Wirtschaft
Lebensversicherer mit Einmaleinlagen: An der kurzen Leine

Freitag, 30.07.2010, 16:40 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 30.07.2010, 16:40 Uhr

Münster - Die Finanzaufsicht BaFin klopft den Lebensversicherern kräftig auf die Finger. Nach mehrmonatiger Prüfung hat die Behörde eine Anordnung vorgelegt, die das florierende Geschäft der Versicherungsunternehmen mit Einmalbeiträgen deutlich einschränkt. Für Kunden könnte diese Anlageform damit an Attraktivität verlieren.

Die Lebensversicherer hatten im vergangenen Jahr Milliardenbeträge eingesammelt, die in der Spitze mit drei bis vier Prozent verzinst werden, und damit den Banken und Sparkassen das Geschäft vermiest. Auf dem Papier schließt der Kunde dabei eine Lebensversicherung ab, faktisch sind die Policen mit Einmalbeiträgen jedoch mit Tagesgeldkonten vergleichbar, da die Verträge jederzeit kündbar sind. Kleinanleger hatten daraufhin ihr Erspartes in täglich kündbare Lebensversicherungen gesteckt und das Geld von Tages- und Festgeldkonten abgezogen, die aktuell oft deutlich schlechtere Renditen bringen. Nach einer Erhebung der Frankfurter Finanzberatung FMH liegt die Rendite für Tagesgeldkonten derzeit im Schnitt nur bei etwa 1,10 Prozent. Höhere Zinsen zahlen viele Banken nur, um Neukunden zu locken.

Die Prüfer der Bundesanstalt für Finanzdienstleitungen (BaFin) sehen die Angebote der Versicherer kritisch. Sie fürchten, die hohen Zinsen für die kurzfristigen Anlagen könnten zulasten von Bestandskunden geben, die Lebensversicherungen mit einer Laufzeit von mehreren Jahrzehnten abgeschlossen haben. Grund: Der Zinssatz, den die Konzerne für Einmalgeschäfte zahlen, liegt deutlich über dem Marktwert. Die Altverträge sind zudem meist mit einen höheren Garantiezins abgeschlossen worden, als derzeit am Markt erzielt werden kann.

Über das Geschäft mit Einmalanlagen versuchen die Versicherungen, ihr zuletzt stagnierendes Geschäft mit klassischen Renten- und Lebensversicherungen zu kompensieren. Im Jahr 2009 hatte das Geschäft mit diesen Sparverträgen fast ein Viertel des Branchenumsatzes von gut 85 Milliarden ausgemacht.

Die BaFin zwingt die Konzerne nun, den Kapitalstock ihrer Einmalpolicen vom restlichen Geschäft zu trennen, wenn die Einmalgeschäfte die Schwelle von drei Prozent überschreiten. In einem zweiten Schritt werden die Versicherer gezwungen, die Laufzeit der Verträge vorsorglich zu befristen. Zudem müssen die Unternehmen eine sogenannte Liquiditätskennziffer vorlegen, die einen Zeitraum von drei Monaten abbildet. Damit sollen die Versicherer dokumentieren, ob sie größere Geldabflüsse verkraften können, wenn die Einmalanlagen plötzlich gekündigt werden, weil die Zinsen für Sparkonten wieder steigen. Ähnliche Vorschriften gelten auch für Banken. Die Versicherungen haben bis Mitte August Zeit, um auf den Vorstoß zu reagieren.

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