Vorsicht vor Online-Abzocke
Dienstleister wollen bei Nachsendeauftrag abkassieren

Münster -

Früher war es ganz einfach: Wer umzieht und sichergehen will, dass Briefe, Postkarten und Pakete trotzdem ankommen, stellt einen Nachsendeauftrag – und zwar auf einem Papierformular am Schalter der Deutschen Post. 

Freitag, 06.07.2018, 19:11 Uhr

Beim Umzug ohne Nachsendeauftrag kann sich die Post schnell stapeln. Wer den Auftrag dafür online erteilen will, sollte jedoch darauf achtgeben, welchen Anbieter er mit der Nachsendung beauftragt.
Beim Umzug ohne Nachsendeauftrag kann sich die Post schnell stapeln. Wer den Auftrag dafür online erteilen will, sollte jedoch darauf achtgeben, welchen Anbieter er mit der Nachsendung beauftragt. Foto: imago

Inzwischen kann die Nachsendung auch bequem online beauftragt werden, allerdings tummeln sich bundesweit über 500 Zustelldienste. Ein einzelner Nachsendeauftrag reicht da im Zweifelsfall nicht mehr aus, denn vor allem Behörden und Gewerbetreibende nutzen verstärkt lokale Briefdienste.

Die Stiftung Warentest warnt deshalb vor zweifelhaften Alternativ-Anbietern, die vorgeben, die entstandene Lücke bei der Briefnachsendung schließen zu können. „Das ist der Nachteil, den die Liberalisierung des Briefmarktes mit sich gebracht hat“, sagt eine Sprecherin der Verbraucherzentrale NRW.

Wenig Transparenz bei Anbietern

Wer bei Google das Wort „Nachsendeauftrag“ ins Suchfeld eintippt, findet zuoberst das Berliner Unternehmen „nachsenden.info“, das zwar mit dem Bild eines gelben Briefkastens wirbt, wie er in Deutschland allerorten zu finden ist – ansonsten aber herzlich wenig mit der Deutschen Post zu tun hat. „Nachsenden.info“ berechnet für den Nachsendeauftrag mit sechsmonatiger Laufzeit 75,96 €, das Original der Deutschen Post kostet bei gleicher Dauer lediglich 19,90 €. Selbst für zwölf Monate verlangt der ehemalige Staatskonzern nur 26,90 €.

Immerhin verspricht „nachsenden.info“ dem potenziellen Kunden: „Sie verpassen keine Post mehr, denn Behörden und Firmen senden gerne mit regionalen Zustellern.“ Das ist grundsätzlich richtig – aber nur die halbe Wahrheit. Denn zum einen würde „nachsenden.info“ nach eigenen Angaben maximal drei Zustelldienste beauftragen.

Zum anderen arbeiten längst nicht alle bei der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation gemeldeten Briefdienste mit dem Drittanbieter aus Berlin zusammen. Viele größere Brieffirmen wie Postcon – eine Tochter der niederländischen PostNL – bieten obendrein „aus organisatorischen Gründen“ gar keine Nachsendung an. Andere Unternehmen wie etwa die Citipost aus Hannover bieten den Service kostenfrei an.

55 Euro Aufpreis – für nichts

Noch weniger Transparenz vermittelt der Kölner Anbieter „nachsendeauftrag.net“, der für einen Umzug von Münster nach Berlin 61,90 € in Rechnung stellt und damit zwar günstiger ist als der Mitbewerber aus Berlin – allerdings erfährt der Kunde auch erst auf der letzten Seite nach Eingabe aller Daten den genauen Preis.

Zum Thema

Die echte Post erreicht man im Netz unter:

Nachsendeauftrag
Shop der Deutschen Post
Umziehen.de

...

Das Versprechen, mehrere Anbieter mit der Nachsendung zu beauftragen, läuft auch hier ins Leere. Beim angefragten Umzug von Münster nach Berlin würde der Auftrag ebenfalls nur an die Deutsche Post weitergeleitet werden, wie dem Kleingedruckten kurz vor Vertragsabschluss zu entnehmen ist. Verglichen mit dem Nachsendeauftrag der Deutschen Post zahlt der Kunde bei „nachsendeauftrag.net“ folglich über 40 €  drauf, ohne einen Mehrwert zu bekommen. Bei „nachsenden.info“ wären es 55 €  gewesen.

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