Schlichtung mit Ufo
Vorerst keine neuen Streiks bei Lufthansa

Der zweitägige Streik der Flugbegleiter in der vergangenen Woche hat bei Lufthansa ein Umdenken bewirkt. Der Konzern steigt in eine komplizierte Schlichtung mit der bislang hart bekämpften Gewerkschaft Ufo ein.

Dienstag, 12.11.2019, 17:59 Uhr
Eine Flugbegleiterin geht auf dem Flughafen in Frankfurt am Main in die Lufthansa-Basis.
Eine Flugbegleiterin geht auf dem Flughafen in Frankfurt am Main in die Lufthansa-Basis. Foto: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main (dpa) - Passagiere der Lufthansa können aufatmen: Mit einer heute vereinbarten Schlichtung zwischen der Fluggesellschaft und der Kabinengewerkschaft Ufo sind erneute Streiks der Flugbegleiter erst einmal vom Tisch, wie beide Seiten nach dreitägigen Gesprächen in Frankfurt erklärten.

Der Lufthansa-Konzern hat zudem nach eigenen Angaben den Arbeitsgerichtsprozess gestoppt, mit dem Ufo der Gewerkschaftsstatus aberkannt werden sollte. Auch wurden erste Verbesserungen für Berufseinsteiger vereinbart.

Die Gewerkschaft hatte für den Fall des Scheiterns der Sondierungen neue Streiks angedroht, nachdem sie bereits in der vergangenen Woche an zwei Tagen rund 1500 Flüge verhindert hatte. Die Gewerkschaft erklärte sich nun mit einer Friedenspflicht bereit, bis zum Ende der Schlichtung auf weitere Arbeitskampfmaßnahmen zu verzichten. Über nähere Details und möglicherweise auch schon konkrete Schlichterpersönlichkeiten wollen die Kontrahenten erst am Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt berichten. Jede Seite kann einen Schlichter benennen.

In dem Tarifkonflikt geht es nur vordergründig um Spesen und Zulagen für die rund 21.000 Flugbegleiter der Lufthansa-Kerngesellschaft. Lufthansa hat den Ufo-Vorstand nach internen Führungskämpfen monatelang nicht anerkannt und zudem parallel Verhandlungen mit der Konkurrenz-Gewerkschaft Verdi aufgenommen.

Es stellt sich immer noch die Frage, welche Gewerkschaft künftig die Tarifverträge für die Flugbegleiter aushandelt und unterzeichnet. Lufthansa hatte angekündigt, neben der Ufo auch mit Verdi und der erst am Montag gegründeten «Cabin Union» zu sprechen. Laut einer Ufo-Mitteilung werden Verdis Rechte als Minderheitsgewerkschaft geschützt. Verdi könne sich in die Prozesse einbringen, erklärte das Unternehmen.

Nach dem Grundsatz der Tarifeinheit soll in einem Betrieb eigentlich die mitgliederstärkste Gewerkschaft die Tarifbedingungen vereinbaren. Ufo nimmt für sich in Anspruch, mehr als die Hälfte der Lufthansa-Flugbegleiter zu vertreten. Ausgezählt worden sind die Mehrheitsverhältnisse bislang aber nicht.

Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier reklamierte eine für die rund 3500 Saisonkräfte vereinbarte «Winterzulage» von 400 Euro pro Monat als Verhandlungserfolg ihrer Gewerkschaft, den Ufo nur nachzeichne. «Es zeigt sich, dass sich erst etwas bewegt, wenn wir den Finger in die Tarifwunden legen.» Grundsätzlich müsse aber das gesamte von Ufo geschaffene Tarifwerk verändert werden.

Eine zunächst von Ufo geforderte Gehaltserhöhung um 2 Prozent für alle Flugbegleiter hatte Lufthansa bereits einseitig umgesetzt, ohne dies allerdings verbindlich tariflich zuzusagen. Laut Ufo-Vize Daniel Flohr wurden zudem bereits einige strittige Detail-Themen etwa zu Übernachtungen bei Asienflügen schon vor der Schlichtung abgeräumt.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte das Steuer unmittelbar vor dem Streik herumgeworfen, indem er in der verfahrenen Situation das persönliche Gespräch mit den Gewerkschaftsvertretern suchte. «Wenn wir schlichten, muss das ganze juristischen Halt haben», hatte Spohr der Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens vorgegeben. Sie erklärte am Dienstag: «Die Schlichtung ist der richtige Weg, um die drängenden Anliegen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kabine nun mit allen Beteiligten anzugehen und auch Vertrauen wiederherzustellen. Dass es nun keine weiteren Streiks bei Lufthansa geben wird, ist eine gute Nachricht für unsere Gäste.»

Die Cabin Union hat nach eigenen Angaben am Montag einen Vorstand mit sieben Mitgliedern gewählt, einen ebenso starken Beirat sowie eine Tarifkommission mit fünf Personen. Sie ist ein eigenständiger Fachbereich innerhalb der Industriegewerkschaft Luftverkehr, die Beschäftigte aus allen Luftverkehrsbereichen organisieren will. Tarifverträge hat die IGL bislang aber noch nicht abgeschlossen.

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