Die Probleme des DFB
Feine Risse in der deutschen Fußball-Welt

Kasan/Frankfurt -

Philipp Lahm besuchte die deutsche Schule in Moskau, Reinhard Grindel legte in Sotschi einen Kranz nieder. Um das deutsch-russische Verhältnis sei es, so der Chef des größten Sport-Dachverbandes, nicht zum Besten bestellt. Da müsse was getan werden. Denn: „Die ­russischen Medien zeichnen ein Zerrbild von Deutschland, das den Praxistest nicht besteht.“ Er sei mit dem DFB-Tross, der ganzen Delegation, auch auf der großen Russland-Tour, um die Sicht auf die Dinge zu verbessern und geradezurücken, sportlich wie zwischenmenschlich.

Freitag, 29.06.2018, 06:45 Uhr

Der viertel Titel und der vierte Stern hat dem Deutschen Fußball-Bund viel Anerkennung, Geld und Sympathie eingebracht. Doch zuletzt war Distanz zwischen Verband und Fans sichtbar geworden.
Der viertel Titel und der vierte Stern hat dem Deutschen Fußball-Bund viel Anerkennung, Geld und Sympathie eingebracht. Doch zuletzt war Distanz zwischen Verband und Fans sichtbar geworden. Foto: imago

Manchmal hatte das den Charakter von kleinkariertem Funktionärsgebaren, wenn der DFB ausrückte, um die Welt zu verbessern. An der Stelle, um die es bei der WM wirklich ging, da scheiterte der vierfache Weltmeister im großen Stil. „Lange Linien ziehen“, sagt Grindel gern und häufig, er bezog das auf die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw , auf den Auftritt in Russland und natürlich auf die deutschen Fans.

Das sollte alles Eindruck machen, einen guten Eindruck. Ein netter Nachbar im Herzen Europas. Stolz wie Oskar verkündete der frühere Bundestagsabgeordnete der CDU zum WM-Start, wie viele deutsche Fans schon in Russland sind und dass sich die Karten wunderbar verkauft hatten. Allerdings war das nur ein Zwischenstand. Dann kamen die drei WM-Spiele dazwischen.

Vergleiche mit dem Nullpunkt im Jahr 2000 ver­bieten sich eigentlich. Damals war der deutsche Fußball am Boden. Keine Nachwuchskonzepte, eine überalterte Nationalelf, Frust pur eben nach dem pein­lichen Sieglos-Aus bei der EM in den Niederlanden und Belgien.

Der Crash von Kasan

Heute ist der DFB rein sportlich weitaus besser aufgestellt. Zwar gibt es nicht das große Versprechen wie 2009, als die U 21 Europameister wurde, aber der Confed-Cup-Erfolg im Vorjahr wurde mit jungen, unverbrauchten und auch hungrigen Spielern gewonnen – und auch die U 21 triumphierte ja wieder. Im Spitzen­bereich gibt es eine Basis für ein Comeback in der Weltspitze.

WM-Zeugnis der deutschen Spieler

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  • Manuel Neuer: Als er dann doch spielte nach neunmonatiger Verletzungspause, war er voll da, hielt fast alle Bälle, aber eigentlich auch keinen einzigen unhaltbaren.

    Note: 2,5

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  • Andre ter Stegen: Wurde von Neuer verdrängt und schaute sich das alles notgedrungen aus der Distanz an.

    Note: keine.

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  • Marvin Plattenhardt: Vertrat im ersten Spiel auf der linken Seite Jonas Hector und bekam zu spüren, was international erwartet wird, nämlich viel mehr als bei der Hertha.

    Note: 4

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  • Jonas Hector: Er bleibt der Platzhirsch auf der linken Seite, mangels Alternativen – und er machte so sein Ding, das aber immerhin ordentlich.

    Note: 3

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  • Matthias Ginter: Kein Einsatz für den Confed-Cup-Sieger, schlechter wäre es mit „Mister Zuverlässig“ auch nicht gelaufen.

    Note: keine.

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  • Mats Hummels: Der Weltmeister von 2014 mühte sich, mehr aber auch nicht, war meilenweit von seiner Brasilien-Form entfernt, kämpfte vor allem mit sich selbst.

    Note: 4

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  • Niklas Süle: Durfte nur   gegen Südkorea ran, ist aber mit seiner Ruhe und guten Spieleröffnung der Mann der Zukunft in der Innenverteidigung.

