Wertvolle Landrechte
Ryanair ärgert Lufthansa mit Laudamotion-Kauf

Monatelang war um die Reste der insolventen Fluglinie Niki gerungen worden. Erst war die Lufthansa als Gewinnerin aus dem Bieterrennen hervorgegangen, dann schlug Airline-Gründer Niki Lauda zu. Doch das war noch immer nicht der Schlusspunkt.

Dienstag, 20.03.2018, 16:03 Uhr

Laudamotion-Besitzer Niki Lauda (r) und Julian Jäger, Vorstand Flughafen Wien AG, nach einem Testflug nach Düsseldorf.
Laudamotion-Besitzer Niki Lauda (r) und Julian Jäger, Vorstand Flughafen Wien AG, nach einem Testflug nach Düsseldorf. Foto: Helmut Fohringer

Dublin/Düsseldorf (dpa) - Der Billigflieger Ryanair wischt mit dem Formel-1-Weltmeister Niki Lauda der Lufthansa eins aus.

Die Iren sollen die Mehrheit an Laudas neuem Billigflieger Laudamotion übernehmen - und damit Zugriff auf wertvolle Start- und Landerechte an begehrten deutschen Flughäfen bekommen.

Das dürfte die Lufthansa mächtig ärgern. Denn Laudamotion - die Nachfolge-Airline der früheren Air-Berlin-Tochter Niki - droht in Düsseldorf stark zu werden, wo sich schon die Lufthansa-Billigtochter Eurowings eingerichtet hat. Dabei hofft Lufthansa-Chef Carsten Spohr selbst weiter auf eine Kooperation mit Lauda.

Doch jetzt könnte dem Kranich-Konzern ein schärferer Preiskampf drohen als gedacht. «Ich stehe für Wettbewerb und jeder weiß, dass ich Monopolen kritisch gegenüberstehe», sagte Lauda.

Der Luftfahrtunternehmer lud am Dienstag nach Düsseldorf, um die jüngste Wende im Ringen um die Reste der pleite gegangenen Air Berlin zu verkünden. «Ich bin nicht hierhergekommen, um abzutreten, sondern um richtig anzufangen», sagte er. Der 69-Jährige soll Laudamotion auch künftig führen.

Lauda hatte Niki einst selbst gegründet. Im Zuge der Air-Berlin-Pleite kaufte der ehemalige Rennfahrer die Airline Anfang 2018 für knapp 50 Millionen Euro zurück - nachdem die Übernahme durch den deutschen Marktführer Lufthansa am Widerstand der EU gescheitert war. Das Geld floss vor allem für die begehrten Start- und Landerechte. Die Niki-Flugzeuge waren alle geleast.

Geht es nach Ryanair-Chef Michael O'Leary, rollen die Iren den Luftfahrtmarkt in Deutschland und Österreich weiter auf. Laudamotion soll zu einem neuen Billigflieger werden - und sowohl im Linienverkehr als auch für Reiseveranstalter unterwegs sein, wie er sagte. Und mit Hilfe von Ryanair könne die Gesellschaft auf einem Markt, der von der Lufthansa-Gruppe dominiert wird, stärker wachsen. Die Iren kaufen zunächst knapp ein Viertel von Laudamotion und wollen so schnell wie möglich mit rund 75 Prozent die Mehrheit übernehmen - wenn die EU-Kommission zustimmt.

Der gesamte Kaufpreis liegt den Iren zufolge bei weniger als 50 Millionen Euro, die gleiche Summe schießen sie für Geschäftsaufbau und Betriebskosten zu. Helfen will Ryanair auch beim Ausbau der Laudamotion-Flotte von 14 auf rund 20 Flugzeuge in diesem Sommer. Binnen zwei Jahren soll sie auf 30 Maschinen aus der Airbus-A320-Reihe wachsen, wie Lauda versichert. Ryanair betreibt hingegen eine reine Boeing-Flotte mit mehr als 400 Maschinen.

Noch am Freitag hatte Lauda Gerüchte über einen Ryanair-Einstieg dementiert. «Ich weiß davon null - und kann deshalb auch nichts weiter darüber sagen», hatte er in Wien gesagt.

Nun wehrte er sich gegen den Eindruck, er habe nur als Strohmann für Ryanair agiert, nachdem die Iren beim Ringen um die Air-Berlin-Reste nicht zum Zuge gekommen waren. «Ich bin da gesessen bis um halb fünf in der Früh und habe fünfzig Millionen hingeblattelt, damit ich den Niki da herausrette», sagte er. Dann habe er sich umgeschaut und auch mit dem britischen Billigflieger Easyjet gesprochen. Aber mit Ryanair sei er am besten zum Ziel gekommen.

Noch sind Laudas Flieger nicht in der Luft. Der Flugbetrieb soll in Kürze starten - dank einer Vertriebskooperation mit dem Reisekonzern Thomas Cook (Neckermann Reisen) und dessen Ferienflieger Condor. Gefeilt wird auch noch an einer Kooperation mit dem Lufthansa-Ableger Eurowings.

Lufthansa-Chef Spohr hoffte zuletzt, dass acht bis zehn Laudamotion-Jets mit eigener Besatzung für Eurowings an den Start gehen könnten. Wettbewerbshütern könnte dies aber ein Dorn im Auge sein, weil die Lufthansa so faktisch doch Teile des früheren Niki-Geschäfts bekäme. O'Leary hatte es 2017 mehrfach als «abgekartetes Spiel» bezeichnet, dass der Löwenanteil von Air Berlin bei der Lufthansa landen sollte.

Kritik an Ryanair wie an Lauda kommt von Arbeitnehmervertretern. Lauda hatte Techniker, Piloten und Flugbegleiter bei Niki jahrelang über eine Personalleasing-Firma beschäftigt. Ryanair beschäftigt viele Besatzungsmitglieder über externe Personaldienstleister - und wehrte sich bis vor kurzem komplett gegen den Einfluss von Gewerkschaften. Nach Streikdrohungen gibt es inzwischen doch Gespräche mit Piloten-Vereinigungen - und auch Laudamotion verhandelt mit den Mitarbeitern über einen Tarifvertrag. Lauda selbst zeigte sich zuletzt überzeugt, bald zu einem positiven Abschluss zu kommen.

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