Spanien steht gegen Chile unter Druck
Ein erstes Endspiel

Curitiba -

Wo Lothar Matthäus es nur wenige Wochen ausgehalten hat, hat die spanische Nationalmannschaft ihr Quartier bezogen. Die steht nach der krachenden Auftaktniederlage gegen die Holländer mächtig unter Druck.

Mittwoch, 18.06.2014, 06:06 Uhr

Vom Trainingsplatz in die Startelf: Pedro (r.) kam im Spiel gegen die Niederlande noch von der Bank und ist gegen Chile ein heißer Kandidat für die Startelf.
Vom Trainingsplatz in die Startelf: Pedro (r.) kam im Spiel gegen die Niederlande noch von der Bank und ist gegen Chile ein heißer Kandidat für die Startelf. Foto: dpa

Einen ganzen Packen voller Handzettel hatte der beleibte Brasilianer mitgebracht, der sich an die mit Schlaglöchern gesäte Zufahrtsstraße gestellt hat. Die „Churrascaria Gaucho“ im Stadtteil Pinheirinho von Curitiba könnte den Zulauf hungriger Journalisten gut gebrauchen, doch das Interesse hält sich bei den spanischen Berichterstattern gerade in Grenzen. Die medialen Begleiter des Titelverteidigers sind es gewohnt, dass ihr Verband keinen Hotspot als Herberge bucht, aber wo das Trainingszentrum von Atlético Paranaense gelegen ist, könnten böse Zungen sogar Sehnsüchte nach einer frühen Abreise ableiten.

Touristen werden in diese Peripherie der einst preisgekrönten Umwelthauptstadt eher nicht geführt, und das hat in den Ausläufern von Industrievierteln wie Bairro Novo seinen guten Grund: Herumstreunende Hunde, zerfallene VW-Busse und beschmierte Fassaden deuten darauf hin, hier als Europäer lieber keinen Abendspaziergang zu unternehmen.

Kein Wunder, dass Lebemann Lothar Matthäus es hier bei seinem Intermezzo vor acht Jahren nur wenige Wochen aushielt. Legendär der Vorfall, als „Loddar“ nach der raschen Flucht aus Curitiba Telefonrechnungen über 10 000 Reais, umgerechnet mehr als 3000 Euro, mit seiner damaligen Lebensgefährtin hinterließ, die sein Arbeitgeber genüsslich via Internet verbreitete.

Es ist ein Spiel auf Leben und Tod.

Spaniens Mittelfeldspieler Cesc Fabregas

Die spanische Star-Armada hat bislang kein schlechtes Wort über das Camp fallen lassen, was vielleicht daran liegt, dass man die Umgebung bislang nur durch die Glasscheiben des Mannschaftsbusses erkundet hat. Am Montagnachmittag ging es ohnehin zunächst nach Rio de Janeiro. Denn dort steigt für den Weltmeister gegen Chile (Mittwoch, 21 Uhr, ARD) das wegweisende zweite Gruppenspiel. Schmuckloser Abschied oder spektakuläre Wiederauferstehung? Nur mit einem Sieg umgeht eine gekrönte Generation sicher dem K.-o. in der Vorrunde.

Das eigentliche Endspiel findet zwar erst am 13. Juli statt, aber schon mal den Ernstfall zu simulieren, kann nicht schaden. Nur muss es gerade dieser unbequeme Widerpart aus Südamerika zu sein, der mit dem beim FC Barcelona angestellten Alexis Sanchez jederzeit zum Spaßverderber taugt, fragen sich die Skeptiker.

Als sicher gilt, dass Pedro im zweiten Gruppenspiel für David Silva auflaufen wird. Und vielleicht rauscht Stürmer Diego Costa für die Startelf auch durchs Rüttelsieb. Von fundamentalen Änderungen mag niemand etwas wissen. Hat die „Selección“ nicht vor vier Jahren in Südafrika ähnliches durchgemacht? Anfangspleite in Durban gegen die Schweiz, dann nahmen die Iberer hernach alle auf die Hörner. Im entscheidenden Gruppenspiel übrigens Chile (2:1), um sich dann ohne Gegentor durchzukombinieren.

Es sind doch fast dieselben Spieler wie damals. Noch werden die drängenden Fragen nach einem Generationswechsel eifrig verdrängt. „Wahnsinn“, rufen Haudegen wie Sergio Ramos, seien derlei Debatten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2533690?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F2263186%2F2380114%2F2597537%2F4840955%2F
Nachrichten-Ticker