Buchautor Erik Albrecht ist der Generation Y auf der Spur
„Nichts ist mehr sicher, aber alles geht weiter“

Wie finde ich meinen Goldfisch? – was tun, wenn Nachwuchskräfte rar werden?“ Diesen Fragen gingen Vertreter von Unternehmen bei einem „Business Talk“ der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster nach. Unser Redaktionsmitglied Wolfgang Kleideiter traf dort den Referenten Erik Albrecht.

Montag, 31.08.2015, 14:08 Uhr

Erik Albrecht ist Jugendforscher.
Erik Albrecht ist Jugendforscher. Foto: Jürgen Peperhowe

Stellen Sie sich vor, Sie wären für ein Unternehmen verantwortlich. Welche Regeln würden gelten?

Erik Albrecht: (lacht) Davon bin ich etwas weit entfernt, aber ich versuch’s. Auf jeden Fall sollte es Teamarbeit geben, bei der man freundschaftlich miteinander umgeht. Gerade junge Mitarbeiter sollten über die Projekte hinaus die Möglichkeit bekommen, sich weiterzubilden, zu qualifizieren und auch an sich selbst zu arbeiten. Die Hierarchien sollten möglichst flach sein. Die Chefs würden ihren Mitarbeitern zeigen, dass sie ihre Arbeit sehen und würdigen.

Das alles beinhaltet Dialog und Austausch. Warum würden Sie mit so einem Regelwerk arbeiten wollen?

Albrecht: Weil genau dies die Generation Y prägt. Ob in der Familie, in der Schule oder im Studium – der Dialog ist für sie sehr wichtig. In der Familie haben sie statt eines autoritären Führungsstils den partnerschaftlichen Umgang miteinander erlebt. In der Schule spielt für sie der Frontalunterricht deutlich weniger eine Rolle als für frühere Generationen. Und ihre Erfahrungen in sozialen Netzwerken bestehen im Wesentlichen aus Kommunikation. Diese gibt jungen Leuten auch das Gefühl, dass sie an diesem Ort richtig sind.

Es gibt viele Berufe, in denen klare Strukturen vorhanden sind. Denken Sie an die Berufsfeuerwehr. Kann sie bei jungen Menschen punkten?

Albrecht : Die Feuerwehr hat den großen Vorteil, dass die Generation Y nach einem Sinn in der Arbeit sucht. Dies kann die Feuerwehr zweifellos bieten. Sie hat darüber hinaus eher das Problem, dass sie auch mit Übermotivierten zu tun hat.

Von Ihnen stammt der Satz „Nichts ist mehr sicher, aber alles geht weiter“.

Albrecht : Ja, es ist Teil der Grundeinstellung dieser Generation, die vom 11. September bis zur Euro- und Finanzkrise viele Krisen erlebt hat. Bei der Finanzkrise herrschte auch in Deutschland zeitweise eine Untergangsstimmung. Heute reden wir über Beschäftigungsrekorde und die Nachfrage nach Fachkräften. Es geht also weiter. Das sorgt bei allen Veränderungen für eine eher optimistische Einstellung. Überraschen darf uns dies nicht. Jugendliche reagieren intensiv auf die Einflüsse ihrer Umwelt. Sie helfen ihnen dabei, einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Was ist denn das Revolutionäre an der Generation Y?

Albrecht : Das oberflächliche Bild dieser Generation – stromlinienförmig, harmoniesüchtig, karriereorientiert – stimmt nicht. Sie geht zwar nicht auf die Barrikaden, macht aber schon deutlich, wie sie leben will. Arbeitgeber müssen sich damit arrangieren. Sie beeinflussen eher auf eine heimliche Art Veränderungen in den Unternehmen.

Sehen Sie eine Bereitschaft, diesen Kulturwandel mitzumachen?

Albrecht: Ich merke jedenfalls, dass es ein Thema in der Wirtschaft ist. Plötzlich wird man um Lesungen aus dem Buch und um Vorträge gebeten. Das hat mich schon überrascht. Aber es scheint so, dass diese Generation auch Firmen zum Teil vor vollendete Tatsachen stellt.

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