Der Bundestrainer feilt nur noch an Kleinigkeiten
Löws Blick zu den Spaniern

Moskau -

Joachim Löw bringt wenig aus der Ruhe, diesen Eindruck vermittelt der Bundestrainer jedenfalls gerne. Aber sein Blick, den er eigentlich nur auf seine Mannschaft vier Tage vor dem Turnierauftakt in Moskau gegen Mexiko richten wollte, schweifte dann doch ab. 

Mittwoch, 13.06.2018, 20:30 Uhr

Nettes Intermezzo: Nach der ersten Pressekonferenz unterhält sich Bundestrainer Joachim Löw mit Schülern einer deutschen Schule in Moskau.
Nettes Intermezzo: Nach der ersten Pressekonferenz unterhält sich Bundestrainer Joachim Löw mit Schülern einer deutschen Schule in Moskau. Foto: dpa

Nach Krasnodar, da bereitet sich Turnierfavorit Spanien auf die Titelkämpfe vor. „Das kam unerwartet“, sagte er zur Entlassung seines Kollegen Julen Lopetegui. Und: „Das ist zwei Tage vor dem Auftakt ein Hammer.“ Für die Iberer, keinesfalls für Löw, der dennoch auf seine Art und Weise fassungslos war.

Am Freitag spielt der wieder erstarkte Weltmeister von 2010 gegen Portugal in Sotschi, doch Lopetegui wurde Opfer seines Wechsels zu Real Madrid. In der Löw’schen Welt, auf der Suche nach Fokus, Feinschliff und Teambuilding, ist das ein Super-Gau, eigentlich unvorstellbar. „Von ihrer spielerischen Klasse werden die Spanier wenig verlieren durch den Wechsel auf Fernando Hierro.“ Unausgesprochen bleibt, dass das, worauf Löw höchsten Wert legt, sich möglicherweise verflüchtigt: Ruhe, Harmonie und das Zusammenrücken einer Mannschaft mit jedem Turniertag. Die Botschaft gut 24 Stunden vor dem WM-Start mit dem Auftritt Russlands gegen Saudi-Arabien: Deutschland hat rein gar nichts von der spanischen Aufgeregtheit und diesem Aktionismus.

Paar Prozente fehlen dem Team noch

Diebische Freude war aus den Worten des 58-Jährigen nicht zu hören. Von ihm, der sich an minimalen Problemen stören kann. Beispiel gefällig? „Der Rasen beim ersten Training war ein paar Millimeter zu hoch, der Platz etwas stumpf, Julian Draxler blieb deshalb hängen. Doch das bekommen wir bis Donnerstag hin“, meinte der Bundestrainer. Im Vergleich zur Trainerrochade der Spanier ist das eine Winzigkeit. Für Löw, den Problemlöser von Kleinigkeiten, eben nicht.

WM-Triumphe der deutschen Elf

1/4
  • Der erste Titelgewinn 1954 in der Schweiz: (von links) Fritz Walter, Toni Turek, Horst Eckel, Helmut Rahn, Ottmar Walter, Werner Liebrich, Jupp Posipal, Hans Schäfer, Werner Kohlmeyer, Karl Mai, Max Morlock. Deutschland - Ungarn 3:2

    Foto: Witters
  • Der zweite Stern 1974 in der Heimat: (hinten von links) Co-Trainer Jupp Derwall, Hans Deckert, Horst-Dieter Hoettges, Torwart Sepp Maier, Heinz Flohe, Gerd Müller, Jürgen Grabowski, Paul Breitner, Georg „Katsche“ Schwar­zenbeck, Prof. Hess, Bernd Cullmann, Zeugwart Hans Dahn, Masseur Adolf Katzenmeier, (vorn von links) Norbert Nigbur, Uli Hoeneß, Jupp Heynckes, Rainer Bonhof, Bundestrainer Helmut Schön mit Pokal, Franz Beckenbauer, Bernd Hölzenbein, Berti Vogts, Wolfgang Overath, Masseur Prof. Erich Deuser, Herbert Widmayer, Horst R. Schmidt. Deutschland - Niederlande 2:1

    Foto: Witters
  • Der dritte Streich 1990 in Italien: (weiße Jacken von links) Lothar Matthäus, Torwart Bodo Illgner, Guido Buchwald, Klaus Augenthaler, Rudi Völler, Jürgen Kohler, Andreas Brehme, Pierre Littbarski, Thomas Hässler, Thomas Berthold, Jürgen Klinsmann. Deutschland - Argentinien 1:0

    Foto: Witters
  • Der vierte Titel 2014 in Brasilien: Die deutsche Elf siegt im Finale dank eines Tores in der Verlängerung von Mario Götze mit 1:0 über Argentinien.

    Foto: Witters

Ein paar Prozente würden seinem Team noch fehlen, die Testspiele seien nicht so gut gelaufen, aber die letzten zwei, drei freien Tage nach einer harten Vorbereitung in Südtirol hätten allen gut getan. Und dann legte er los, schmetterte jeden Einwurf ab, der auch nur ansatzweise seiner Mannschaft schaden könne.

Infos & Ergebnisse

Alle Informationen zur Fußball-WM in Russland gibt es in unserem WM-Special.

...

Bayern Münchens Jerome Boateng im Schaufenster für einen Wechsel? „Davon habe ich nichts gelesen und nichts gehört. Das interessiert mich auch nicht. Jerome hat ex­trem hart in seiner Verletzungspause an sich gearbeitet und war auch im Training sehr präsent“, sagte Löw. Der Bayern-Star ist bei ihm gesetzt, ob er nach der WM den Club wechselt – einerlei.

