehemalige Fifa-Präsident Joseph Blatter besuchte auf Einladung von Wladimir Putin das Duell von Portugal und Marokko. Foto: dpa

Der „Schweizer „Handelszeitung“ erklärte Blatter unlängst, dass er bis 2019 Präsident der Fifa sei, er sei nur suspendiert. Die FAZ spekulierte schon, ob er ein Comeback anstrebe. In Russland landete er mit einem Privatjet, sah die Spiele Portugal gegen Marokko in Moskau sowie Brasilien gegen Costa Rica in St. Petersburg. Um seinen Nachfolger, für Blatter nur sein Platzhalter, Gianni Infantino machte er zwangsläufig einen großen Bogen. Im Dossier der Ehrengäste, das die Fifa täglich versendet, ist der auf Eis gelegte Präsident nicht aufgeführt – auf Blatter liegt der Fifa-Bann. Noch.

Infantinos teures Geschenk

Blatter war der Dealmaker der Fifa schlechthin. Als er abgesetzt wurde, habe der Weltverband über 1,4 Milliarden Dollar Reserve und eine Milliarde Dollar Liquidität verfügt. Und jetzt? Infantino könne es nicht, lässt Blatter durchblicken, auch weil er jedem Verband eine Finanzspritze von fünf Millionen Dollar – statt einer Million – versprochen habe. 206 Verbände kämen in diesen Genuss. Eine Milliarde Dollar, die selbst die schwerreiche Fifa nicht so einfach rausrücken kann.

Und da beginnt sich vielleicht wirklich der Kreis zu schließen. Nur 17 von 34 möglichen Sponsorenpartnern bei dieser WM sind ein schlechtes Resultat. Viele Unternehmen der westlichen Welt haben mittlerweile eine große Skepsis vor einer Zusammenarbeit mit der Fifa. Dabei sind die zu zahlenden Summen, die zwischen 10 und 40 Millionen Dollar liegen sollen, für Sony oder Emirates eher ein Klacks. Die Sorge um das Renommee ist zu groß für die Global Player.

Eigenartige Förderer

Und so stößt man in Russland auf eigenartige Förderer neben Adidas, Coca Cola, Visa, Hyundai oder Gazprom. Zum Beispiel Alrosa, den russischen Marktführer der Diamantenproduktion, oder Mengniu, eine ausschließlich Absatzmärkte in China beliefernde mongolische Molkerei. Letztgenanntes Unternehmen hat mit allen Tochterfirmen einen Umsatz von rund 5 Milliarden Euro , war aber vor zehn Jahren in einen Skandal mit verunreinigter Milch verwickelt. Melamin, ein Bindemittel aus der Harzproduktion, war in Babynahrung gefunden worden, Kinder starben, für einige Zeit verschwand der Konzern von der Börse in Hongkong.

Die Geldgeber der Fifa

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  • Der Fußball-Weltverband hatte Mühe, Sponsoren für die Fußball-WM 2018 zu bekommen. Mit dabei waren (eine Auswahl): 

    McDonald’s: Stammgast im Sponsorenbereich bei Fifa und DFB, die Einlaufkinder werden über die Fast-Food-Kette organisiert. Werbebotschafter ist Jerome Boateng. – Umsatz: Rund 20 bis 23 Milliarden Euro

    Foto: dpa
  • Budweiser: gehört zu Anheuser-Busch, seit 1986 mit von der Partie. Schwierig wird es, wenn ein muslimischer Spieler ausgezeichnet werden soll oder gar ein Akteur aus dem Iran. Zum einen wegen des Alkohols, zum anderen lässt US-Präsident Donald Trumps Handelsblockade mit dem Iran nicht zu. – Umsatz: gut 14 Milliarden Euro

    Foto: dpa
  • Hisense: Fernseher, Unterhaltungselektronik und solche Dinge werden hergestellt und verkauft. Hisense ersetzt Samsung, ist auch im Tennis und Golf sehr aktiv. – Umsatz: gut 13 Milliarden Euro.

