„Erdogan-Affäre“
DFB-Elf mit Ballast nach Russland – Ratschläge der Kanzlerin

Münster -

Es kann losgehen. In Kürze reist die deutsche Mannschaft nach Russland. Sportlich gibt es wie bei den meisten Teams noch Sorgen. Aber auch die „Erdogan-Affäre“ ist noch nicht ausgestanden. Sogar die Kanzlerin gab nun Ratschläge.

Montag, 11.06.2018, 17:48 Uhr

Ilkay Gündogan hat sich zumindest zuletzt bewegt und sich klar zu den DFB-Werten bekannt. Unbelastet fährt aber auch er nicht zur WM.
Ilkay Gündogan hat sich zumindest zuletzt bewegt und sich klar zu den DFB-Werten bekannt. Unbelastet fährt aber auch er nicht zur WM. Foto: dpa

Zurück aus Kanada vom gescheiterten G-7-Gipfel kümmerte sich Angela Merkel auch um das Wohl der deutschen Fußball-Nationalelf. „Ich finde, wir brauchen die jetzt alle, damit wir gut abschneiden“, erklärte die Bundeskanzlerin im Interview in der Sendung „Anne Will“ in der ARD. „Die“? Wer sind „die“?

Klatschen statt pfeifen

Merkel, die so wunderbar verhuscht jubeln kann bei Toren der DFB-Auswahl , brach eine Lanze für die in Ungnade gefallenen Ilkay Gündogan und Mesut Özil . Deren Schulterschluss mit dem türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdogan brachte zuletzt beim Länderspiel in Leverkusen einen Teil der Fanseele zum Kochen, besser gesagt zum Pfeifen. Die Kanzlerin empfiehlt, dass mancher Fan auch eher klatschen solle, als zu pfeifen. Ein freundlicher Rat von ihr. Merkel hält es im Übrigen nicht für ausgeschlossen, eine Partie der deutschen Mannschaft bei der WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) zu besuchen – und Russlands Staatschef Wladimir Putin zu treffen, der beim G-7-Gipfel ausgeladen war.

Alle Spiele im Überblick

Aber am Tag vor der Abreise mit der Lufthansa-Maschine LH 2018 von Frankfurt nach Moskau ist bei der Nationalelf die „Erdogan-Affäre“ nicht ausgeräumt. Das steht fest. Bundestrainer Joachim Löw nimmt das mit auf den Weg ins so genannte Team-Base-Camp in Watutinki im Süden der Millionen-Metropole. Lieber wäre er mit der Mannschaft, wie beim Confed-Cup im Vorjahr, am Schwarzen Meer untergekommen. Aber Moskau war wohl die beste Alternative, bis zum Finale würde die DFB-Auswahl bis zu drei Mal dort antreten, und der Reisestress von der Hauptstadt mit seinen drei Flughäfen zu anderen Spielorten wie St. Petersburg oder Samara ist deutlich geringer.

Ziel: Watutinki

Watutinki, was so viel wie „im Schatten liegend“ bedeutet, soll das neue „Campo Bahia“ werden. In Brasilien 2014 war, wie Löw erzählte, erst da der Geist zum Titelgewinn gereift. Der 58-Jährige joggte morgens sinnierend am Strand entlang, die Spieler fanden zueinander in der Wohlfühloase, der Spirit der Weltmeisterelf reifte bis zum Tag X, als sie Argentinien mit 1:0 im Finale bezwang.

In Watutinki, einer Garnisonsstadt mit rund 10 000 Einwohnern, hat der DFB nun einen Hotelkomplex des Außenministeriums gebucht, sehr luxuriös und ein wenig protzig, das Trainingszentrum von ZSKA Moskau ist fünf Minuten entfernt. In einer halben Stunde ist man am Flughafen, das Olympiastadion Luschniki ist in 50 Minuten erreicht, kürzere Wege als in Brasilien sind das zumindest.

Der deutsche WM-Kader 2018

1/23
  • Manuel Neuer (32 Jahre)

    Position: Torwart

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 02.06.2009

    Länderspiele: 74

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Guillaume Horcajuelo/EPA/dpa
  • Marc-André Ter Stegen (26 Jahre)

    Position: Torwart

    Verein: FC Barcelona

    Länderspieldebüt: 26.05.2012

    Länderspiele: 19

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Kevin Trapp (27 Jahre) 

    Position: Torwart

    Verein: Paris Saint-Germain

    Länderspieldebüt: 06.06.2017

    Länderspiele: 3

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Jan Woitas/dpa
  • Mats Hummels (29 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 13.05.2010

    Länderspiele: 63

    Tore: 5

    WM-Teilnahmen: 1

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Jonas Hector (27 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: 1. FC Köln

