Sportartikelmesse Ispo
Gebeutelte Sporthändler suchen neue Wege zur Kundschaft

Der Verkauf von Ski, Turnschuh und Badehose reicht nicht mehr: Obwohl so viele Menschen Sport treiben wie noch nie, leidet der Sporthandel an Kundenschwund. Zwei große Ketten wollen sich neu erfinden.

Sonntag, 03.02.2019, 18:16 Uhr aktualisiert: 03.02.2019, 18:20 Uhr
Besucher auf der Sportartikelmesse Ispo in München.
Besucher auf der Sportartikelmesse Ispo in München. Foto: Tobias Hase

München (dpa) - Die zwei größten Sporthandelsketten in Deutschland suchen wegen schlechter Geschäfte nach neuen Wegen zur Kundschaft. Intersport mit seinen 1480 Geschäften meldete, dass der Umsatz 2018 in Deutschland um drei Prozent auf 2,85 Milliarden Euro geschrumpft sei.

Die Konkurrenz bei Sport 2000 schnitt zwar etwas besser ab, ist aber ebenfalls nicht zufrieden: Die gut 1000 Händler der Gruppe mit mittlerweile 1491 Läden verkauften 0,3 Prozent mehr und setzten Waren für gut zwei Milliarden Euro ab.

Das reichte aber nicht, um die Kosten zu decken, wie Geschäftsführer Andreas Rudolf zum Auftakt der Münchner Messe Ispo sagte, dem mit knapp 3000 Ausstellern größten Branchentreffen der Sportindustrie in Europa.

Hauptursache der Entwicklung ist die stetig wachsende Online-Konkurrenz. Nach einer Branchenstudie von Intersport ist die in Heilbronn ansässige Genossenschaft mit einem Marktanteil von knapp 12 Prozent nach wie vor die Nummer eins in Deutschland.

Doch die Plätze zwei und drei haben demnach zwei branchenfremde Unternehmen erobert, die den Markt online aufrollen: Zalando und Amazon . «Der deutsche Markt schreit eigentlich danach, dass es eine Konsolidierung gibt», räumte Intersport-Vorstandschef Alexander von Preen ein. «Amazon hat in den letzten vier Jahren 90 Prozent Wachstum hingelegt.»

Das geht damit einher, dass weniger Menschen als früher den Weg ins Sportgeschäft finden: Sport 2000 hat die Zahl der Kunden in 100 Geschäften gemessen und festgestellt, dass 2018 vier Prozent weniger Menschen in die Läden kamen als im Vorjahr. Ausgeglichen wurde das zwar dadurch, dass diese Kunden mehr ausgaben als in früheren Jahren - aber der Trend macht den Händlern Sorgen: «Bei der zurückgehenden Frequenz ist es extrem wichtig, dass ich mich um die Kunden intensiver kümmere», sagte Sport 2000-Geschäftsführer Rudolf.

Intersport will sich nun zu einem Dienstleister entwickeln, der neben Sportartikeln den Service rundum gleich mitverkauft - «Hotels, Skipass, Anreise», wie Vorstandschef von Preen sagte. «Wir wollen in Europa die größte und beste Sportplattform sein.» Der Intersport-Chef geht davon aus, dass der stationäre Handel 60 Prozent Marktanteil halten kann. Abgesehen von Deutschland ist die Kette in Österreich, der Slowakei, Tschechien und Ungarn präsent.

Auch die im südhessischen Mainhausen ansässige Händlerorganisation Sport 2000 sucht nach neuen Wegen und will verstärkt sowohl Frauen als auch Kinder und Jugendliche ansprechen. Das Management rät den angeschlossenen Händlern außerdem, sich auf spezielle Zielgruppen zu konzentrieren - und möglicherweise insgesamt weniger, dafür aber teurere Ware zu verkaufen.

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