"Dreisteste Werbelüge des Jahres"
Der Gewinner des "Goldenen Windbeutels 2018" steht fest

Berlin -

And the winner is: Coca-Cola. Der Getränkekonzern erhält den Negativpreis Goldener Windbeutel. Fast zwei Drittel der rund 70.000 Teilnehmer wählten bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation foodwatch das "Glacéau Smartwater" zur "dreistesten Werbelüge" des Jahres.

Dienstag, 04.12.2018, 09:32 Uhr aktualisiert: 04.12.2018, 15:13 Uhr
Der "Goldene Windbeutel" wird seit acht Jahren von der Verbraucherorganisation foodwatch verliehen.
Coca-Cola hat den Schmähpreis "Goldener Windbeutel" erhalten, der seit acht Jahren von der Verbraucherorganisation foodwatch verliehen wird. Foto: dpa

Das Problem: Anders als von Coca-Cola suggeriert, ist das "Smartwater" nicht besser als herkömmliches Mineralwasser - kostet aber bis zu siebenmal mehr. Die Begründung: Coca-Cola verweist auf ein angeblich "von Wolken inspiriertes" Herstellungsverfahren.  

Coca-Cola bewirbt sein Produkt "Glacéau Smartwater" als "dampfdestilliertes natürliches Mineralwasser für einen klaren, frischen Geschmack". Wie der Getränkekonzern erklärt, werde dabei Wasser erst verdampft und dann wieder aufgefangen. Die dabei verlorenen Mineralsalze würden anschließend in einem aufwändigen Verfahren wieder zugeführt. "Von Wolken inspiriert", schreibt der Hersteller dazu.

"Verbraucherabzocke auf höchstem Niveau"

"Dieser Vorgang sei sehr teuer und zudem unnütz", so foodwatch , denn im Handel koste der Liter 1,65 Euro. Hochgerechnet ist das siebenmal teurer als herkömmliche Mineralwasser. 

Der Goldene Windbeutel 2018

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  • Welches Produkt aus dem Supermarkt ist die dreisteste Werbelüge des Jahres? Darüber können Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Online-Wahl zum „Goldenen Windbeutel“ abstimmen. foodwatch hat fünf Produkte nominiert: das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, das „Bratöl Olive“ der Bio-Marke Dennree, den Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, den „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und den „Corny Milch“-Riegel von Hersteller Schwartau.

    Foto: Foodwatch
  • Kandidat Nr. 1: das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola. Hinter dem „Dampf-destillierten“ Wasser steckt ein simpler Trick: Das Wasser wird verdampft und dann wieder aufgefangen, verloren gegangene Mineralstoffe werden künstlich wieder hinzugefügt – ernährungsphysiologisch völlig unnütz und eine teure Abzocke: Mit 1,65 Euro pro Liter ist das „Smartwater“ bis zu sieben Mal teurer als herkömmliches Mineralwasser.

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  • Kandidat Nr. 2: das „Bratöl Olive“ von Dennree. Der Bio-Hersteller wirbt mit „reinem Genuss“. Dabei besteht das vermeintliche Olivenöl zur Hälfte aus weniger hochwertigem Sonnenblumenöl. Verbraucherin Nadine Z. kritisiert auf der foodwatch-Plattform Schummelmelder.de: „Der Name Bratöl Olive suggeriert einem, dass es sich ausschließlich um Olivenöl handelt. Leider enthält es aber nur 51% Olivenöl.“

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  • Kandidat Nr. 3: Der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut & Günstig“ kommt naturbelassen daher – auf der Vorderseite der grünen Dose verspricht Edeka werbewirksam „Garantiert ohne: geschmacksverstärkende Zusatzstoffe und Farbstoffe“. Was erst die Zutatenliste im Kleingedruckten auf der Rückseite offenbart: Trotzdem sind ganze zehn Zusatzstoffe enthalten.

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  • Kandidat Nr. 4: Mit dem „Kids Tomato Ketchup“ speziell für Kinder zockt Hersteller Heinz Eltern ab. Die Kids-Variante kostet bis zu 40 Prozent mehr als das Pendant für Erwachsene, obwohl der Ketchup exakt der gleiche ist. Hinzu kommt: Nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten gezuckerte Ketchups gar nicht an Kinder beworben werden.

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  • Kandidat Nr. 5: „Corny Milch“ bewirbt Hersteller Schwartau wie eine gesunde Zwischenmahlzeit mit Aussagen wie „ideal für den kleinen Snack mit Milch zwischendurch“ oder „mit dem Plus an Calcium“. Tatsächlich besteht das Produkt zur Hälfte aus Zucker und Fett. Das Fazit von Verbraucher Holm T., der den Riegel auf Schummelmelder.de hochgeladen hat: „Das Produkt ist damit alles andere als gesund, sondern eine gewaltige Schummelei.“

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  • Noch bis Anfang Dezember können Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de für ihren Favoriten abstimmen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen. Vergangenes Jahr ging der Goldene Windbeutel an einen überzuckerten Kinderkeks der Firma Alete.