    Länderspieldebüt: 14.11.2014

    Länderspiele: 36

    Tore: 3

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Ina Fassbender/dpa
  • Matthias Ginter (24 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: Borussia Mönchengladbach

    Länderspieldebüt: 05.03.2014

    Länderspiele: 17

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 1

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Jérôme Boateng (29 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 10.10.2009

    Länderspiele: 70

    Tore: 1

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Arne Dedert/dpa
  • Joshua Kimmich (23 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 29.05.2016

    Länderspiele: 27

    Tore: 3

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Marvin Plattenhardt (26 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: Hertha BSC

    Länderspieldebüt: 06.06.2017

    Länderspiele: 6

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Antonio Rüdiger (25 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Chelsea

    Länderspieldebüt: 13.05.2014

    Länderspiele: 23

    Tore: 1

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Niklas Süle (22 Jahre)

    Position: Abwehr

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 31.08.2016

    Länderspiele: 9

    Tore: 0

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Toni Kroos (28 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein:Real Madrid

    Länderspieldebüt: 03.03.2010

    Länderspiele: 82

    Tore: 12

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: : Christian Charisius/dpa
  • İlkay Gündoğan (27 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Manchester City

    Länderspieldebüt: 11.10.2011

    Länderspiele: 24

    Tore: 4

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Federico Gambarini/dpa
  • Sami Khedira (31 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Juventus Turin

    Länderspieldebüt: 05.09.2009

    Länderspiele: 73

    Tore: 7

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Federico Gambarini/dpa
  • Sebastian Rudy (28 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 13.05.2014

    Länderspiele: 24

    Tore: 1

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: dpa
  • Leon Goretzka (23 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: FC Schalke 04

    Länderspieldebüt: 13.05.2014

    Länderspiele: 14

    Tore: 6

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Julian Draxler (24 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Paris Saint-Germain

    Länderspieldebüt: 26.05.2012

    Länderspiele: 42

    Tore: 6

    WM-Teilnahmen: 1

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Marco Reus (28 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Borussia Dortmund

    Länderspieldebüt: 07.10.2011

    Länderspiele: 29

    Tore: 9

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa
  • Mesut Özil (29 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: FC Arsenal

    Länderspieldebüt: 11.02.2009

    Länderspiele: 89

    Tore: 22

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Marius Becker/dpa
  • Julian Brandt (22 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: Bayern 04 Leverkusen

    Länderspieldebüt: 29.05.2016

    Länderspiele: 14

    Tore: 1

    WM-Teilnahmen: 0

    Foto: : Jan Woitas/dpa
  • Thomas Müller (28 Jahre)

    Position: Mittelfeld

    Verein: FC Bayern München

    Länderspieldebüt: 03.03.2010

    Länderspiele: 90

    Tore: 38

    WM-Teilnahmen: 2

    Foto: Federico Gambarini/dpa
  • Timo Werner (22 Jahre)

    Position: Sturm

    Verein: RB Leipzig

    Länderspieldebüt: 22.03.2017

    Länderspiele: 12

    Tore: 7

    WM-Teilnahmen 0

    Foto: Christian Charisius/dpa
  • Mario Gomez (32 Jahre)

    Position: Stürmer

    Verein: VfB Stuttgart

    Länderspieldebüt: 07.02.2007

    Länderspiele: 73

    Tore: 31

    WM-Teilnahmen: 1

    Foto: dpa

Sportlich geht es dem Weltmeister nicht anders als der Konkurrenz. Bis auf Brasilien, überzeugend beim 3:0-Sieg über Österreich mit einem Neymar-Treffer, war keiner von den Turnierfavoriten wirklich in Fahrt bei den Generalproben. Frankreichs 1:1 gegen die USA versprühte genauso wenig Glanz wie der 1:0-Erfolg von Spanien über Tunesien. Argentinien spielte erst gar nicht in Israel, nach Protesten von palästinensischen Demonstranten sagte das Team um Superstar Lionel Messi die Partie in kurzfristig Jerusalem ab.

Löw hat seinen Kader fast komplett, Jerome Boateng bestand den Härtetest gegen Saudi-Arabien und spielte eine Halbzeit lang. Sollte der Innenverteidiger der Bayern nicht hundertprozentig fit werden für die Auftaktpartie gegen Mexiko (17. Juni in Moskau), stünde sein Vereinskollege Niklas Süle bereit. Auch Torwart Manuel Neuer räumte mit seinem zweiten Einsatz nach neunmonatiger Verletzungspause weitere Zweifel an seiner Wettbewerbsfähigkeit aus. Einzig Özil, der Regisseur des FC Arsenal mit Rücken- und Kniebeschwerden, bleibt ein Unsicherheitsfaktor.

