Jahrestagung des Verbandes der Münsterländischen Metallindustrie
Zweifel am Erfolg der Energiewende

Münster -

Über die Chancen und Risiken der deutschen Energiewende lässt sich trefflich streiten. Kein Wunder also, dass sich die Führungsriegen der münsterländischen Metall- und Elektroindustrie und die Energieexpertin des gewerkschaftsnahen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, in dieser Frage am Mittwochabend nicht einig waren

Mittwoch, 03.07.2019, 18:52 Uhr
Erneuerbare Energie tragen die Energiewende.
Erneuerbare Energie tragen die Energiewende. Foto: dpa

Bei der Jahrestagung des Verbandes der Münsterländischen Metallindustrie (VMM) in Münster betonten die Unternehmer, die bisherige Politik der Bundesregierung habe ernsthafte Zweifel am Gelingen der Energiewende aufkommen lassen. Als Grund für dieses Misstrauen wurden auch die Erfahrungen mit dem Ausstieg aus der Atomenergie angeführt. Der Vorsitzende des VMM, Andreas Busacker, forderte eine sichere und permanente Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen und bezahlbaren Strompreisen.

Bei Kemfert klang das ganz anders: „Die Energiewende bietet enorme wirtschaftliche Chancen, wenn man die Rahmenbedingungen gut setzt.“ Nur wenige Branchen seien vom Klimaschutz negativ betroffen, betonte die Energieexpertin. „Es gibt sehr viele Segmente, die von der Energiewende profitieren.“ Kemfert mahnte allerdings: „Wir leben schon viel zu lange weit über unsere Verhältnisse.“ Die DIW-Forscherin wählte ein drastisches Bild um das Dilemma der Menschheit deutlich zu machen: „Wir müssten drei weitere Planeten haben, wenn wir nicht umdenken.“

Der deutschen Politik warf Kemfert vor, „Weltmeister im Ziele-Ankündigen“ zu sein. Das Thema „Energiewende“ sei 20 Jahre alt, in Deutschland sei es aber nur halbherzig angegangen worden.

Die wirtschaftliche Lage der Metall- und Elektroindustrie in der Region hat sich indes eingetrübt: Das Produktionsniveau sei in den ersten drei Monaten des Jahres gegenüber dem ohnehin schon schwächeren Schlussquartal 2018 saison- und arbeitstäglich bereinigt um 0,5 Prozent gesunken.

Die Auftragseingänge schrumpften im ersten Quartal laut VMM gegenüber dem Zeitraum Januar bis März 2018 um 4,7 Prozent. Besonders im Ausland sei der Rückgang mit 5,7 Prozent deutlich spürbar, hieß es, In ganz Nordrhein-Westfalen sank der Exportumsatz im gleichen Zeitraum um 600 Millionen auf lediglich noch 25 Milliarden € . Als Ursache für diesen Trend nennt der VMM vor allem die protektionistische Handelspolitik der Vereinigten Staaten und den bevorstehenden Brexit.

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