Wirtschaft
Kreditausschuss: Kartenaustausch fast abgeschlossen

Berlin - Der Austausch von hundertausenden Kreditkarten in Deutschland ist nach Angaben des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) bereits weitgehend abgeschlossen. Die bisher größte Aktion dieser Art war angelaufen, nachdem Kundendaten gestohlen wurden - vermutlich bei einem spanischen Abrechnungsdienstleister. Mit den Daten hat es Kunden zufolge zumindest Betrugsversuche gegeben...

Donnerstag, 19.11.2009, 19:37 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.2009, 19:37 Uhr

Berlin - Der Austausch von hundertausenden Kreditkarten in Deutschland ist nach Angaben des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) bereits weitgehend abgeschlossen. Die bisher größte Aktion dieser Art war angelaufen, nachdem Kundendaten gestohlen wurden - vermutlich bei einem spanischen Abrechnungsdienstleister. Mit den Daten hat es Kunden zufolge zumindest Betrugsversuche gegeben. Dem ZKA und dem Bundeskriminalamt sind bislang aber noch keine Schäden bekannt. Unklar ist weiterhin, wie viele Verbraucher von der Umtauschaktion betroffen sind.

Die deutsche Kreditwirtschaft habe auf die Warnmeldungen von Visa und Mastercard am 4. November umgehend reagiert, berichtete der Kreditausschuss am Donnerstag. Die Bankkunden seien daraufhin sofort informiert worden. Die Organisation wies damit Vorwürfe von Verbraucherschützern zurück, die Kunden nicht umfassend aufgeklärt zu haben. Auch der Sparkassen- und Giroverband betonte, die Vorwürfe seien in keiner Weise berechtigt.

„Wer als Kunde in den kommenden Tagen kein Schreiben mehr erhält, ist auch nicht betroffen“, sagte ZKA-Sprecherin Melanie Schmergal. Die Verbraucher sollten sich nicht sorgen, weil Schäden in jedem Fall übernommen würden. Die Kunden haften dafür nicht. Bis zum Eintreffen der neuen Karten können die alten weiterbenutzt werden. Alle Banken und Sparkassen hätten die Überwachung der betroffenen Karten deutlich verschärft, so dass eventueller Missbrauch eingeschränkt werde. Die Banken kostet die Umtauschaktion pro Karte zwischen 5 bis 10 Euro.

Das Bundeskriminalamt ermittelt nach eigenen Angaben derzeit nicht. Bei der Polizei lägen auch nicht vermehrt Anzeigen vor, hieß es. Die Kreditkartenunternehmen verweigern weiterhin Information zu dem Datenleck. „Wir wollen unsere laufenden Ermittlungen nicht gefährden“, sagte Mastercard-Sprecher Thorsten Klein. Ähnlich hatte sich am Dienstag schon Visa geäußert. Wer die Ermittlungen von staatlicher Seite führe, wollte Klein nicht sagen. Für die Kunden bestehe aber kein Risiko. Die Rückrufaktion belege, dass das Sicherheitssystem funktioniere.

Die Grünen im Bundestag forderten unterdessen die Bundesregierung auf, die Finanzaufsicht zu stärken und ihr Verbraucherschutzaufgaben zu übertragen. „Außerdem brauchen wir einen Finanz-Marktwächter, der die Arbeit der Verbraucherzentralen bündelt, den Markt beobachtet und Missstände öffentlich anprangert“, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Maisch. Die Vizevorsitzende der FDP- Fraktion, Gisela Piltz forderte im Gespräch mit Handelsblatt Online multilaterale Abkommen, um datenschutzrechtliche Standards international zu etablieren. Nach Angaben des ZKA ist die derzeitige Rückrufaktion nicht ungewöhnlich.

Vorsorgliche Aktionen habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, in den vergangenen zwei Jahren aber vermehrt. Allein bei den Volks- und Raiffeisenbanken sollen 60 000, bei den Sparkassen 190 000 Kreditkarten umgetauscht worden sein. Die Direktbank ING Diba meldete am Donnerstag, bei ihr seien 500 der insgesamt 700 000 Karten betroffen.

Die jetzt hohe Zahl der Betroffenen hänge auch damit zusammen, dass Spanien ein bei Deutschen beliebtes Reiseland sei, sagte ZKA- Experte Ralf-Christoph Arnoldt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Kreditkarten gelten eigentlich als sehr sicheres Zahlungsmittel. Bei jeder Zahlung bewerteten die Transaktionssysteme automatisch, ob diese dem normalen Zahlungsverhalten des Kunden entspreche.

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