    Foto: dpa
  • Mengniu: Der offizielle Trinkjoghurt und das offizielle Eis der WM kommen hierher. Die mongolische Molkerei schaut sowieso nur auf den chinesischen Markt. – Umsatz: 5 Milliarden Euro.

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  • Vivo: Der chinesische Smartphone-Hersteller findet sich unter dem Dach von BBK Electronics wieder. Über 55 Millionen Handys wurden im Vorjahr verkauft. – Umsatz: weiter unbekannt.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Neben den "World Cup Sponsors" hat die Fifa auch langfristige Partner. Zu ihnen gehören:

    Adidas: Seit ewigen Zeiten mit der Fifa verbandelt, der Spielball ist seit 1970 von Adidas. Acht Millionen Trikots weltweit soll der Sportartikelhersteller im Zuge der WM-Kampagne 2014 verkauft haben. Zwölf Nationalteams stehen unter Vertrag, die Preise für ein DFB-Trikot belaufen sich beim Replica auf 89,95 Euro, beim „authentischen“ Trikot gar auf 129,95. Werbestar aktuell: Lionel Messi. – Umsatz: rund 21 Milliarden Euro

    Foto: dpa
  • Coca Cola: seit 1970 bei der WM als Partner mit dabei. Einer der Werbestars in Russland ist DFB-Torwart Manuel Neuer, der auf Deutsch seine Mannschaft einschwört. – Umsatz: rund 35 Milliarden Dollar

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  • Visa: Der Star der WM-Werbekampagne spielt gar nicht mit: Zlatan Ibrahimovic. Der 36-Jährige von Los Angeles Galaxy, der von Schweden nicht nominiert wurde, ist dennoch populärer als die meisten anderen WM-Stars. Visa ersetzte das „s“ durch ein „z“ in der WM-Kampagne. – Umsatz: 16 bis 19 Milliarden Euro

    Foto: dpa
  • Gazprom: 47 Gasbetankungsanlagen für die Infrastruktur in allen elf Städten baute das Unternehmen nach eigenen Angaben für die WM. Mit den potenziellen Cham­pions-League-Teilnehmern Schalke und St. Petersburg werden Top-Clubs unterstützt, Gazprom hat rund 470 000 Mitarbeiter. – Umsatz: rund 98 Milliarden Euro

    Foto: dpa
  • Hyundai: schon seit den 90er-Jahren bei der Fifa an Bord. In Deutschland unterstützt der Autohersteller neuerdings den Amateurfußball, den Deutschen Olympischen Sportbund und besonders: Bogenschießen. In Russland wurden 530 Wagen, darunter alle Team-Busse, zur Verfügung gestellt. – Umsatz: rund 53 Millionen Euro

    Foto: dpa
  • Qatar Airways: Die Fluglinie ersetzt Emirates. In Anbetracht der WM 2022 im Wüstenland nicht überraschend. Werbefigur ist Nicole Scherzinger, On-off-Partnerin von Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und Sängerin der Pussycat Dolls. Die Airline ist Nachfolger von der Lufthansa als „Carrier“ von Bayern München. – Umsatz: rund 44 Milliarden Euro

    Foto: dpa
  • Wanda: Dalian Wanda Group, der Vertrag läuft seit 2016 bis 2030. Noch stärker als im Sport ist der Immobilien-Gigant im Kultur-Sponsoring aktiv. – Umsatz: rund 50 Milliarden Euro, geplant sind 2020 100 Milliarden Euro.

    Foto: dpa

Die Fifa hat drei Kategorien an Sponsoren: die langfristig gebundenen, die für die WM verpflichteten und die sogenannten regionalen. In der letzten Rubrik stießen Rostelecom, die russische Eisenbahn und Yadea, ein asiatischer Roller-Hersteller, erst ganz spät dazu. Die Vermutung liegt nahe, dass es Anweisungen aus dem Kreml gegeben hat.

