Zigaretten-Schockbilder belasten sensible Kinder
Wenn der Schreck zur Belastung wird

Münster -

Das ist schon sehr gruselig, was da auf allen seit dem 20. Mai produzierten Zigarettenpackungen zu sehen ist – soll es ja auch sein. Doch was Erwachsene und Jugendliche erschrecken soll, kann auch Kinder belasten.

Montag, 08.08.2016, 18:08 Uhr

Die von der Bundesregierung umgesetzte EU-Richtlinie sieht vor, dass mindestens 65 Prozent der Vorder- und Rückseite einer Zigarettenpackung mit einer Kombination aus Schockbildern und Warnhinweisen bedeckt sind. Grund: Den Rauchern soll die Lust auf ihre Droge verleidet werden. Doch was Erwachsene und Jugendliche erschrecken soll, kann auch Kinder belasten: Immer dann, wenn sie im Supermarkt oder an der Tankstelle die Horrorpackungen mit durch Krebs entstellten Mundhöhlen und zerstörten Lungen sehen.

„Ja solche Bilder können sensiblen Kindern durchaus ein Leben lang im Gedächtnis bleiben“, weiß Cordula Lassner-Tietze . Die stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes in Berlin , erklärte am Montag jedoch gegenüber unserer Zeitung, dass es sich eher um Einzelfälle handelt.

„Ganz kleine Kinder nehmen die Packungen meist nicht wahr, weil sie sich an der Supermarktkasse eher für bunte Angebote wie Überraschungseier interessieren“, so Lassner-Tietze. Viele ältere Kinder seien außerdem „so cool“, dass sie sich nicht abschrecken ließen. „Vor allem die ohnehin Ängstlichen und Sensiblen sind betroffen.“

Im Einzelhandel sind allerdings die Zigarettenpackungen ohnehin oft gut versteckt – in Automaten oder hinter Rollgittern. „Und im Tabak-Fachhandel und an Tankstellen verdecken die Händler den Großteil der abschreckenden Bilder meist mit Aufstecksystemen“, berichtete Willy Fischl, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Tabakwaren-Einzelhandels in Köln.

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