Erster deutscher Offshore-Windpark
Große Welle beim Wind vom Meer

Norddeich -

Borkum Riffgrund 1 ist am Freitag als erster deutscher Offshore-Windpark der dänischen Dong Energy eröffnet worden. Die Offshore-Branche erlebt 2015 eine Welle von Windfarm-Eröffnungen.

Freitag, 09.10.2015, 21:10 Uhr

Der Windpark Borkum Riffgrund 1 wurde am Freitag offiziell eröffnet.
Der Windpark Borkum Riffgrund 1 wurde am Freitag offiziell eröffnet. Foto: dpa

 Backstein-Häuser huschen unter dem Flugzeug hinweg. Wiesen, dann der Deich. Pfützen, nasser Sand – das Watt. Sandbänke, offene See. Die Küste ist nicht mehr zu sehen, dafür tief unten ein Containerschiff. Pilot Okko Dannecker legt die Britton Norman Islander leicht auf die Seite. Da kommen sie in den Blick: Windräder – 78 Stück, ordentlich aufgereiht.

Das rot-orange Wartungsschiff wirkt winzig zwischen den 78 Windkraftanlagen. 14 Minuten dauert der Flug vom Deich hierher. Riffgrund zeigt, was „ Offshore “ heißt: 54 Kilometer vor der Küste, 37 Kilometer nördlich von Borkum . Weit draußen auf dem Meer. Der Weg ist weit, die Arbeit hier schwierig, gefährlich und teuer.

Noch nie sind in Deutschland so viele Offshore-Anlagen in Betrieb gegangen wie 2015. Im Laufe des Jahres wird sich die Offshore-Kraftwerksleistung fast verdreifachen auf 3000 Megawatt – das entspricht zwei großen Kernkraftwerken. Bis 2020 sollen Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 6500 Megawatt im Meer installiert sein, das ist das Ziel der Bundesregierung . Es ist erreichbar: Nicht nur Dong, auch die Mitbewerber haben einiges „in der Pipeline“.

Strom vom Meer fließt recht beständig, weil es dort fast immer weht, aber er ist teuer. Bis zu 19,4 Cent kassieren die Betreiber je Kilowattstunde (garantiert auf acht Jahre). Im Gegenzug müssen sie riesige Investitionen schultern: 1,2 Milliarden €  im Fall von Riffgrund 1.

Die Kosten sollen runter. 40 Prozent Kostenersparnis gibt Dong als Sparziel für die nächsten Jahre aus. Mit dem Kohlestrom könne Offshore-Strom zwar nicht konkurrieren, aber mit Gas auf lange Sicht schon, verspricht Samuel Leupold, Chef von Dong Energy Wind Power.

Über die Ökostrom-Umlage schlagen sich auch die Offshore-Kosten auf der Stromrechnung der Verbraucher nieder. Die Bundesregierung will daher die Förderung umstellen: Ab 2020 sollen Ausschreibungen zu mehr Wettbewerb führen. „Wir unterstützen das im Grundsatz“, heißt es bei Dong. Nötig seien aber Planungssicherheit und ein ausreichendes Volumen. Denn: Ersparnis sei nur durch Fortschritt erreichbar, durch industrielle Fertigung und durch die Konkurrenz verschiedener Anbieter. Und das alles setze ein gewisses Ausbau-Volumen voraus. Daher sieht mancher in der Branche stirnrunzelnd auf die geplanten Ausbauziele. Sie entsprächen laut Stiftung Windenergie nach 2020 nur zwei Windparks im Jahr.

Dabei sichere die Branche 19 000 Arbeitsplätze im Land – nicht nur an der Küste: Der Stahl für Riffgrund wurde im Saarland bearbeitet – weit weg vom Meer.

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