"Auszeichnung" für Werbelüge
Der "Goldene Windbeutel" 2019 geht an Zwergenwiese Naturkost

Silberstedt -

Zwergenwiese Naturkost erhält den "Goldenen Windbeutel" 2019 für ihre "Kinder-Tomatensauce". Obwohl der Bio-Hersteller die Tomatensauce für Kinder bewirbt, enthält das Produkt mehr als doppelt so wie Zucker wie die Erwachsenen-Version. Bei einer offenen Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation foodwatch bekam Zwergenwiese über 53 Prozent der Stimmen.

Dienstag, 03.12.2019, 21:30 Uhr aktualisiert: 03.12.2019, 22:24 Uhr
"Auszeichnung" für Werbelüge : Der "Goldene Windbeutel" 2019 geht an Zwergenwiese Naturkost
foodwatch übergibt den Preis am Firmensitz von Zwergenwiese Foto: foodwatch/picture alliance/Udo Fischer

Schnell nach der Arbeit für die Kinder kochen - aber trotzdem gesund. Vor dieser Herausforderung stehen viele Elten jeden Tag. Der Bio-Hersteller Zwergenwiese verspricht eine Lösung: Eine fertige Tomatensauce für Kinder. Gesund ist das Produkt allerdings überhaupt nicht - dabei zielt die Werbung extra auf Kinder ab. 

Die Verbraucherorganisation foodwatch prämierte die "Kinder-Tomatensauce" von Zwergenwiese Naturkost daher am Dienstag mit dem "Goldenen Windbeutel" 2019. In den vergangenen Wochen hatte foodwatch Verbraucher dazu aufgerufen, die "dreisteste Werbelüge" des Jahres zu wählen. 53,2 Prozent der 70.000 Teilnehmer entschieden sich in der offenen Online-Abstimmung für die "Kinder-Tomatensauce". Am Dienstag war der Verbraucherschutzverein am Firmensitz im norddeutschen Silberstedt vor Ort, um den Negativpreis zu überreichen.

Für Kinder beworbene Produkte enthalten häufig übermäßig Zucker

Eine Portion der Tomatensauce von Zwergenwiese enthält ganze sechs Würfel Zucker und damit mehr als doppelt so viel als das Pendant für Erwachsene. "Eltern kaufen Bio-Produkte, um ihren Kindern etwas Gutes zu tun - aber Zwergenwiese jubelt Kindern eine Extra-Portion Zucker unter und nutzt das Vertrauen der Eltern aus", erklärt Wahlleiter Manuel Wiemann. Schon seit Jahren kämpft foodwatch für eine Beschränkung des Kinder-Marketings.

Marktstudien hätten immer wieder belegt, dass die meisten Kinder-Produkte zu viel Zucker enthalten. Der Unterstützung der Kinderärzte kann sich foodwatch sicher sein. "Geschmack wird anerzogen - und zwar schon im frühkindlichen Alter", sagt der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Thomas Fischbach. Die Politik dürfe nicht weiter zusehen, wie "die Kindergesundheit wirtschaftlichen Interessen geopfert wird". 

Der Hersteller hatte sein Produkt nach der Nominierung für den "Goldenen Windbeutel" Anfang November verteidigt: Statt "zugesetztem Kristallzucker" enthalte der Tomatensaft Apfeldicksaft, so Zwergenwiese. Ernährungsmediziner Professor Hans Hauner betont jedoch, dass auch dieser Zucker zu den "freien Zuckerarten" gehöre. Deshalb sei der Zucker aus Äpfeln "nicht viel anders einzuschätzen als kristalliner Rübenzucker".

Einsatz für die Rechte von Verbraucher

Hinter dem Gewinner Zwergenwiese landete "Yakult Original" von Yakult mit 26,1 Prozent auf Platz 2 und der "100% Bio-Direktsaft-Karotte" von Hipp mit 7,4 Prozent auf Platz 3. Auf Platz 4 wurden die Wasabi-Erdnüsse von Rewe gewählt, die nur einen verschwindend geringen Wasabi-Anteil aufweisen. Außerdem wurde der "Corny Protein-Lower-Carb" von Schwartau mit dem fünften Rang prämiert. Nach Bekanntgabe der Nominierung versprach der Schwartau jedoch, den Schokoriegel vom Markt zu nehmen.

