Deutschland gewinnt 2:1 gegen Schweden in Unterzahl
Einfach nur Kroos-artig

Sotschi -

Wer fängt diesen Moment ein? Toni Kroos, der Vielgescholtene, der Gegentor-Verursacher, der Mann für den allerletzten Moment: Dieser Mann bringt Deutschland in das WM-Turnier zurück. Sein Freistoßtor in der fünften Minute der Nachspielzeit katapultiert den Weltmeister in eine komfortable Lage für das letzte Gruppenspiel gegen Südkorrea.

Samstag, 23.06.2018, 22:54 Uhr

Maßarbeit: Toni Kroos (hinten) zirkelt den Ball in der Nachspielzeit zum 2:1 ins Netz. Schwedens Torhüter Robin Olsen hat keine Abwehrchance.
Maßarbeit: Toni Kroos (hinten) zirkelt den Ball in der Nachspielzeit zum 2:1 ins Netz. Schwedens Torhüter Robin Olsen hat keine Abwehrchance. Foto: Witters

Der 2:1 (0:1)-Triumph über Schweden in Unterzahl könnte das ganz große Startsignal sein. Kroos sei Dank. Marco Reus (48.) hatte das 0:1 durch Ola Toivonen (32.) direkt nach der Pause ausgeglichen, Jerome Boateng die Gelb-Rote Karte (80.) gesehen.

Rudy als stiller Gewinner der Startelf

Bundestrainer Löw veränderte die Statik seiner Mannschaft gehörig. Dass Linksverteidiger Jonas Hector in die Startelf kommen würde, war genauso klar wie die Nominierung des Dortmunders Marco Reus. In der Innenverteidigung überraschte Löw mit Antonio Rüdiger (Chelsea London). Für noch mehr Erstaunen sorgte aber Sebastian Rudy, der für Sami Khedira als Ersatz auch noch Ilkay Gündogan ausstach. Er war offenbar der stille Gewinner der Trainingstage von Sotschi.

Unfassbar dominanter Start

Die DFB-Auswahl legte unfassbar dominant los, 112:6-Pässe nach zehn Minuten, 92 Prozent Ballbesitz nach einer Viertelstunde, Riesenchancen durch Julian Draxler (3.), Jonas Hector (4.), erneut Draxler (8.) und Timo Werner (9.). Und doch hätte es 0:1 stehen können, als Antonio Rüdiger patzte und Marcus Berg allein auf das deutsche Tor zulief. Das Tackling von Jerome Boateng ahndete der polnische Schiedsrichter Szymon Marciniak nicht, es war ein klarer Elfmeter.

Schweden holte tief Luft, weil Deutschland sieben Minuten lang ohne Rudy auskommen musste, der nach einem Tritt von Ola Toivonen eine blutende Nase davon trug – Verdacht auf Nasebeinbruch. Gündogan kam für ihn.

Dann ging alles den Bach runter, es war der Riss im deutschen Spiel vor der Pause. Toni Kroos leistete sich einen fahrlässigen Abspielfehler, Schweden kontert und trifft durch Toivonen zum 1:0.

Deutschland gegen Schweden: Das WM-Vorrundenspiel in Bildern

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Alles weg, die gute Anfangsphase, die klaren Chancen, die Überraschungseffekte beim Personal, die spielerischen Vorteile – zu diesem Zeitpunkt war Deutschland raus aus dem Turnier. Schweden hatte, obwohl weiter konservativ defensiv unterwegs, durch Viktor ­Claessen (44.) und einen Kopfball von Marcus Berg (45.+2) glasklare Chancen zum zweiten Tor. Ballbesitz kontra Effektivität, Schweden führte, weil sich die DFB-Auswahl eine Auszeit nahm.

Deutschland - Schweden: Einzelkritik der deutschen Spieler

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  • Manuel Neuer

    Der Kapitän ist in WM-Form. Zwei große Paraden vor der Pause gegen Schweden-Stürmer Berg (13./45.+2). Machtlos beim Gegentreffer.

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  • Sebastian Rudy

    Ersetzte Khedira im Mittelfeld. Brachte Ballsicherheit ein. Am Kopf verletzt nach miesem Kroos-Pass (25.). Musste blutend runter.

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  • Jerome Boateng

    Er gab alles. Brachte Berg ins Straucheln (13.) und blockte den Angreifer (18.). Kurbelte offensiv mit an. Nach Fouls an Forsberg (71.) und Berg (82.) flog der Münchner aber mit Gelb-Rot vom Platz.