    Note: 3,5

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  • Antonio Rüdiger: Zappelte durch die Partie gegen Schweden, macht mit seinen Leichtsinnsaktionen die halbe Welt verrückt, hat aber Potenzial, könnte auf Dauer mit Süle gemeinsame Sache machen.

    Note: 4

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  • Jerome Boateng: Sinnbild für die deutsche Krise, nicht hundertprozentig fit, murkste sich so durch, ehe er zurecht Gelb-Rot gegen Schweden sah.

    Note: 4

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  • Joshua Kimmich: Er ist ein offensiver Rechtsverteidiger, wollte aber auf der rechten Seite den Arjen Robben geben – und scheiterte damit grandios.

    Note: 4

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  • Sami Khedira: Eine einzige Enttäuschung, weil Mumm, Biss, Spritzigkeit, Übersicht, Torgefahr, halt alles, bei dem Mann von Juventus Turin fehlten.

    Note: 5

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  • Julian Draxler: War vom Bundestrainer  als „next sensation“ angekündigt und zeigte davon praktisch nichts.

    Note: 4,5

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  • Toni Kroos: Ohne Kroos wäre schon nach dem zweiten Spiel der Ofen aus gewesen, aber er versuchte am ehesten, die Leaderrolle auszufüllen.

    Note: 3

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  • Mesut Özil: Der Mann für die besonderen Momente  blieb ohne die besonderen Momente und war damit einfach eine riesige Enttäuschung.

    Note: 5

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  • Thomas Müller: Spielte, nein stolperte gerade gegen Südkorea regelrecht über das Feld und brachte wirklich nichts auf die Kette, fürchterlich.

    Note: 5

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  • Leon Goretzka: Durfte sich gegen Südkorea zeigen und wäre mit einem möglichen Kopfballtreffer vielleicht beinahe zum Vorrundenheld geworden – hätte, hätte, Fahrradkette.

    Note: 4

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  • Sebastian Rudy: Nach 23 Minuten war beim WM-Debüt Schluss mit einem Trümmerbruch in der Nase, aber er zeigte in kurzer Zeit mehr an Perspektive als die meisten anderen Mittelfeldakrobaten.

    Note: 3

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  • Ilkay Gündogan: Nach einer Supersaison bei Manchester City nun ein echter WM-Superflop, ohne Worte, vom Bundestrainer in diesen Wochen total falsch eingeschätzt.

    Note: 5

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  • Timo Werner: War einer der wenigen Lichtblicke und setzte Akzente, mit ihm könnte das in der Zukunft etwas werden  als Eckpfeiler der Nationalelf.

    Note: 3

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  • Marco Reus: Stark nach der Einwechselung, stark gegen Schweden, auf Tauchstation in der Beringsee gegen Südkorea. Insgesamt aber völlig okay.

    Note: 3

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  • Julian Brandt: Drei Kurzeinsätze, zwei mit Top-Qualität, einer zum vergessen, als es um alles ging.

    Note: 2,5

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  • Mario Gomez: Der alte Mann und die Chancen, die er gegen Südkorea in Hülle und Fülle vergab. Immerhin konnte er zumindest als mutiger Wortführer in der Krise etwas überzeugen.

    Note: 3,5

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  • Kevin Trapp: Der dritte Mann, den keiner sah, weil er wie erwartet nicht spielte.

    Note: keine.

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Die Jugend-Leistungszentren florieren nach wie vor, die Mannschaft besteht zum überwiegenden Teil aus Spielern, die in großen europäischen Top-Clubs Stammkräfte oder Leistungsträger sind. Nach sechs Großturnieren, in denen es für Deutschland immer ins Halbfinale ging, nun der Crash von Kasan. Nüchtern betrachtet: Das kann passieren. Das ist anderen Nationen mit iden­tischer Klasse ebenfalls in diesem Jahrtausend widerfahren. Fragen Sie mal nach in Frankreich, England, Spanien, Argentinien, Italien, Brasilien, den Niederlanden, Belgien . . . 

Enttäuschungen und Nie derlagen gehören zum Sport. Wenn allein zehn, zwölf Länder den Anspruch Halbfinale haben, muss es irgendwen erwischen. Diesmal die Deutschen. Die Form war nicht da, es wurden Fehler gemacht. Aber nicht zwingend ein Grund, dem Fußball hierzulande eine gewisse Perspektiv­losigkeit zu unterstellen.

