Nahrungsmittel teuerer
Verbraucherpreise gestiegen - Inflation bei 0,9 Prozent

Das Leben in Deutschland ist im Juni etwas teurer geworden. Volkswirte sehen darin keinen generellen Trend - im Gegenteil. Eine Inflation nahe der Nullmarke scheint in nächster Zeit nicht ausgeschlossen.

Dienstag, 14.07.2020, 22:56 Uhr aktualisiert: 14.07.2020, 23:00 Uhr
Eine Kassiererin an der Kasse beim Supermarkt. Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland hat sich im Juni etwas beschleunigt.
Eine Kassiererin an der Kasse beim Supermarkt. Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland hat sich im Juni etwas beschleunigt. Foto: Jens Kalaene

Wiesbaden (dpa) - Die Inflation in Deutschland zieht auf niedrigem Niveau wieder etwas an. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit vorläufige Daten. Im Mai hatte die Rate mit 0,6 Prozent den tiefsten Stand seit fast vier Jahren erreicht - vor allem wegen eines massiven Rückgangs der Energiepreise in der Corona-Krise. Von Mai auf Juni 2020 erhöhte sich das Preisniveau insgesamt um 0,6 Prozent.

Überdurchschnittlich teurer wurden Nahrungsmittel, für die Verbraucher 4,4 Prozent mehr zahlen mussten als ein Jahr zuvor. Tiefer in die Tasche greifen mussten sie vor allem für Obst sowie Fleisch- und Fleischwaren. Die Preisrückgänge bei Energie schwächten sich ab.

Dennoch waren Heizöl (minus 26,5 Prozent) und Kraftstoffe (minus 15,1 Prozent) deutlich billiger als im Juni 2019. Strom verteuerte sich hingegen um 4,1 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Preise für Energie hätte die Inflationsrate bei 1,6 Prozent gelegen.

Nach Einschätzung von Ökonomen könnte sich die Rate in den nächsten Monaten wieder mehr der Nullmarke annähern, sollte die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer seit Anfang Juli vollständig an die Konsumenten weitergegeben werden. Hinzu kommen die dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise.

Olli Rehn , Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), warnte unlängst deswegen vor sinkenden Preisen in der Eurozone. «Die Gefahr einer Deflation ist wieder aufgetreten», sagte Rehn in einem Interview mit dem «Handelsblatt». Vor allem fehle die Nachfrage, was tendenziell die Preise drücke, sagte der Präsident der finnischen Notenbank.

Sinkende Verbraucherpreise sind gefährlich für die konjunkturelle Entwicklung. Sie können eine Abwärtsspirale auslösen, wenn Verbraucher auf weiter fallende Preise spekulieren und Kaufentscheidungen immer weiter nach hinten schieben.

Die EZB rechnet in diesem Jahr mit einer schweren Rezession und einer Teuerung von gerade einmal 0,3 Prozent im Währungsraum. Im Juni stiegen die Verbraucherpreise in der Eurozone gegenüber dem Vorjahresmonat lediglich um 0,3 Prozent.

Die Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der EZB. Die Notenbank strebt für den Euroraum mit seinen 19 Ländern mittelfristig eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Diese Rate hat die Notenbank seit langem nicht mehr nachhaltig erreicht, was neben der Corona-Pandemie ein Grund für ihre extrem lockere Geldpolitik ist.

In Deutschland lag der für die EZB-Geldpolitik maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI im Juni um 0,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

© dpa-infocom, dpa:200714-99-781767/4

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7492728?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F200%2F
Nachrichten-Ticker