Personalmangel bremst Boom
Das lange Warten auf den Handwerker

Münster -

Freud für den einen, Leid für den anderen: Der Boom im münsterländischen Handwerk verlangt von den Verbrauchern mehr Geduld. Für ihren Bezirk (Münsterland und Emscher-Lippe-Region) ermittelte die Handwerkskammer Münster eine durchschnittliche Wartezeit von 7,4 Wochen. Grund ist die glänzende Auftragslage.

Freitag, 12.05.2017, 16:05 Uhr

In vielen Handwerksberufen werden Lehrlinge und Facharbeiter händeringend gesucht.
In vielen Handwerksberufen werden Lehrlinge und Facharbeiter händeringend gesucht. Foto: colourbox.de

Für die aktuelle Situation der Branche griff der Präsident der Handwerkskammer , Hans Hund , am Freitag in Münster zu Superlativen: „Beste Geschäftslage seit Beginn unserer Aufzeichnungen in den achtziger Jahren“, „Spitzenwert beim Geschäftslageindikator von 93 Prozent“, „Rekord-Auftragslage“ und „Wachstumstrend hält seit sieben Jahren an“ lauteten Hunds euphorische Bewertungen der Lage. Doch damit nicht genug: „Die Laune bleibt super“, berichtete Hund aus der Konjunkturumfrage seiner Kammer. 32 Prozent der Betriebe erwarten bis zum Herbst eine weitere Verbesserung der Handwerkskonjunktur, nur sechs Prozent eine schlechtere.

Beste Stimmung auf dem Bau

Die beste Stimmung herrscht auf dem Bau. Das Ausbau- und das Baugewerbe liefern derzeit laut Hund die höchsten Zufriedenheitswerte.

Die beiden Teile des Kammerbezirks entwickeln sich nach wie vor unterschiedlich. Im Münsterland bewerten über 56 Prozent der Unternehmen die Lage positiv, während es in der Emscher-Lippe-Region lediglich 36 Prozent sind. Aber auch innerhalb des Münsterlandes gibt es große Differenzen: Während im Kreis Coesfeld knapp 69 Prozent der befragten Betriebe positive Voten zur aktuellen Geschäftslage abgeben, sind es im Kreis Steinfurt nur 52,7 Prozent. Dazwischen liegen die Kreise Borken und Warendorf mit jeweils 54,5 und die Stadt Münster mit 54 Prozent. Für die Zukunft gibt es im Handwerk vor allem eine Wachstumsbremse: den Fachkräftemangel.

Meisterbrief: Handwerkskammer fürchtet „großes Unheil“

Sorgen macht der Handwerkskammer auch der wachsende Widerstand der Europäischen Union (EU) gegen den deutschen Meisterbrief. In ihrem Dienstleistungspaket wolle die EU-Kommission Berufsreglementierungen abbauen. Hund: „In diesem Zusammenhang betrachtet die Kommission die Meisterprüfung als Zulassungsvor­aussetzung für eine Selbstständigkeit als nicht sachgerecht.“ Er befürchte deshalb „großes Unheil“, mahnte der Kammerpräsident.

An der geringen Jugendarbeitslosigkeit könne man jedoch erkennen, dass das deutsche System mit Meisterbriefen und dualer Berufsausbildung erfolgreich sei, betonte Knut Heine . Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer fürchtet wegen der Meisterfreiheit in vielen Handwerkssparten negative Auswirkungen auf den Verbraucherschutz.

Die Zahl der Streitereien zwischen Betrieben in zulassungsfreien Handwerksberufen und ihren Kunden habe seit 2004 – dem Jahr der Reform der Handwerksordnung – zugenommen. Die Zahl der Anfragen bei Sachverständigen sei seitdem in den zulassungsfreien Berufen von 114 auf 211 gewachsen – ein Anstieg um 85 Prozent, berichtete Heine.

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