Kolumne
Abseits von Moskau: Der wirre Strafenkatalog der Fifa

Münster -

Über die Strafen, die die Fifa so während der WM ausgesprochen hat, gab es ja bereits klare Äußerungen. Da passte so einiges nicht zusammen. Über allem steht offenbar, dass kein Sponsor vergrätzt wird. Eine seltsame Ausnahme gibt es aber.

Dienstag, 10.07.2018, 17:04 Uhr

Kolumne: Abseits von Moskau: Der wirre Strafenkatalog der Fifa
Danijel Subasic (r.), der Torhüter der Mannschaft aus Kroatien, zeigt nach dem 3:2 Sieg im Elfmeterschießen sein T-Shirt. Vor zehn Jahren starb der kroatische Fußballer Hrvoje Custic. Sein Jugendfreund Danijel Subasic denkt jeden Tag an ihn und trägt die Erinnerung an ihn auch bei der WM in Russland immer bei sich. Nach seinen drei Paraden, zog er das Torwart-Trikot aus und zeigte der Welt das T-Shirt, das er seit mehr als zehn Jahren bei jedem Spiel drunter trägt. «Forever» stand darauf, eine 24 und ein Foto von Hvr... Foto: picture alliance/-/xinhua/dpa

Beim Public Viewing auf den Sperlingsbergen in Moskau, unweit der Lomonossow-Universität, war die Stimmung während dieser WM oft prächtig. Mittendrin tauchte plötzlich ein Plakat auf mit der Zahl „88“. Es ist der verklausulierte Gruß „Heil Hitler“. Dem strengen Ordnungs- und Kontrollpersonal des Weltverbandes Fifa fiel das auf. Was gut ist – und Gastgeber Russland wurde mit einer Geldstrafe von 10.000 Schweizer Franken, umgerechnet rund 8600 Euro, belegt. Gut so.

Man könnte dem Weltverband auf die Schulter klopfen. Oder man könnte fragen, wie denn die Gewichtung im Strafenkatalog angelegt ist. Denn Schweden bekam eine Strafe von 70.000 Franken, rund 60.000 Euro, aufgebrummt. Grund: Die Mannschaft trug beim Aufwärmen nicht von der Fifa autorisierte Leggins.

Homophobe Rufe gegen Neuer

Und noch verrückter wird es, wenn Kroatien mit einer Strafe von 70.000 Franken belegt wird. Der Halbfinalist hatte sich in der Pause der Verlängerung erdreistet, keine Getränke von einem Getränkehersteller mit Stammsitz in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia zu trinken. Der ist ausgerechnet auch noch Fifa-Partner seit 1970.

Homophobe Rufe gegen den deutschen Torwart Manuel Neuer, skandiert von mexikanischen Fans, kosten dann wiederum „nur“ 10.000 Franken.

Auf der Liste der Verdächtigen, die vermutlich bald zahlen müssen, steht auch Danijel Subasic, der kroatische Torwart. Er trägt in Gedenken an seinen verstorbenen Freund Hrovje Custic ein T-Shirt unter dem Trikot. Nach Spielende zeigt er dieses – die Fifa hat angekündigt, das beim nächsten Mal zu sanktionieren.

Nebenbei sei angemerkt, dass in den Getränkeautomaten der Pressezentren, Wasser von einem anderen Hersteller als dem allmächtigen Fifa-Partner verkauft wird – für 70 Rubel. Vielleicht werden ja demnächst auch die Journalisten mit der falschen Flasche erwischt. Zum Glück endet diese WM dann am Sonntag. 

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Alexander Heflik kann bestätigen, dass es nur auf der Pressetribüne kostenloses Wasser gab. Foto: Gunnar A. Pier

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