Özil, der Schweiger in der „Erdogan-Affäre“, hat auf seiner Homepage jedenfalls gesagt, was er zu tun gedenkt. Sein Motto lautet da: „Warum soll ich die Welt unterwerfen, wenn ich sie verzaubern kann?“

Die zwölf WM-Stadien in Russland

1/12
  • MOSKAU - Luschnikistadion (offizielle FIFA-Bezeichnung für die WM): Das Herz der WM. In der modernisierten Betonschüssel eröffnet die Sbornaja am 14. Juni das Turnier, am 15. Juli wird dort der neue Weltmeister gekürt. 80.000 Zuschauer (offizielle FIFA-Angabe, bei der WM können die Stadionkapazitäten davon abweichen) - 4 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale, 1 Halbfinale, Finale

    Foto: Denis Tyrin
  • SOTSCHI-STADION: Das Olympiastadion wurde zu einer Fußball-Arena umgebaut. Mit Blick aufs Schwarze Meer war die Fisht-Arena mit dem Flügeldach Hauptspielort der DFB-Elf beim Confed Cup. 48 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale, 1 Viertelfinale.

    Foto: Marius Becker
  • ST. PETERSBURG-STADION: Eine Skandal-Arena. Die Baukosten liegen angeblich bei fast einer Milliarde Euro. Ein Politiker wurde wegen Korruption verurteilt. Der Einsatz nordkoreanischer Arbeiter empörte. 67 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale, 1 Halbfinale, Spiel um Platz 3.

    Foto: Marius Becker
  • MOSKAU - Spartak-Stadion: Die Arena auf einem ehemaligen Flugfeld wurde schon für den Confed Cup neu gebaut. Moskaus populärster Club Spartak spielt hier seine Heimspiele. Am Eingang steht eine riesige Spartakus-Statue. 45 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale.

    Foto: Marcus Brandt
  • ROSTOW AM DON-STADION: Direkt am Ufer des Don liegt die neue Arena. Das Dach des Neubaus soll den Flusslauf symbolisieren. Nach der WM spielt hier FK Rostow, der in der Champions League schon die Bayern schlagen konnte. 45 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale.

    Foto: Uncredited/dpa
  • KASAN-ARENA: Die neue Multifunktionsarena wurde schon beim Confed Cup erfolgreich getestet. Deutschland spielte hier gegen Chile (1:1). 2015 fand dort die Schwimm-WM statt. Heimspiel-Ort von Rubin Kasan. 45 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale, 1 Viertelfinale.

    Foto: Christian Charisius
  • WOLGOGRAD-STADION: Ein emotionaler WM-Spielort. Am Ufer der Wolga entstand die neue Arena vor der Kulisse des Kriegsmahnmals „Mutter Heimat ruft“. Beim Bau wurden Gebeine von Soldaten der Schlacht im 2. Weltkrieg gefunden. 45 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele.

    Foto: Uncredited/dpa
  • NISCHNI NOWGOROD-STADION: Am Zusammenfluss von Wolga und Oka wurde der futuristische Neubau errichtet, der Wasser und Wind symbolisiert. Einen Topclub für die Nutzung nach der WM gibt es nicht. 45 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale, 1 Viertelfinale.

    Foto: Marius Becker
  • JEKATERINBURG-STADION: Rund um die neo-klassizistische Fassade der alten Arena wurde das neue Stadion gebaut. Markant sind die Hinter-Tor-Tribünen die aus dem Rund herausragen und nach der WM abgebaut werden. 35 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele.

    Foto: Uncredited/dpa
  • KALININGRAD-STADION: Der Neubau auf der Oktjabrski Insel machte lange Probleme. Er ist auf Sand gebaut. Die Gegend um die Arena soll nach der WM mit Wohnkomplexen und Einkaufszentren urbanisiert werden. Einen Fußball-Topclub gibt es nicht. 35 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele.

    Foto: Marius Becker
  • SAMARA-STADION (aufgenommen am 24.08.2017): Das ehrgeizige Bauprojekt im Wald vor den Toren der Stadt hinkt hinter dem Zeitplan hinterher. Die künftige Heimstätte des Zweitligisten Kirelia Sowetow sieht aus wie eine Schildkröte. 45 000 Zuschauer. 4 Gruppenspiele, 1 Achtelfinale, 1 Viertelfinale.

    Foto: Marius Becker
  • SARANSK-STADION (aufgenommen am 29.09.2017.): Am Stadtrand wurde der Neubau 2010 gestartet, zum 1000-jährigen Jubiläum der Vereinigung von mordwinischer und russischer Bevölkerung. Nach der WM gibt es einen Rückbau für Tennis und Volleyballfelder. 44 000 Zuschauer - 4 Gruppenspiele.

    Foto: Stanislav Krasilnikov
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