Wirtschaft
Märklin: Beraterhonorare haben die Firma in den Ruin getreiben

Donnerstag, 19.02.2009, 21:02 Uhr

Berlin - Nichts bewegt sich, kein Rad rollt. In den 15 Glasvitrinen in der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin werden alte Loks und Züge ausgestellt, stumm und regungslos. 150 Jahre Märklin-Modelle, von den ersten Dampfloks bis zum ICE , die Geschichte der berühmten Traumfabrik für kleine und große Jungs scheint schon zu Ende.

Vor zwei Wochen hat das Traditionsunternehmen aus Göppingen Insolvenz angemeldet, in Berlin präsentiert sich der renommierte Spielzeughersteller fast museal. Prospekte über das aktuelle Programm gibt es nicht, kein Katalog, keine Selbstdarstellung - nichts. Feierstimmung kommt da nicht auf. Nur Insolvenzverwalter Michael Pluta läuft von Stehtisch zu Stehtisch und verbreitet Optimismus.

Es war ein fast skurriler Abend. Gut hundert Gäste waren in die Landesvertretung an die Tiergartenstraße gekommen, viele Märklin-Fans darunter, vor allem schon ergraute. Ministerialdirektor Andreas Schütze begrüßt die Gäste und preist das Unternehmen. „ Märklin ist eine der bekanntesten Spielzeugmarken der Welt - der Inbegriff für Spitzenqualität aus Baden-Württemberg“, schwärmt er. „Schöner hätte das unser Marketingchef auch nicht sagen können“, meint Pluta. Die Geburtstagsfeier war schon lange geplant, bevor das Desaster offenbar wurde.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem man auf das Jubiläum anstoßen wollte, wird bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen frühere Märklin-Manager prüft. Der Investor Kingsbridge, der vor zwei Jahren zusammen mit der Investmentbank Goldman Sachs Eigentümer von Märklin wurde, habe unter dem Deckmantel der Sanierung das Unternehmen systematisch ausgeplündert und in den Ruin getrieben, so der Vorwurf. Berater wurden mit astronomischen Millionengagen belohnt, die Firma mit sündhaft teuren Darlehn auf die Knie gedrückt und die Aufsichtsratsgremien mit Honoraren vergütet, die sonst in Dax-Unternehmen üblich sind. Der Insolvenzverwalter spricht von „modernem Raubrittertum“.

Die Geschichte von Märklin wird einmal zum Sinnbild der „Heuschrecken-Epoche“ werden, zum Paradebeispiel dafür, wie Investoren zu „Exekutoren“ werden. Vor zwei Wochen war die Insolvenz von Märklin nur ein Beispiel von vielen dafür, dass in der Wirtschaftskrise auch Traditionsunternehmen wie Schiesser und Rosenthal nicht standhalten können. Jetzt stellt sich heraus, Märklin hatte andere Probleme. Die überraschende Aussage von Insolvenzverwalter Pluta ist, dass die Krise von Märklin eben nicht ihre Ursache darin hat, dass kleine und große Kinder weniger mit Modelleisenbahnen spielen. Die Marke sei weltweit noch attraktiv.

Doch Konkreteres kann der Rechtsanwalt den Anwesenden nicht bieten. Vielmehr ergeht sich der Krisenmanager auch in Romantik und Überhöhung. „Die Rettung von Märklin ist eine nationale Aufgabe, zumindest für die halbe Nation, die Männer.“ Er erntet dafür nur ein müdes Lachen beim Geburtstagspublikum. Und auch seine Ausführungen, dass die Frauen froh sein sollten, dass die Männer ihrem Modellbahn-Hobby auf dem Dachboden nachgingen statt außer Haus zu sein, schien wenig nach vorne gerichtet zu sein. Aus diesen altmodischen Vorstellungen von lötenden Männern unter Märklin-Landschaftsplatten lässt sich wohl kein Sanierungskonzept basteln. Pluta aber erklärt, er habe schon Kaufinteressenten, doch über die wolle er noch nichts sagen. Nur: Sie müssten Herzblut mitbringen, das sei wichtig.

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