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  • Antonio Rüdiger

    Ersetzte den verletzten Hummels. Schlimmer Ballverlust (13.). Sein Rettungsversuch bei Toivonens Tor ging schief (32.).

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  • Joshua Kimmich (2.v.l.)

    Der Münchner tat diesmal defensiv mehr. Nach der Pause unermüdlich auf der rechten Seite unterwegs. Flankte zu unpräzise.

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  • Jonas Hector

    Solide in der Defensive. Stoppte Claesson in höchster Not (44.). Tauchte auch vorne im Strafraum auf, Olsen hielt aber (57.).

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  • Toni Kroos

    Brachte Deutschland zunächst in Not. Grober Ballverlust vorm 0:1, dann nicht am Torschützen Toivonen dran. Nach der Pause hängte er sich rein. Leitete das 1:1 ein, Traumtor fast in letzter Sekunde.

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  • Thomas Müller

    Der zehnmalige WM-Torschütze kommt nicht richtig in Aktion. Pech beim Nachsetzen nach Gündogans Schuss (39.). Kopfball vorbei (51.).

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  • Marco Reus (r.)

    Die Hereinnahme des Dortmunders war richtig. Umtriebig und mit Tempo unterwegs. Und Schütze des 1:1 mit dem linken Knie (48.).

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  • Julian Draxler

    Er hätte das Spiel in die richtigen Bahnen lenken können. Vergab die Riesenchance zum 1:0 (3.). Später fahrig. Raus zur Pause.

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  • Timo Werner

    Vergab seine größte Chance (81.). Gute Kopfballvorlage auf Draxler (3.). Viele gute Tempoläufe. Bereitete so auch Reus' Tor vor.

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  • Ilkay Gündogan

    Kam für den verletzten Rudy. Interpretierte die Rolle offensiver. Seinen satten Schuss wehrte Olsen grandios ab (39.).

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  • Mario Gomez

    Kam für Draxler (46.). Brachte als Sturmspitze seine Wucht ein. Pech: Torwart Olsen hielt seinen Kopfball spektakulär (88.).

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  • Julian Brandt

    Kam als letzte Option (87.). Der Leverkusener knallte den Ball in der Nachspielzeit mit Vollspann an den linken Pfosten.

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Hoffnungsträger Reus? Vor allem frische Hoffnung durch Reus, weil er eine Vorarbeit von Timo Werner irgendwie mit dem Knie ins Tor bugsierte zum Ausgleich.

Die deutsche Mannschaft wollte jetzt mehr, drängte die Schweden in den eigenen Strafraum, das Powerplay von Sotschi. Ein Ball nach dem nächsten flog in den Strafraum, immer wieder hatten die Gelb-Blauen ein Bein dazwischen, jeder Versuche perlte ab.

Kommentar: Magisch

Das ist der Grund, warum Fußball so faszinierend ist. Es ist nicht vorbei, bevor der Schiedsrichter abpfeift. Und manchmal muss allen Widerständen getrotzt werden, um das kleine Wunder zu bewerkstelligen. Deutschland ist wieder da bei dieser WM, der Weltmeister hat eine fantastische Reaktion gezeigt. Bewundernswert, wie das Team diese psychische Belastung, diesen unfassbaren Druck verarbeitet hat. Es geht noch was für den Titelverteidiger, es könnte ein Fanal sein. Einfach magisch.

...

Werner (72.) läutete die Schlussoffensive ein, sein Ball wurde im letzten Moment von Andreas Granqvist geklärt. Bis zum Strafraum der Schweden sah das gut aus, aber Chancen wie die durch Werner (81.) blieben Mangelware. Dann sah auch noch Boateng die Gelb-Rote Karte, er war von Marcus Berg „aufgearbeitet“ worden.

War das die letzte Chance?

Letzte Hoffnung Julian Brandt, der vier Minuten vor dem Ende kam. Mario Gomez (88.) mit einen Kopfball nach Flanke von Kross zwang Robon Olson zur Glanztat.

Nachspielzeit: Brandt trifft den Pfosten. Noch ein bisschen später trifft Reus den Ball nicht voll... War das die letzte Chance? Nein, noch ein Freistoß an der Strafraumgrenze. Kroos tippt an, Reus stoppt, Kroos trifft. Der Sieg, unfassbar.

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