Thalia verdirbt den Abschied
Internet-Konkurrenz belastet Buchgeschäft: Douglas verlässt Börsenparkett mit 110 Millionen Euro Verlust

düsseldorF -

Es ist ein Abgang ohne Glamour. Wegen der horrenden Kosten für die Sanierung der Buchkette Thalia hinterlässt der Handelskonzern Douglas bei seinem Abschied von der Börse einem Verlust von fast 110 Millionen €. Im Vorjahr hatten die Parfümerien, Appelrath-Modehäuser, Hussel-Confiserien und Christ-Juweliergeschäfte dem westfälischen Unternehmen aus Hagen noch einen Gewinn von 87 Millionen € beschert.

Mittwoch, 23.01.2013, 11:01 Uhr

Die Eigentümerfamilie Kreke hatte unlängst beschlossen, den Handelskonzern mit Hilfe des US-Finanzinvestors Advent nach fast fünf Jahrzehnten von der Börse zu nehmen. Den verbliebenen Minderheitsaktionären streicht Douglas angesichts der Talfahrt die Dividende, die bislang 1,10 € betrug.

Der gesamte Handel befinde sich in einer tiefgreifenden Umbruchphase, betonte Douglas-Chef Henning Kreke bei der letzten Bilanzvorlage in Düsseldorf. 60 Prozent der Deutschen kaufen bereits gelegentlich online ein. „Im Non-Food-Bereich wird jeder zehnte Euro im Internet ausgegeben.“ Bis zum Jahr 2020 werde sich diese Zahl verdoppeln. Innerhalb der Branche macht Kreke einen großen Nachholbedarf aus. „Davon nehme ich Teile der Douglas-Gruppe nicht aus“, erklärte Kreke und räumte ein: „Wir hätten an der einen oder anderen Stelle früher reagieren müssen.“

Bei der „einen oder anderen Stelle“ handelt es sich in erster Linie um die rund 300 Filialen von Deutschlands größter Buchkette Thalia . Kreke hatte im vergangenen Jahr erstmals umfassende Probleme im Buchhandel eingeräumt, da die Kunden ins Internet abwandern. Der Versuch, Platzhirschen wie dem Versender Amazon die Stirn zu bieten, ist bislang schiefgegangen. Zwar macht Thalia 15 Prozent seines Umsatzes im Onlinehandel, die münsterische Thalia-Tochter buch.de schreibt jedoch ebenfalls Verluste. Douglas setzt nun auf eine stärkere Verknüpfung von Ladengeschäften und Onlinehandel. Im Zuge der Sanierung, die bislang rund 130 Millionen € gekostet hat, werden außerdem 15 Thalia-Häuser geschlossen.

Ernüchternd war für den Konzern auch das Weihnachtsgeschäft verlaufen. „Wir waren von einem besseren Geschäft ausgegangen“, sagte Kreke. Erst in der letzten Woche vor Weihnachten seien die Erwartungen erfüllt worden. Grund sei wohl die Sorge der Kunden, räumte Kreke ein. „Bei einer Online-Bestellung ist unklar, ob sie noch rechtzeitig ankommt.“ Während der Gewinn 2012 wegbrach, stieg der Umsatz um 1,7 Prozent auf 3,44 Milliarden €. Besonders gut liefen die Schmuck- und Parfümläden.

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