China steigt groß ein

Auch China will es jetzt wissen. Staatschef Xi Jinping hat Fußball praktisch zu einer weiteren Staatsdoktrin erhoben. Das Nationalteam, aktuell nur Nummer 75 in der Weltrangliste, soll sich in einem ersten Schritt 2022 für die WM in Katar qualifizieren und sich Stück für Stück an die Weltspitze heranarbeiten. 2030 will sich China für die WM bewerben und auch in das sportliche Titelrennen eingreifen.

Unter diesem Aspekt ist auch der Vertrag von Wanda mit der Fifa zu verstehen, der von 2018 bis 2030 datiert und mindestens eine halbe Milliarde Dollar schwer sein dürfte. Das Unternehmen, das mit Immobilien sowie dem Bau von Einkaufszen­tren und Vergnügungsparks in China Marktführer geworden ist, sponsert auch die Super League im Reich der Mitte, hier werden aberwitzige Millionen-Beträge für international zweitklassige Spieler rausgefeuert. Und: Wanda ist auch 20-Prozent-Teilhaber von Atletico Ma­drid – seit sieben Jahren. Das neue Stadion wurde nach dem Investor benannt: Wanda Metropolitano.

Vier chinesische Unternehmen sind im Sponsorenpool der Fifa mit dabei. Neu auf der Liste ist auch Hisense. Die Firma für Unterhaltungselektronik war von 2014 bis 2017 beim FC Schalke 04 aktiv, stieg aber nach dem zehnten Rang in der Bundesliga-Spielzeit 2016/17 kurzfristig aus.

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Belgiens WM-Star Kevin de Bruyne vor einer Werbebande mit chinesischen Schriftzeichen Foto: dpa

Vivo wiederum stellt vor allem Smartphones her. Die vier Fifa-Partner eint, dass sie an den Wachstumsmarkt Fußball in China glauben. Deshalb fällt auch die Bandenwerbung bei Livespielen in chinesischer Sprache aus, auch der Molkerei Mengniu genügen vorerst 1,4 Milliarden Menschen als große Projektionsfläche in China. Alles natürlich in chinesischen Schriftzeichen.

Wechselt Ronaldo nach China?

Blickt man weit in die Zukunft, so ist auch ein Wechsel des 33 Jahre alten Stürmerstars Ronaldo nach China gar nicht so absurd, obwohl der gerade erst bei Juventus Turin einen Vertrag unterzeichnet hat. Im Interview mit dieser Zeitung hat der „Spiegel“-Reporter Rafael Buschmann (Münster) bereits angedeutet, dass das Management von „CR7“ beste Kontakte nach China pflegt. Der Torjäger von Real Madrid sei „eine Milliarde Euro wert“, war aus seinem Umfeld um den Berater Jorge Mendes zu hören. Eine Milliarde Euro war eigentlich auch als Ablösesumme für Ronaldo bei Real festgelegt worden. Aktuell kratzt das Einkommen des Portugiesen im Jahr 2018 an der 100-Millionen-Euro-Grenze, davon sollen „nur“ 21 Millionen Euro Gehaltszahlung von Real Madrid sein, bei Juventus wird er rund 30 Millionen Euro netto verdienen, was einem Bruttogehalt von 60 Millionen Euro entspricht. Der Rest sind Prämien, Handgelder, veräußerte Fotorechte und Einkünfte aus der Werbung. Angeblich hat Nike ihm einen lebenslangen Vertrag gegeben, der ihm jährlich 25 Millionen Euro einbringt.

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Abflug nach China? Portugals Superstar Cristiano Ronaldo. Foto: dpa

Postet Ronaldo etwas in den sozialen Medien, dann ist diese Nachricht im Schnitt 1,5 Millionen Euro wert. Er verfügt über 127 Follower bei Instagram, 122 bei Facebook und 73 bei Twitter – wohlgemerkt Millionen Follower.

China könnte die Geldmaschinerie „CR7“ in neue Sphären bewegen, vielleicht in zwei, drei Jahren dann, bevor die Fußballrente ansteht. Das Milliardengeschäft mit Ronaldo ist gar nicht so absurd, wie viele glauben. Und China wäre der passende Wachstumsmarkt dafür.

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