    Foto: Foodwatch
  • Verbraucherinnen und Verbraucher hatten in den letzten Wochen auf www.schummelmelder.de, der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen, mehr als 100 ganz unterschiedliche Produkte hochgeladen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Alle eingereichten Mogelprodukte flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel 2018 ein.

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  • 2018 vergibt foodwatch den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Mit der Online-Abstimmung will die Verbraucherorganisation auf Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und Druck machen für bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln. Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012).

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"Coca-Cola betreibt dreiste Verbraucherabzocke mit dem Grundnahrungsmittel Nummer Eins. Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, das wissenschaftlich klingt, aber völlig unsinnig ist. Das 'Smartwater' ist einfach nur ein schnödes Wasser, teuer verkauft", sagte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel 2018.

Auch der Lebensmittelhandel ist in der Pflicht

Die Forderung der Verbraucherorganisation an Coca-Cola lautet, die Werbelüge zu stoppen. Außerdem sieht foodwatch die Lebensmittelhändler in der Pflicht, die Verbraucher nicht länger hinters Licht zu führen: "Der Einzelhandel verdient an den wolkigen Werbeversprechen kräftig mit - damit muss Schluss sein. Die Händler müssen das Coca-Cola-Mogelprodukt aus den Regalen räumen", so Sophie Unger.

Coca-Cola Deutschland nimmt den Negativ-Preis nicht an, denn dieser sei nicht gerechtfertigt. In einer Stellungnahme heißt es: "Die Deklaration und Kennzeichnung des Wassers sind transparent und entsprechen den lebensmittelrechtlichen Regelungen. Sämtliche Aussagen zum Getränk und seinen Inhaltsstoffen sind selbstverständlich zugelassen. Grundsätzlich sind unterschiedliche Preise für Produkte nicht nur in der Lebensmittelindustrie gang und gäbe."

Die Ergebnisse des "Goldenen Windbeutels 2018"

Neben dem Coca-Cola-Wasser waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2018 nominiert. Fast 70.000 gültige Stimmen gingen im Wahlzeitraum seit Anfang November ein.

1. Platz: Glacéau Smartwater von Coca-Cola (21.235 Stimmen, entspricht 30,5 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen)
2. Platz: Kids Tomato Ketchup von Heinz (19.547 Stimmen, 28,1 Prozent)
3. Platz: Corny Milch von Schwartau (10.889 Stimmen, 15,6 Prozent)
4. Platz: Bratöl Olive von Dennree (9.398 Stimmen, 13,5 Prozent)
5. Platz: Erbseneintopf Gut und Günstig von Edeka (8.546 Stimmen, 12,3 Prozent)

Bereits zum achten Mal vergibt foodwatch den Goldenen Windbeutel. Seit diesem Jahr konnten Verbraucherinnen und Verbraucher auf der foodwatch-Beschwerdeplattform  Schummelmelder.de im Vorfeld der Wahl selber Kandidaten vorschlagen.

Vier der fünf diesjährig nominierten Produkte waren User-Vorschläge. Die Produkte von Heinz, Schwartau, Dennree und Edeka. Das "Smartwater" von Coca-Cola hatte foodwatch nominiert. 

...

Auch Kinder-Ketschup in der Kritik

Den zweiten Platz des Negativ-Wettbewerbs machte der "Kids Tomato Ketchup von Heinz". Laut Verbraucherorganisation verkaufe der Lebensmittel-Konzern Heinz den „Kids Tomato Ketchup“ für 6,30 Euro je Liter und den herkömmlichen „Tomato Ketchup“ für 4,28 Euro. Die Zutatenlisten und Nährwertangaben seien absolut identisch. Der Kinder-Ketchup von Heinz sei somit ein Paradebeispiel um Eltern mit sogenannten "Kinder-Lebensmitteln" das Geld aus der Tasche zu ziehen. 

"Der Preisunterschied dieser beiden Produkte beruht jedoch lediglich auf den unterschiedlichen Packungsgrößen sowie der Tatsache, dass der Handel die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) von Heinz  nicht umsetzt. In Deutschland ist der Handel laut Gesetz in seiner Preisgestaltung frei", so der Konzern in einer Stellungnahme. Entsprechend hätten Unternehmen keinen Einfluss auf die tatsächlichen Verkaufspreise der Produkte."

Mehr Transparenz für den Verbraucher

Laut der Verbraucherorganisation, will diese mit der Online-Abstimmung zum Goldenen Windbeutel auf legale Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln erwirken. foodwatch fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen. 

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Babykeks der Firma Alete.

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