Tristes Umfeld in Moskau

Die „Erdogan-Affäre“ um Mesut Özil und Ilkay Gündogan als belastender Dauerbrenner, der den Erfolg gefährden kann? „Von mir als Trainer ist alles gesagt. Beide müssen gut vorbereitet sein, das ist meine Aufgabe.“ Löw lässt da keine Ausreden mehr gelten, und sagt: „Wenn es Pfiffe gibt, dann ist das halt so.“

Sami Khedira hat Rückenprobleme? „Vorsichtshalber haben wir ihn im Training rausgenommen. Er wird Sonntag spielen“, wird Löw nicht auf einen Schlüsselspieler so einfach verzichten.

Die Stadien der Fußball-WM in Russland

1/21
  • Blick am Abend über das Stadion Luschniki in Moskau, in dem das Finale der Fußball-WM 2018 stattfindet.

    Foto: Dmitry Serebryakov
  • Die deutsche Mannschaft bestreitet hier am kommenden Sonntag ihr erstes WM-Spiel gegen Mexiko. Das Luschniki-Stadion bietet Platz für 80.000 Menschen.

    Foto: Ivan Sekretarev
  • Das Spartak-Stadion: Moskaus populärster Club Spartak spielt hier seine Heimspiele. Es bietet 45.000 Plätze.

    Foto: Marcus Brandt
  • Das auf einer Newa-Insel erbaute Sankt-Petersburg-Stadion, wird bei Nacht farbig angestrahlt.

    Foto: Dmitri Lovetsky
  • Im Sankt-Petersburg-Stadion findet das Spiel um Platz drei statt.

    Foto: Dmitri Lovetsky
  • Insgesamt hat das Sankt-Petersburg-Stadion ein Fassungsvermögen von 67.000 Plätzen.

    Foto: -/CNES AIRBUS DEFENCE & SPACE/AP/dpa
  • Das Kaliningrad-Stadion ist ein Neubau auf der Oktjabrski-Insel.

    Foto: Uncredited
  • Einen Fußball-Top-Club gibt es in der Ostsee-Metropole, dem ehemaligen Königsberg, nicht. Das Kaliningrad-Stadion bietet 35.000 Plätze.

    Foto: Uncredited/CNES AIRBUS DEFENCE & SPACE/AP/dpa
  • Die Mordowia-Arena am Stadtrand von Saransk. In dem Stadion sollen Spiele der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2018 stattfinden. Nach der WM gibt es einen Rückbau für Tennis und Volleyballfelder. Hier finden 44.000 Zuschauer einen Platz.

    Foto: Julia Chestnova
  • Die Rostow-am-Don-Arena, das WM-Stadion der Stadt mit Platz für 45.000 Besucher.

    Foto: Uncredited
  • Das Fischt-Olympia-Stadion in Sotschi.

    Foto: Andre Penner
  • Die Fischt-Arena mit dem Flügeldach hat einen Blick aus Schwarze Meer und war Hauptspielort der DFB-Elf beim Confed Cup. Die Arena hat insgesamt 48.000 Plätze. Auch bei der WM kickt Deutschland hier in der Vorrunde gegen Schweden.

    Foto: Artur Lebedev
  • Das Nischni-Nowgorod-Stadion in Nowgorod.

    Foto: James Ellingworth
  • Der futuristische Neubau des Nischni-Nowgorod-Stadions soll Wasser und Wind symbolisieren. Er bietet Platz für 45.000 Zuschauer.

    Foto: -/CNES AIRBUS DEFENCE & SPACE/AP/dpa
  • Die Jekaterinburg Arena - rund um die neo-klassizistische Fassade der alten Arena wurde das neue Stadion gebaut.

    Foto: Anton Basanaev
  • Markant sind die Hinter-Tor-Tribünen der Jekaterinburg Arena, die aus dem Rund herausragen und nach der WM abgebaut werden sollen. Platz bietet die Arena für 35.000 Besucher.

    Foto: Anton Basanaev
  • Die Kasan-Arena, das WM-Stadion der Stadt. Die neue Multifunktionsarena wurde schon beim Confed Cup erfolgreich getestet. 45.000 Plätze.

    Foto: Sergei Grits
  • Die Samara-Arena, das WM-Stadion der Stadt.

    Foto: Yuri Strelets
  • Das Stadion in Samara ist die künftige Heimstätte des Zweitligisten Krylja Sowetow. In dem Viertelfinal-Stadion haben 45.000 Menschen Platz.

    Foto: Yuri Strelets
  • Die neue Wolgograd-Arena, das WM-Stadion der Stadt, entstand am Ufer der Wolga vor der Kulisse des Kriegsmahnmals «Mutter Heimat ruft».

    Foto: Dmitriy Rogulin
  • Die Wolgograd-Arena hat 45.000 Plätze.

    Foto: Dmitriy Rogulin

Nur ein Sieg aus den letzten sechs Testspielen? „Das ist immer wieder ein bisschen eine Herausforderung, nach einer langen Saison noch einmal eine Vorbereitung zu schaffen“, schweifte Löw ab, um das für sich einzuordnen. Und: „Die Mannschaft wird sich steigern, ich bin guter Dinge. Alles ist auf Sonntag ausgerichtet.“

Das Trainingscamp in Watutinki hat nicht das Flair des brasilianischen Campo Bahia? „2014 war die Euphorie und Begeisterung zwei Wochen vor dem Turnier auch nicht riesengroß. Das steigert sich mit den Ergebnissen“, wollte Löw über das triste Umfeld im Süden Moskaus nicht wirklich debattieren.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5817713?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F2263186%2F2390094%2F
Suche nach vermisstem Teenager in Lotte-Halen geht gut aus
Auch die Freiwilligen Feuerwehren von Lotte-Wersen und Westerkappeln waren bei der Suchaktion im Einsatz. 
Nachrichten-Ticker