Protest vor DFB-Quartier
Basisarbeit für das gute Image

Santo Andre -

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist mit zwei großen Zielen nach Brasilien gereist. Sie will Weltmeister werden und, wie es DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock formuliert hat, „zweitbeliebtestes Team hinter der Mannschaft des Gastgebers“. Schwer einzuschätzen, was die schwierigere Aufgabe ist – wenn man es von Santo Andre aus betrachtet.

Freitag, 13.06.2014, 11:06 Uhr

Großes Staunen der kleinen Kicker schlug Kevin Großkreutz und Lukas Podolski (re.) beim Schulbesuch entgegen.
Großes Staunen der kleinen Kicker schlug Kevin Großkreutz und Lukas Podolski (re.) beim Schulbesuch entgegen. Foto: dpa

Dort befindet sich das Campo Bahia, das deutsche WM-Quartier. Vier Appartement-Häuser in einer noblen Ferienanlage mit Strandzugang, mitten ins 800-Seelen-Dorf hineingebaut und nur über eine staubige, unbefestigte Piste zu erreichen. Sie ist die Lebensader des Dorfes und führt direkt an den zwei Meter hohen Holzpalisaden vorbei, die das Campo umzäunen. „Berliner Mauer“ hat die Zeitung „Folha de Sao Pulo“ den Wall genannt, was nicht besonders freundlich gemeint war. Die Deutschen würden sich dahinter verschanzen, hieß es. Zudem ist die Zufahrt gesperrt, weshalb die Bewohner nur auf Umwegen zu ihren bescheidenen Behausungen kommen. Im Ort ist viel Polizei und Militär unterwegs, alles schwer bewaffnet und offenbar nicht immer freundlich. Das hat dazu geführt, dass am Dienstag etwa 100 Dorf-Bewohner vor dem DFB-Quartier protestiert haben, weil sie sich von den Umständen eingeschränkt und belästigt fühlen. Der Kredit, den sich die Mannschaft mit dem öffentlichen Training und dem Tanz der Spieler mit den Indios an ihrem ersten Tag in Santo Andre erworben hat, war damit dahin.

„Da scheint etwas nicht optimal gelaufen zu sein“, äußerte sich Team-Manager Oliver Bierhoff , der gegenüber den Dorfbewohnern als Vermittler auftrat. Bierhoff hat den deutschen Sicherheitschef Hendrik Große-Lefert eingeschaltet. „Wir wollen nicht, dass die Leute hier durch uns beeinträchtigt werden“, sagt Bierhoff. Das dürfte sich angesichts des Wirbels, den Lahm & Co. überall, wo sie auftauchen, verursachen, nicht ganz zu vermeiden sein. Der deutsche Botschafter in Brasilien, Wilfried Grolig, warb um Verständnis für die deutsche Elf: „Es gibt zwangsläufige Einschränkungen, wenn irgendein Sonderereignis irgendwo stattfindet, das ist bei einer Kirmes in Deutschland so, das ist bei der Frankfurter Messe so.“

Für den eigentlichen Ärger der Bewohner, das Auftreten der Sicherheitskräfte und die Kontrollen, aber sind die Deutschen nicht verantwortlich. Die Sicherheit der Nationalteams liegt in den Händen der kommunalen Behörden vor Ort. So hat das der Weltverband Fifa festgelegt. Darunter haben die Deutschen sogar selbst zu leiden. Joachim Löw würde die Spieler gerne mit den Rädern zum nahe gelegenen Trainingsplatz fahren lassen. „Das ist leider nicht möglich, weil uns die Polizei nicht lässt“, bedauert Bierhoff angesäuert. Also fährt die Mannschaft im Bus.

Özil und Co. kicken mit Kindern in Brasilien

Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt, wozu auch ein Schulbesuch der Deutschen mit den Jungnationalspielern Julian Draxler und Matthias Ginter beigetragen hat. 72 Schüler und 40 Kindergartenkinder werden dort betreut. Die Schule gehört zu einem der Projekte, die von den Stiftungen des DFB und der Deutschen Fußball Liga unterstützt werden. Von dieser Entspannung profitieren auch Journalisten.

Der Soldat, der in schwerer Montur, das Gewehr in beiden Händen, die Zufahrt zum Campo bewacht, lächelt freundlich, obwohl ihm der Schweiß in Strömen unter dem Helm hervorrinnt. Ob man wohl mal kurz zum Campo-Eingang vorlaufen dürfe. Er versteht zwar kein Wort, lächelt aber weiter und lässt uns durch. Vor dem Zaun sitzen Jugendliche auf Plastikstühlen. Kinder, denen vor einigen Tagen noch der direkte Zugang zu ihren Häusern versagt wurde, springen auf und ab. Noch, so scheint es, ist für die Deutschen in Santo An-dre nichts verloren.

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