Von zu Hause zur Haltestelle
Nachfrage nach Ridesharing steigt

Der Weg zur Haltestelle ist weit, da nimmt der Pendler sein Auto. Der Individualverkehr soll in Städten und Kommunen aber wegen Abgasen und Dauerstaus eingedämmt werden. Ridesharing heißt das Zauberwort, das Fahrgäste in Sammeltaxis wie in Hamburg zusammenbringt.

Samstag, 15.12.2018, 10:04 Uhr aktualisiert: 15.12.2018, 10:08 Uhr
Ein Elektro-Shuttle der Bahn-Tochter Ioki in Hamburg.
Ein Elektro-Shuttle der Bahn-Tochter Ioki in Hamburg. Foto: Daniel Reinhardt

Hamburg (dpa) - Angesichts von steigender Nachfrage nach Leihfahrrädern, Carsharing und Sammeltaxis ruft der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zur Zusammenarbeit auf.

Die Kunden erwarteten vor Ort «ein funktionierendes Gesamtsystem und keinen größer werdenden Flickenteppich oder Rosinenpickerei einzelner Anbieter zulasten der Gesamtheit», mahnte VDV-Geschäftsführer Jan Schilling.

Deshalb sei eine Kooperation von Verkehrsunternehmen und -verbünden mit neuen Anbietern sinnvoller als die direkte Konkurrenz zueinander. «Alleine können die neuen On-Demand-Anbieter die steigende Mobilitätsnachfrage jedenfalls nicht bedienen, das ist Augenwischerei», sagte Schilling der Deutschen Presse-Agentur.

In Hamburg verlängern die Bahn-Tochter Ioki und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) ihr seit Mitte Juli bestehendes Angebot in zwei westlichen Stadtteilen (Lurup, Osdorf) um zwei Jahre, wie die Projektpartner ankündigten. Auch in anderen deutschen Städten und Kommunen wie Berlin, München oder Duisburg gibt es Angebote, um den Weg von oder nahe der Haustür bis zur Haltestelle des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) oder anderswohin zu überbrücken; oftmals stecken die Projekte noch in der Erprobung.

In Hamburg habe Ioki die Erwartungen deutlich übertroffen, so die Projektpartner. Seit dem Start seien 91.000 Fahrgäste befördert worden, die Hälfte lasse sich zu größeren ÖPNV-Haltestellen bringen. Gebucht wird die Fahrt im Elektro-Auto zum HVV-Tickettarif über die «ioki Hamburg App», ähnliche Fahrten werden durch einen Algorithmus zu Fahrgemeinschaften gebündelt (Ride-Pooling).

«Mit vernetzten Angeboten für die erste und letzte Meile machen wir den Nahverkehr deutlich attraktiver und das Leben ohne eigenes Auto wird gerade für junge Menschen langfristig denkbar», teilte Ioki-Geschäftsführer Michael Barillère-Scholz mit. Der VHH habe für die vom britischen Hersteller LEVC produzierten Elektro-Taxis mehr als 50 Fahrer eingestellt, sagte VHH-Chef Toralf Müller. Die Zahl der Fahrzeuge mit sechs Sitzplätzen wurde auf 20 verdoppelt, der Fahrservice wird rund um die Uhr an sieben Tagen angeboten.

Das Institut für Verkehrsplanung und Logistik der Technischen Universität Hamburg (TUHH) hat das Projekt drei Monate lang wissenschaftlich begleitet. Ohne den Service wären mehr als 15 Prozent der Kunden mit einem Privatwagen gefahren, wurde unter Berufung auf die Auswertungen mitgeteilt. Demnach saßen 1,74 Menschen pro Fahrt im Shuttle, als Vergleich wurden 1,47 Insassen pro privater Autofahrt herangezogen. Fast ein Drittel der Stadtteilbewohner habe sich die App heruntergeladen, resümierten Ioki und der VHH.

In Berlin bietet der Verkehrsverbund BVG seit Anfang September den Rufbus «BerlKönig»: 50 per App zu bestellende Fahrzeuge sind im Einsatz. München will im Westen der Stadt den «Isar Tiger», Transport-Caddies für bis zu sechs Fahrgäste, zur Erprobung bis 2020 auf Tour schicken. Die via App gebuchte Fahrt soll preislich zwischen dem MVV-Tarif und dem Taxitarif liegen.

In Duisburg ist freitag- und samstagabends «myBUS» im Einsatz, ein Kleinbus mit fünf Sitzplätzen. Ebenfalls zum ÖPNV-Tarif wird per App bestellt und auch hier die gewünschte Fahrt mit Anderen gebündelt. «myBUS» solle nie ohne Fahrgäste unterwegs sein, lautet das Ziel der Betreiber. Im Kreis Offenbach sollen sich Fahrgäste im nächsten Jahr Kleinbusse per App bestellen und sich von ihrem Standort aus zu S- und Regionalbahnhöfen, aber auch zu Krankenhäusern bringen lassen können (Projekt «ASTplus»).

Quasi im Retro-Look agiert das hessische Taunusstein, das klassische Mitfahr-Bänke aufgestellt hat. «Salopp gesagt sind Mitfahrbänke so etwas wie die Seniorenvariante des alten Trampens: Statt mit erhobenem Daumen am Straßenrand zu stehen, können dort vor allem ältere Menschen wie auch natürlich junge auf eine Mitfahrgelegenheit warten», schreibt die Stadt. Dadurch werde die Auslastung der Autos im innerstädtischen Bereich erhöht - und der Verkehr auf den Taunussteiner Straßen reduziert.

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