2. Deutsch-Niederländische Wirtschaftsforum
„Chaotischer Brexit in Sicht“

Münster -

Die Wahlschlappe Theresa Mays bei der Parlamentswahl in Großbritannien erleichtert die Brexit-Verhandlungen nicht. Davon ist Rem Korteweg überzeugt. „Es ist gefährlich anzunehmen, dass das schlechte Wahlergebnis der Tories zu einem weichen Brexit führt“, erklärte der Leiter der Abteilung „Europe in the World“ des renommierten Clingendael-Instituts (Den Haag) am Mittwoch beim 2. Deutsch-Niederländischen Wirtschaftsforum in Münster. Korteweg zeigte sich pessimistisch: Da es für die am Montag dieser Woche gestarteten Brexit-Gespräche noch keinerlei Vorschläge der Briten gebe, sei „ein chaotischer Brexit in Sicht“.

Donnerstag, 22.06.2017, 11:06 Uhr

In der Bibliothek des Hauses der Niederlande in Münster fand am Mittwoch das 2. Deutsch-Niederländische Wirtschaftsforum statt.
In der Bibliothek des Hauses der Niederlande in Münster fand am Mittwoch das 2. Deutsch-Niederländische Wirtschaftsforum statt. Foto: Gunnar A. Pier

Vor allzu geringer Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten warnte indes der Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien an der Universität Münster , Friso Wielenga. „Niemand kann ein Interesse daran haben, wenn wir am Ende auf knallende Türen blicken.“

Sorgen machte am Mittwoch mehreren Referenten das enge Zeitkorsett der Brexit-Verhandlungen. Bis zum 30. März 2019 soll ein Ergebnis stehen. „Dass das gelingt, ist eher unwahrscheinlich“, betonte Kees van Paridon, Gastprofessor an der Uni Münster. Die Regierung der Niederlande habe sich zu Recht für eine längere Frist von drei Jahren ausgesprochen.

Von links: Prof. Dr. Paul Welfens, Günter Gülker, Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Quante, Drs. Monika Sie Dhian Ho, Prof. Dr. Kees van Paridon, Prof. Dr. Friso Wielenga und Dr. Rem Korteweg.

Von links: Prof. Dr. Paul Welfens, Günter Gülker, Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Quante, Drs. Monika Sie Dhian Ho, Prof. Dr. Kees van Paridon, Prof. Dr. Friso Wielenga und Dr. Rem Korteweg. Foto: Gunnar A. Pier

Und welche wirtschaftlichen Folgen drohen den Niederlanden und Deutschen durch den Brexit? Monika Sie Dhian Ho, Direktorin des Clingendael-Instituts, erwartet für die Niederlande Einbußen von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). „Gemeinsam mit den Iren und den Dänen zahlen die Niederländer den höchsten Preis aller EU-Staaten für den Brexit“, so die Politikwissenschaftlerin. Die Handelsbeziehungen zu Großbritannien trügen in den Niederlanden zehn, in Deutschland hingegen nur 3,5 Prozent zum BIP bei, sagte Günter Gülker , Geschäftsführer der Deutsch-Niederländischen Handelskammer. Erste Auswirkungen sind schon jetzt spürbar: Gülker bezifferte den Rückgang der deutschen Exporte nach Großbritannien für das vergangene Jahr auf 3,5 Prozent.

Prof. Dr. Friso Wielenga

Prof. Dr. Friso Wielenga Foto: Gunnar A. Pier

Die höchste Priorität legen die deutschen Unternehmen mit Blick auf die Brexit-Gespräche auf den freien Warenverkehr und geringe Bürokratie, zitierte Gülker aus einer Untersuchung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Wichtig sei in jedem Fall, praktikable Übergangslösungen zu finden.

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