Goldener Windbeutel 2019

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  • Der diesjährige Gewinner des Goldenen Windbeutels ist Zwergenwiese

    Der Bio-Hersteller Zwergenwiese Naturkost erhält hier den Goldenen Windbeutel 2019 für seine "Kinder-Tomatensauce". Obwohl die Tomatensauce für Kinder beworben wird, enthält es mehr als doppelt so viel Zucker als die Version für Erwachsene.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Der Goldene Windbeutel 2018 ging an Coca Cola

    Im vergangenen Jahr gewann der Coca Cola-Konzern den Negativpreis von foodwatch für sein "Smartwater" (r.). Bei einer Online-Abstimmung wählte ein Drittel der fast 70.000 Teilnehmer das Mineralwasser zur dreistesten Werbelüge des Jahres. Das Wasser wird verdampft und wieder aufgefangen, dabei verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. Das Smartwater sei „von Wolken inspiriert“ und wird um ein Vielfaches teurer verkauft, als andere Mineralwässer.  

    Foto: dpa
  • Gruppenfoto der diesjährigen Nominierten

    foodwatch hatte im November fünf Kandidaten nominiert: den Bio-Karottensaft von Hipp, die „Wasabi Erdnüsse“ von Rewe, den „Corny Protein Lower Carb“-Riegel von Schwartau, das Getränk „Yakult“ und die „Kinder Tomatensauce“ des Bio-Herstellers Zwergenwiese.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • 100% Biodirektsaft Karotte von Hipp

    Eltern müssen für den Karottensaft nun besonders tief ins Portemonnaie greifen: Hipp hat die Flasche von 500 auf 330 Milliliter verkleinert. Der Preis hat sich dabei um 95 Prozent erhöht – auf 4,50 Euro je Liter.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Wasabi Erdnüsse von Rewe Beste Wahl

    Rewe bewirbt seine Erdnüsse auf der Schauseite groß mit Wasabi. Das Produkt enthält aber nur 0,003 Prozent des edlen japanischen Gewürzes. Um eine Wasabi-ähnliche Schärfe und Farbe zu erreichen, hilft Rewe offenbar mit Aroma und Farbstoff nach.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Corny Protein Lower Carb von Schwartau

    Mit Angaben wie „Protein“ und „Lower Carb“ sowie dem an Light-Produkten angelehnten Design erweckt Schwartau den Eindruck, der Riegel sei ein gesundes Produkt für Sportler. Doch Corny enthält 24 Prozent Zucker und 13 Prozent Fett.

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Yakult Original von Yakult

    Yakult bewirbt sein Getränk als „die kleine Flasche Wissenschaft“ und suggeriert, der Drink hätte positive Effekte auf die Darmgesundheit. Doch aus Sicht von foodwatch ist Yakult vor allem eines: dreiste Abzocke für 8,40 Euro pro Liter. Effekte auf die Gesundheit sind wissenschaftlich nicht belegt. 

    Foto: Presseabteilung foodwatch
  • Kinder-Tomatensauce von Zwergenwiese

    Zwergenwiese erweckt bei Eltern den Eindruck, die Rezeptur der Tomatensauce sei kindgerecht. Dabei enthält die Sauce fast 20 Gramm Zucker pro Portion – mehr als doppelt so viel wie die normale Zwergenwiese-Tomatensauce für Erwachsene. 

    Foto: Presseabteilung foodwatch

Der "Goldene Windbeutel" wird seit 2009 jedes Jahr vom foodwatch vergeben. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt "Actimel" von Danone (2009) oder die Milchschnitte von Ferero (2011). Letztes Jahr erhielt das "Smart Water" von Coca Cola den Preis. Die Verleihung des "Goldenen Windbeutels" soll für mehr Verbraucherschutz in Deutschland sorgen und ist Teil eines vielfältigen Engagements foodwatchs für die Rechte von Verbraucher.  

   

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