Die neue Rolle von Toni Kroos im „Brasilien-System“
Der Kellner hat geliefert

Porto Seguro -

Nahezu an jedem gefährlichen Angriff der Deutschen gegen Portugal war Toni Kroos beteiligt, letztlich war der 24-jährige Münchner hinter dem Sturm-Trio der Dreh- und Angelpunkt. Kroos, der bei der Pressekonferenz am Mittwoch einen selbstbewussten Auftritt hinlegte, ließ durchblicken, dass ihm die neue Taktik des Bundestrainers in die Karten spiele.

Mittwoch, 18.06.2014, 20:06 Uhr

Der Taktgeber in der deutschen Offensive: Toni Kroos. Er war gegen Portugal der Dreh- und Angelpunkt im deutschen Team.
Der Taktgeber in der deutschen Offensive: Toni Kroos. Er war gegen Portugal der Dreh- und Angelpunkt im deutschen Team. Foto: dpa

„Ein guter Anfang braucht Begeisterung, ein gutes Ende Disziplin“ – dieses Motto steht im Campo Bahia auf einem Transparent und danach wollen sie handeln. „Stand heute haben wir noch gar nichts erreicht“, sagte Toni Kroos am Mittwoch mit einiger Untertreibung. Wohl wissend, dass vor allem er einer der großen Gewinner des famosen Starts in die WM ist. „Ich spiele ja ganz gut“, bemerkte er auf die Frage, ob er sich in der öffentlichen Bewertung falsch dargestellt sehe. Ihm sei es wichtig, wie die Trainer ihn bewerten, und da gab es schnell das Lob von Hansi Flick: „Was Toni so unheimlich wichtig macht, sind seine Ballsicherheit und seine gefährlichen Pässe, er hat es absolut verdient, in der Startelf zu stehen“, sagte der Löw-Assistent, der aber auch anmerkte: „Was er nicht macht, sind Tore.“

Mit 91 Ballkontakten und 97 Prozent angekommener Pässe hat Toni Kroos brillante Zahlen in der Statistik stehen. Von Anfang an war er stark im Pressing und der Taktgeber in der deutschen Offensive. Das Wort gefällt ihm aber eben so wenig („ist übertrieben“), wie die Titulierung eines brasilianischen Kollegen, der ihn als „Garçon“ (Kellner) bezeichnet hatte, im Sinne einer Servicekraft, die die Spitzen bediene.

Kroos, der gestern in der Pressekonferenz einen selbstbewussten Auftritt hinlegte, ließ durchblicken, dass ihm die neue Taktik des Bundestrainers in die Karten spiele, denn im neuen 4:3:3-Brasilien-System gibt es keinen klassischen Spielmacher mehr hinter den Spitzen, weil Mario Götze, Thomas Müller , Mesut Özil sehr viel rotieren. Insofern kann Kroos die Rolle im Nationalteam spielen, die er auch bei Pep Guardiola hat. Nahezu an jedem gefährlichen Angriff der Deutschen war der 24-jährige Münchner beteiligt, letztlich war Kroos hinter dem Sturm-Trio der Dreh- und Angelpunkt .

Eine Rolle, die von ihm lange erwartet wurde, der er aber nie ganz gerecht werden konnte. Löw hatte ihn einst als seinen „Zwischenspieler“ bezeichnet, kein klassischer Zehner, kein Achter und auch kein Sechser. Beim verlorenen Halbfinale bei der EM gegen die Italiener hatte Löw auf Kroos gesetzt, das Experiment scheiterte, auch weil der in Greifswald geborene Mittelfeldspieler Defizite im Abwehrverhalten hatte, die er unter Pep Guardiola aber offenbar aufarbeiten konnte.

Übrigens: Dass der 2015 auslaufende Vertrag von Toni Kroos bei den Bayern noch nicht verlängert wurde, im Gegensatz zu den Kontrakten der Herren Lahm und Müller, führt nahezu täglich zu wilden Spekulationen, gestern sollen Chelsea und Manchester United großes Interesse signalisiert haben. Kroos gelassen in der Pressekonferenz: „Wenn es etwas mitzuteilen gibt, werden Sie es als Erstes hören.“

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