Corona-Krise
Zur Angst vor Ansteckung gesellt sich die Sorge um die deutsche Wirtschaft

Münsterland -

Neben Sorge und Angst vor einer Erkrankung und einem Kollaps der medizinischen Versorgung gesellt sich, spürbar häufiger, die Frage nach dem „Wie lange noch?“.

Donnerstag, 26.03.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 19:49 Uhr
Corona-Krise: Zur Angst vor Ansteckung gesellt sich die Sorge um die deutsche Wirtschaft
Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts: Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat sich durch die Coronavirus-Krise laut einer Umfrage des Ifo-Instituts rapide verschlechtert. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Neben Sorge und Angst vor einer Erkrankung und einem Kollaps der medizinischen Versorgung gesellt sich, spürbar häufiger, die Frage nach dem „Wie lange noch?“. Sie bezieht sich auf die Dauer der Ausgangsbeschränkungen, aber viel drängender auch auf die Wiederbelebung der coronabedingt weitgehend weg­geschlossenen Wirtschaft. Entscheidungen dazu werden in einem Dreieck aus Ökonomen, Virologen und der Politik zu fällen sein. Der 19. April­, der letzte Tag der Osterferien, könnte sich dabei als Wendedatum entpuppen.

Über das Ausmaß der Wirtschaftskrise gehen die Meinungen bei den Ökonomen durchaus noch weit auseinander. Der Vorsitzende der sogenannten Wirtschaftsweisen, Lars Feld , hält in einem Interview mit der „Welt“ ein „tiefes V für das derzeit wahrscheinlichste Szenario“. Dabei bricht die Wirtschaftsleistung durch den Shutdown zunächst stark ein, erfährt dann aber auch relativ schnell wieder eine starke Wiederbelebung.

Ifo-Institut rechnet mit Verlust von Millionen Arbeitsplätzen

Für die Dauer eines fünfwöchigen Shutdowns und einer dann dreiwöchigen Erholungsphase rechnet der Sachverständigenrat mit einer um ca. fünf Prozent zurückgehenden Wirtschaftsleistung (gerechnet aufs ganze Jahr), bei einem siebenwöchigen Shutdown mit ca. sechs Prozent.

Das Ifo-Institut und das Institut der Deutschen Wirtschaft taxieren diese Verluste deutlich höher. Das Ifo-Institut rechnet mit dem Verlust von 1,8 Millionen Arbeitsplätzen. Einig sind sich alle in der Erwartung, dass die gigantischen staatlichen Hilfsprogramme eine dramatische Insolvenzwelle verhindern müssten.

Lars Feld verweist auf die aktuellen Erfahrungen aus China und den Ausbruch anderer Epidemien, wonach die massiven Einschränkungen nach 60 bis 90 Tagen aufgehoben werden könnten. Das wäre in Deutschland Ende April bzw. Ende Mai der Fall. VW kündigte gestern an, dass es wohl spätestens im Sommer wieder zu einer Normalisierung der Autoproduktion kommen werde.

Kommentar

Patient Wirtschaft

Der Gesundheitsminister spricht von der „Ruhe vor dem Sturm“. Die Virologen warnen vor einer womöglich viel zu frühen Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionen, weil die Fallzahlen noch immer täglich steigen. Ist es zynisch, angesichts dieser noch immer und wohl auch dauerhaft akuten Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung an die Wirtschaft zu denken?

Nein. Denn trotz aller Angst und Sorge vor Erkrankung, zugegebenermaßen zusätzlich mit einer Portion Ungeduld, muss sich unser Blick jetzt auch auf die Zeit nach der Corona-Welle richten. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft müssen parallel zum Schnüren gigantischer monetärer Hilfspakete eine Exit-Strategie ent­wickeln, einen schnellen, gewiss nur schrittweise möglichen Weg heraus aus der Krise weisen. Denn auch der schwer angeschlagene Patient Wirtschaft ist angewiesen auf möglichst schnelle Genesung. Auf dem Spiel steht das Schicksal ganzer Betriebe, das Schicksal von Millionen von Arbeitsplätzen, von persönlichen Existenzen.

Eine möglichst schnelle und möglichst risikolose Rückkehr zur Normalität darf in diesen Wochen nicht nur Träumerei bleiben; sie muss das Ziel sein.

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