Liebesbeziehung droht zu zer­brechen

Die Gefahr geht vielmehr von anderen Stellen aus. Die Liebesbeziehung zwischen dem Fußball im Allgemeinen, der Nationalmannschaft im Speziellen, und den Fans droht zu zer­brechen. Beschädigt ist sie schon. Es ist mehr als eine subjektive Wahrnehmung, dass das Public-Viewing seinen Zenit überschritten hat, dass das bedingungs­lose Mitfiebern abnimmt.

Deutschland gegen Südkorea: Das WM-Vorrundenspiel in Bildern

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  • Die Ausgangslage vor dem Anpfiff: Bei einem Sieg mit zwei Toren Abstand wäre die DFB-Elf sicher im Achtelfinale.

    Foto: Ina Fassbender
  • Die Fans der deutschen Nationalmannschaft waren zuversichtlich, dass das Turnier für ihre Mannschaft nach dem Spiel gegen Südkorea weitergeht...

    Foto: Christian Charisius
  • Dieser Elf schenkte Bundestrainer Joachim Löw sein Vertrauen.

    Foto: Ina Fassbender
  • Gespannt, ob ihre Taktik ausgeht war das deutsche Trainerteam mit (v.r.) Joachim Löw, Marcus Sorg aus Deutschland und Thomas Schneider

    Foto: Christian Charisius
  • Keine Chance auf ein Weiterkommen hatte die Mannschaft aus Südkorea.

    Foto: Ina Fassbender
  • Vorfreude verspürten diese deutschen Fans vor Spielbeginn.

    Foto: Christian Charisius
  • Für die deutschen Fans stand vor Anpfiff fest: Der amtierende Weltmeister kommt ins Achtelfinale.

    Foto: Chen Yichen
  • Grüße aus dem Münsterland für „Die Mannschaft“.

    Foto: Christian Charisius
  • Die südkoreanischen Fans hofften sich derweil einfach auf ein unterhaltsames Spiel...

    Foto: Michael Probst
  • Auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine koreanische Frau Soyeon Kim verfolgten das Spiel von der Tribüne aus.

    Foto: Christian Charisius
  • Dieses Mal nicht in der startelf - aber trotzdem gut gelaunt: Thomas Müller (r.) - hier mit Sebastian Rudy.

    Foto: Andreas Gebert
  • Impression aus der Kasan-Arena.

    Foto: Christian Charisius
  • Tribünengast war bei diesem Spiel Deutschlands Abwehrspieler Jerome Boateng, der für dies Partie gesperrt war.

    Foto: Christian Charisius
  • Die Ausgangslage: Ein Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied gegen Südkorea bringt das Team von Bundestrainer Joachim Löw auf jeden Fall in die nächste Runde. Eine Niederlage mit zwei oder mehr Toren Differenz bedeutet das sichere Aus.

    Foto: Christian Charisius
  • Leider jedoch präsentierte sich die deutsche Elf in einer Verfassung, die eines Weltmeisters unwürdig war.

    Foto: Sergei Grits
  • Neu im Team war Leon Goretzka , der hier zum Kopfball hochgeht.

    Foto: Andreas Gebert
  • Zurück in der Startelf nach seiner Verletzung war Mats Hummels - hier im Duell mit Südkoreas Starspieler Heung-Min Son.

    Foto: Ina Fassbender
  • Angespannt war natürlich auch Bundestrainer Joachim Löw.

    Foto: Christian Charisius
  • Seine Spieler - wie hier Stürmer Timo Werner - taten sich schwer, erfolgversprechende Angriffe zu initiieren.

    Foto: Christian Charisius
  • Unter Druck geriet in dieser Szene Deutschlands Keeper Manuel Neuer.

    Foto: Ina Fassbender
  • Redebedarf: Deutschlands Offensivakteuer Marco Reus (M.) diskutiert mit Schiedsrichter Mark Geiger aus den USA.

    Foto: Christian Charisius
  • Ungläubig reagierten die deutschen Spieler in dieser Szene auf eine verpasste Torchance.

    Foto: Ina Fassbender
  • Die Zeit drängte für das DFB-Team - ein Tor musste her.

    Foto: Andreas Gebert
  • Doch Südkoreas Torhüter Torwart Hyeonuh Jo bewahrte seine Mannschaft vor einem Rückstand.

    Foto: Sergei Grits
  • Die Partie blieb weiter umkämpft - hier versucht Deutschlands Abwehrspieler Niklas Süle (r.) den Ball zu erobern.

    Foto: Andreas Gebert
  • Kurz vor Spielende der entscheidende Rückschlag für das DFB-Team: Südkorea ging in der 92. Spielminute in Führung.

