Neue Saison – neue Preise
Wie das Pflanzenschutzmittel-Kartell 17 Jahre lang funktionierte

Münster -

Mehr und mehr wird klar, wie das über Jahre bestehende Pflanzenschutzmittel-Kartell, an dem auch die Agravis Raiffeisen AG (Münster/Hannover) beteiligt war, funktioniert hat.

Dienstag, 14.01.2020, 18:32 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 18:51 Uhr
Ein Traktor zieht bei der Behandlung von Rapsblüten eine Pflanzenspritze durch ein Rapsfeld. Anbieter von Pflanzenschutzmitteln haben jahrelang ihre Preise abgesprochen.
Ein Traktor zieht bei der Behandlung von Rapsblüten eine Pflanzenspritze durch ein Rapsfeld. Anbieter von Pflanzenschutzmitteln haben jahrelang ihre Preise abgesprochen. Foto: dpa

Jahrelang hüllten sich die Beteiligten mit Hinweis auf ein laufendes Verfahren in Schweigen. Doch inzwischen wird mehr und mehr öffentlich, wie das über Jahre bestehende Pflanzenschutzmittel-Kartell, an dem auch die Agravis Raiffeisen AG beteiligt war, von 1998 bis 2015 funktionierte. Es ging in Teilen so weit, dass auf Basis der zuvor getroffenen Absprachen fertige Preislisten nur mit dem jeweiligen Firmenlogo versehen werden mussten. Einzelhändlern und Endkunden wurde die Liste, die laut Agravis vor allem der „Orientierungshilfe“ dienen sollte, in den individuellen Preisverhandlungen vorgelegt.

Laut Bundeskartellamt beläuft sich das Bußgeld, das gegen insgesamt sieben Großhändler von Pflanzenschutzmitteln und deren Verantwortliche verhängt wurde, bis jetzt auf insgesamt 154,6 Mio. €. Zahlen müssen neben der Agravis und der Münchener BayWa die Agro in Holdorf, die BSL in Kiel, die Getreide AG in Hamburg, die Raiffeisen Waren GmbH in Kassel und die ZG Raiffeisen eG in Karlsruhe.

Die Beiselen GmbH in Ulm kam mit einem blauen Auge davon. Nach Angaben der Bonner Kartellwächter profitierte der private Großhändler von der Anwendung der Bonusregelung. Beiselen arbeitete als erstes Unternehmen mit dem Kartellamt zusammen und muss nun kein Bußgeld fürchten.

Ermittlungen gehen weiter

Abgeschlossen ist der Fall, der in Agrarkreisen heftig diskutiert wird, auch jetzt noch nicht. Das Kartellamt ermittelt nach wie vor gegen zwei weitere Unternehmen. Gegen drei Firmen und zwei Verbände – darunter der Deutsche Raiffeisenverband DRV – wurde das Verfahren eingestellt.

„Unsere Ermittlungen haben gezeigt, dass die Unternehmen seit dem Jahr 1998 bis zum Zeitpunkt unserer Durchsuchung im März 2015 jeweils im Frühjahr und im Herbst ihre Preislisten für Pflanzenschutzmittel miteinander abgestimmt haben. Grundlage war eine gemeinsame Kalkulation der Großhändler, die weitgehend einheitliche Preislisten für Einzelhändler und Endkunden zur Folge hatten“, erklärte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes.

Verbotene Absprachen

Unternehmensvertreter hätten sich anfangs mehrmals im Jahr getroffen, um die Preise festzulegen, später seien die Abstimmungen schriftlich und telefonisch erfolgt. Zwei genossenschaftliche und zwei private Großhändler hätten gemeinsam die Vorarbeit geleistet. Der Feinschliff für das Saisongeschäft erfolgte dann im jeweiligen Lager. In vielen Jahren seien daneben auch zu gewährende Rabattspannen und Netto-Netto-Preise für zentrale Produkte abgesprochen worden.

Die Bußgelder sind laut Behörde noch nicht rechtskräftig. Dass ein Unternehmen Einspruch einlegt, gilt aber als unwahrscheinlich. Denn alle Großhändler haben während der Ermittlungen mit dem Kartellamt kooperiert und an der Aufklärung mitgewirkt. Die „grüne Liste“ ist heute längst vom Tisch.

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