Börse in Frankfurt
Hoffnung auf Brexit-Deal und Handelsstreit beflügeln den Dax

Frankfurt/Main (dpa) - Anleger greifen in der Hoffnung auf ein Happy End für Brexit und Handelsstreit bei deutschen Aktien wieder zu. Der Dax schloss am Montag mit einem Plus von 0,91 Prozent bei 12.747,96 Punkten. Damit schüttelte der deutsche Leitindex seine jüngste Lethargie ab.

Montag, 21.10.2019, 18:30 Uhr aktualisiert: 21.10.2019, 18:32 Uhr
Die Börse in Frankfurt.
Die Börse in Frankfurt. Foto: Alexander Heinl

Er blieb aber etwas unter seinem Hoch seit August 2018, welches er am Donnerstag im Handelsverlauf erreicht hatte, bevor ihm der Schwung ausgegangen war.

Der MDax für mittelgroße Werte rückte zu Wochenbeginn um 0,87 Prozent auf 26.224,83 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,58 Prozent auf 3600,08 Punkte. Für die nationalen Indizes in Paris und London ging es ebenfalls etwas nach oben. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial behauptete sich zum europäischen Handelsende minimal in der Gewinnzone.

Stratege Bernd Meyer von der Privatbank Berenberg sieht die weitere Kursentwicklung an Europas Börsen vorsichtig optimistisch, falls die Waffenruhe im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt anhält. Außerdem «scheint die Brexit-Saga ein Ende zu nehmen», so die Hoffnung des Experten. Auch Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets glaubt, dass «ein chaotischer Ausstieg der Briten aus der EU trotz des chaotischen Wochenendes noch ein bisschen unwahrscheinlicher geworden ist». Bei knapp über 12.800 Punkten sieht er indes «eine hohe Hürde» für den Dax. «Es müssen in dieser Woche schon sehr gute Quartalszahlen kommen, um den Widerstand nachhaltig zu überwinden.»

An der Dax-Spitze erholten sich die zuletzt gebeutelten Anteilscheine des Zahlungsabwicklers Wirecard um gut sechs Prozent. Das durch zahlreiche Presseberichte stark in die Kritik geratene Unternehmen will nun doch die Vorwürfe rund um seine Bilanzierungspraktiken mit einer Sonderprüfung ausräumen. Damit sollen vor allem die immer wieder neuen Vorwürfe der «Financial Times» umfassend und unabhängig aufgeklärt werden. SAP-Aktien setzten mit rund zweieinhalb Prozent Plus ihren Aufwärtstrend fort, nachdem die finalen Quartalszahlen die guten Eckdaten des Softwarekonzerns bestätigt hatten.

Bankentitel profitierten laut Händlern von der fortdauernden Erholung der Zinsen in den vergangenen Wochen. Papiere der als besonders zinssensibel geltenden Commerzbank legten als einer der MDax-Favoriten um über fünf Prozent zu und Anteile der Deutschen Bank im Dax um knapp drei Prozent. Im Anleihehandel und bei der Kreditvergabe profitieren die Geldhäuser tendenziell von steigenden Marktzinsen.

Um nahezu drei Prozent bergauf ging es für die Papiere der Aareal Bank . Der Immobilienfinanzierer gibt Kreisen zufolge dem Druck eines aktivistischen Investors nach und erwägt den Verkauf seiner IT-Dienstleistungstochter Aareon. Bei Sartorius freuten sich die Anleger gar über einen Kurssprung von mehr als acht Prozent an die MDax-Spitze. Der Pharma- und Laborzulieferer ist nach dem starken Wachstum im dritten Quartal optimistischer für das Gesamtjahr. Für die Titel des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 ging es nach dem Einstieg des tschechischen Investors Daniel Kretinsky um über viereinhalb Prozent bergauf.

Die Einigung zum Berliner Mietendeckel sorgte indes für Kursverluste im zuletzt wieder stark gelaufenen Immobiliensektor: Die Papiere von Deutsche Wohnen, die schwerpunktmäßig in Berlin tätig ist, sackten am MDax-Ende um gut zweieinhalb Prozent ab und die von Vonovia im Dax um ein Prozent. Der rot-rot-grüne Berliner Senat hatte sich am Freitagabend darauf geeinigt, die zuletzt stark gestiegenen Mieten in Berlin für fünf Jahre einzufrieren.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,38 Prozent am Freitag auf minus 0,36 Prozent. Der Rentenindex Rex legte um 0,15 Prozent auf 144,68 Punkte zu. Der Bund-Future verlor 0,21 Prozent auf 170,91 Punkte. Der Euro notierte zuletzt bei 1,1149 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs davor auf 1,1173 (Freitag: 1,1144) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8950 (0,8973) Euro gekostet.

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