    Foto: Christian Charisius
  • Gefeiert wurde der Torschütze Young-Gwon Kim.

    Foto: Christian Charisius
  • Nachdem die deutsche Mannschaft in der 96. Spielminute einen weiteren Gegentreffer kassiert hatte, war das WM-Aus Deutschlands besiegelt. Sehr zum Ärger von Thomas Müller.

    Foto: Andreas Gebert
  • Auch Toni Kroos konnte das Ausscheiden nicht verhindern.

    Foto: Christian Charisius
  • Bundestrainer Joachim Löw (l) beglückwünschte Südkoreas Trainer Taeyong Shin.

    Foto: Christian Charisius
  • Ein trauriger Abgang für Deutschlands Trainer Joachim Löw.

    Foto: Ina Fassbender
  • Die deutschen Fans waren untröstlich nach dem WM-Aus.

    Foto: Andreas Arnold

Sport als tatsächliche Nebensache in unruhigen Zeiten? Eine andere Generation, der die Schwarz-Rot-Gold-Party nicht mehr viel bedeutet? Vermutlich auch das. Die Fußball-Begeisterten haben ein Gespür dafür, ob eine Mannschaft Grenzen erreicht und vielleicht auch mal, wie 2014 Bastian Schweinsteiger im Finale, heldenhaft überschreitet. Das sind Fixpunkte von Fußballkultur.

Aber Deutschland ist aktuell zerrissen. Das hat sich an der Affäre um Mesut Özil, Ilkay Gündogan und den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ganz gut gezeigt. Politische Themen sind längst im Fußball angekommen. Letzlich weniger deutsche Anhänger als erhofft wagten sich nach Osten, während Fans anderer Teams farbenfrohe Bilder lieferten. Russland wird eben als grund­gefährlich wahrgenommen. Mexiko, Argentinien oder auch Australien machten Party, das Versammlungsverbot wurde ignoriert, der russische ­Sicherheitsapparat staunte und ließ alle gewähren. Die deutschen Anhänger saßen oft miesepetrig in der Ecke – ihre Mannschaft war ja auch ein Stimmungs­killer.

Entfremdung vom Stammpublikum

Der DFB präsentiert sich zudem nicht erst seit ­dieser WM als ein Verband, dessen Regeln sich nur noch schwer erschließen. Horrende Eintrittspreise, späte Anstoßzeiten, die Abschottung vor Fans und Jour­nalisten, krass reduzierte Transparenz und eine völlig aus dem Ruder ge­laufene Überkommerzialisierung des Teams („Die Mannschaft“, #zsmmn, #bestneverrest) lassen viele Anhänger nicht kalt.

Deutschland - Südkorea: Einzelkritik der deutschen Spieler

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  • Manuel Neuer - Note: 4,5:

    Großer Patzer in der ersten Halbzeit: Sein Versuch, den Freistoß von Jung zu fangen, wurde zum missglückten Volleyball-Hechtbagger – den Abpraller boxte er ins Toraus. Nach der Pause hauptsächlich als Libero vor dem eigenen Tor aktiv. Beim ersten Gegentor machtlos, vor dem Zweiten produzierte er in der gegnerischen Hälfte den Ballverlust.

    Foto: Christian Charisius
  • Joshua Kimmich - Note: 5:

    Einige unnötige Ballverluste, mehrere Flanken aus unbedrängter Position ins Nichts. Nach der Pause immerhin unauffälliger.

    Foto: Andreas Gebert
  • Mats Hummels - Note: 4:

    Hinten erst kaum gefordert, vorne mit einem zu optimistischen Dribbling-Versuch im gegnerischen Fünfmeterraum gegen vier Mann. Vergab kurz vor Schluss die Riesen-Kopfballchance zum Sieg.

    Foto: Ina Fassbender
  • Niklas Süle - Note 3,5:

    Sicher in der ersten Halbzeit, bekam mehr Stress, als das Spiel nach der Pause offener wurde und die Südkoreaner ihre Wendigkeit einsetzten. Lief aber einige Konter gut ab.

    Foto: Christian Charisius
  • Jonas Hector Note 4,5:

    Defensiv solide, offensiv zu zurückhaltend und wirkungslos.

    Foto: Ina Fassbender
  • Sami Khedira - Note: 4,5:

    Fing schlecht mit einem Ballverlust an, sorgte dann im Zentrum zumindest für ein paar Balleroberungen. Sein Beitrag zum Offensivspiel blieb aber gering – und bei einigen wie gegen Mexiko fehlgeschlagenen Dribblings kontraproduktiv.

