Fragen und Antworten
Rückrufe mit Tücken für den Verbraucher: Auf Dieselfahrer warten Unannehmlichkeiten

Die Dieselmanipulationen der Autohersteller treffen allein in Deutschland viele Millionen Autofahrer. Noch ist vor dem Diesel-Gipfel in Berlin unklar, in welcher Form die Hersteller ihre technischen Tricks korrigieren. 

Dienstag, 01.08.2017, 20:00 Uhr aktualisiert: 01.08.2017, 21:04 Uhr
Nicht nur in Stuttgart sind die Stickoxide, die aus den Auspuffrohren der Dieselautos kommen, ein wachsendes Problem.
Nicht nur in Stuttgart sind die Stickoxide, die aus den Auspuffrohren der Dieselautos kommen, ein wachsendes Problem. Foto: imago

Vermutlich werden zunächst nur Software-Updates erzwungen. Oder muss auch Hardware erneuert werden? Wer trägt die Kosten? In jedem Fall sollten die Besitzer fast aller Pkw-Marken mit Diesel-Antrieb sich genau informieren. Hier Fragen und Antworten zu diesem Thema:

Wichtig ist in der Diesel-Diskussion, in welcher Euro-Norm das Fahrzeug eingestuft ist. Wo findet man diese Norm?

Im Fahrzeugschein unter Ziffer 14 ist die Norm (Euro 3 bis Euro 6) eingetragen.

Die Autofirmen werden vermutlich zur Umrüstung aller Diesel-Fahrzeuge gezwungen. Wann beginnen diese?  

Genaue Termine gibt es bei den meisten Herstellern noch nicht. Lediglich VW hat schon begonnen, Dieselfahrzeuge nachzurüsten. Weil Fahrverbote in den Innenstädten vermieden werden sollen, stehen die Hersteller aber unter Zeitdruck. Zu erwarten ist deshalb, dass alle betroffenen Kunden noch im Laufe dieses Jahres einen Brief mit einer Rückruf-Anordnung zugeschickt bekommen. Hersteller und Kraftfahrt-Bundesamt formulieren dieses Schreiben gemeinsam.

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Was ist zu tun, wenn ein Rückrufschreiben eintrifft?

Grundsätzlich ist es ratsam in diesem Fall Kontakt zu einer Werkstatt des Herstellers aufzunehmen. Allerdings gibt es zwei Arten von Rückrufaktionen: einen behördlich angeordneten und einen freiwilligen Rückruf. Mercedes, Audi und BMW betrachten ihre Maßnahmen bislang als freiwilligen Service. Bei einem vom Kraftfahrt-Bundesamt angeordneten Rückruf hat ein Ignorieren Folgen: Zunächst kommt nach einiger Zeit ein Erinnerungsschrieben. Dann sollte der Autobesitzer handeln, denn letztlich kann das Fahrzeug sogar stillgelegt werden. Die Adresse des jeweiligen Fahrzeugbesitzers erhalten die Autobauer vom Kraftfahrt-Bundesamt.

Infografik: Wen trifft es wie schwer, sollte dem Diesel die Luft ausgehen? | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Um welche Summen geht es bei den diskutierten Nachrüst-Aktionen?

Ein Software-Update in der Werkstatt kostet nach Branchenangaben 50 bis wenige hundert Euro. Solche Summen haben mehrere Hersteller in Folge des Dieselskandals bei VW bereits ausgegeben. Wesentlich teurer ist eine Nachrüstung der Hardware, also technische Nachbesserungen wie etwa der Einbau eines größeren Tanks mit Harnstoffsäure, die das Stickoxid in den Dieselabgasen zu Wasser und Stickstoff umwandelt. Hier geht es um 1500 Euro oder auch noch deutlich mehr pro Fahrzeug. Medienberichten zufolge will die Autoindustrie beim Gipfel zudem eine Art Mobilitätsfonds für saubere Innenstädte anbieten. Staat und Wirtschaft sollen gemeinsam einzahlen – die Rede ist von einem dreistelligen Millionenbetrag. Davon sollen Studien für Verkehrsleitsysteme und umweltfreundlichere Antriebe für Busse und Müllautos finanziert werden. Vom Tisch sind bisher noch nicht Forderungen an die Autofahrer: Auch wenn Bundesumweltministerin Barbara Hendricks auf eine hundertprozentige Kostenübernahme durch die Autohersteller pocht, könnten auf den Dieselfahrer die Übernahme von Teilkosten zukommen.

Welche Auswirkungen hat eine Nachrüstung auf das Auto?

Vor allem drei Folgen sind zu befürchten:– der Kraftstoffverbrauch steigt– bei Fahrzeugen mit der AdBlue-Technik wächst der AdBlue-Verbrauch– manche Fahrzeugteile verschleißen schneller Wichtig ist deshalb, bei Umrüstungen immer auf eine umfangreiche Garantie des Herstellers zu bestehen.

Welche weiteren Folgen hat der Skandal für die Dieselfahrer? 

Politiker erwägen, den Steuervorteil für Dieselkraftstoff zu verringern. Auf alle Diesel-Fahrer kämen damit hohe Kosten zu, unabhängig davon, ob sie ein manipuliertes Auto fahren oder nicht.

Stickoxide

Stickstoffoxide oder kürzer Stickoxide sind Gase, die unter anderem die Atemwege und Augen reizen können. Die aus Stickstoff- und Sauerstoffatomen bestehenden Umweltgifte entstehen bei vielen Verbrennungsvorgängen. Vor allem Stickstoffdioxid (NO) ist gefährlich. Laut Umweltbundesamt ist es für Asthmatiker ein Problem, weil es dazu beiträgt, dass sich die Bronchien verengen. Es schädigt auch die Schleimhäute. Ist ein Mensch länger NOausgesetzt, kann dies laut Bundesgesundheitsministerium die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu chronischen Herz-Kreislauferkrankungen führen. In Städten sind Diesel-Fahrzeuge eine Hauptquelle von Stickoxiden. Die Gase können auch Pflanzen vorzeitig altern lassen oder deren Wachstum hemmen und tragen zur Bildung von Feinstaub und Ozon bei.

Außerdem sind sie klimawirksam und verstärken die Erderwärmung. Insbesondere Lachgas (NO) ist ein Treibhausgas, dessen Treibhauswirksamkeit bei einem Zeithorizont von 100 Jahren 298-mal so groß ist wie die von Kohlendioxid (CO). Die Lebensdauer von Stickoxiden beträgt in Bodennähe etwa einen Tag. In einigen Kilometern Höhe dauert der Abbau bereits mehrere Wochen.

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