    Foto: Li Ga
  • Toni Kroos - Note 5:

    Riss in der ersten Halbzeit mit klugen Pässen zumindest ab und an eine Lücke. Mit zunehmender Spieldauer fehleranfälliger: Produzierte Ballverluste, lief nicht hinterher. Suchte am Ende oft selbst den Abschluss – erfolglos. Gab durch die Beine von Süle die Vorlage zum 0:1.

    Foto: Andreas Gebert
  • Leon Goretzka - Note 5:

    Dass er seine Chance erhielt, hat viele verwundert – zu Recht. Der Ex-Schalker zeigte keine WM-Reife, bot sich viel zu wenig an auf dem rechten Flügel, verlor die Bälle zu oft, wenn er sie mal hatte. Einzige gute Aktion: Ein gewonnener Zweikampf in der gegnerischen Hälfte. Vergab nach der Pause eine große Kopfballchance.

    Foto: Ina Fassbender
  • Mesut Özil - Note: 4:

    Seine erste Aktion war ein gewonnener Zweikampf im eigenen Strafraum –zu Beginn merkte man ihm den Willen an, die Dinge besser zu machen. Manchmal brachten überraschende Drehungen Platz, dann spielte er aber unerreichbare Steilpässe ins Toraus. Mit fortschreitender Spieldauer immer weniger zu sehen.

    Foto: Christian Charisius
  • Marco Reus - Note: 4,5:

    Ein Schatten seiner selbst im Vergleich zu den Auftaktspielen. Unglücklich in seinen Aktionen, geblockt bei seinen Schussversuchen. Machte mit fehlender Übersicht, als er nach dem Goretzka-Ballgewinn nicht den völlig freien Werner anspielte, die potenziell beste Chance im ersten Durchgang zu Nichte. Nach der Pause zweimal gut im Kombinationsspiel, aber zu selten mit Tempo in seinen Aktionen.

    Foto: Christian Charisius
  • Timo Werner - Note: 4,5:

    Wenn die Passmaschine Deutschland im Einschlafmodus läuft wie gegen Südkorea, ist Werner im Zentrum abgemeldet, weil seine Stärke, die Schnelligkeit, nicht zum Tragen kommt. Vor der Pause nur gefährlich, wenn er auf den Flügel ausbrechen konnte. Als er endlich dort spielen durfte, agierte er zu fahrig und zu hektisch.

    Foto: Christian Charisius
  • Mario Gomez - Note: 4:

    Ihn hatten viele gegen kleine Südkoreaner in der Startelf erwartet – wohl nicht zu Unrecht. Der Stürmer machte Betrieb, scheiterte aber mit einem Kopfball, traf ein weiteres Mal die Kugel nicht. Unglücklich.

    Foto: Andreas Gebert
  • Thomas Müller - Note 5:

    Ballverlust, Fehlpass, Foulspiel – sein Einstieg in die Partie war eine Katastrophe. Und es wurde nicht besser.

    Foto: Andreas Gebert
  • Julian Brandt - – keine Note:

    Kein Pfostenschuss diesmal – und auch sonst keine Offensivaktion. Dafür Ballverluste.

    Foto: Marc Schueler

Im Hintergrund läuft der neue Film ab mit SAP, ­ Video-Analyse, Laptop-Training, der totalen Verwissenschaftlichung des Fußballs. „Basic Thinking“ im Fußball, Daten im Überfluss. Manager Oliver Bierhoff und seine Agenturen schei nen aus der Deutschen liebstem Kind ein cooles Start-up-Unternehmen mit hippem Social-Media-Image machen zu wollen – eine echte Marke eben. Steril bis in die letzte Haarwurzel wirkt das – was Bierhoff eigentlich ja nicht wollte.

Die Entfernung, ja Entfremdung vom einstigen Stammpublikum ist wahrscheinlich nicht mehr aufzuhalten. Wo 2006, 2008, 2010 oder 2012 noch Trä nen flossen, macht sich heute allenfalls Enttäuschung, hier und da aber auch Gleichgültigkeit breit. Wenn dann ein Toni Kroos auch noch nach erneut überschau­barer Leistung gegen Schweden beleidigt und im Rausch seines Siegtores feststellt, dass sich ­daheim ja offenbar viele über ein frühes Aus freuen würden, dann liegt er falsch – und trägt gleichsam dazu bei, dass die Distanz zwischen den Noch-Weltmeistern und der Basis ­immer größer wird.

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