30 Jahre Einheit
Wie verteilt sich der Wohlstand auf Ost und West heute?

Guckt man aufs Geld, sieht man: Die Verhältnisse in Ost und West haben sich angeglichen - aber auch nach 30 Jahren Einheit haben Einkommen und Vermögen noch nicht ganz dasselbe Niveau erreicht.

Donnerstag, 01.10.2020, 17:18 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 17:22 Uhr
Zwar wurden die Einkommens- und Vermögensunterschiede zwischen Ost und West in den letzten Jahrzehnten kleiner. Eine vollkommene Angleichung gab es aber bisher nicht.
Zwar wurden die Einkommens- und Vermögensunterschiede zwischen Ost und West in den letzten Jahrzehnten kleiner. Eine vollkommene Angleichung gab es aber bisher nicht. Foto: Monika Skolimowska

Berlin (dpa) - 30 Jahre nach der Wiedervereinigung scheint eine unsichtbare Grenze Deutschland zu durchziehen. Auf der einen Seite gibt es mehr Besitz - auf der anderen weniger. Auf der einen Seite wird mehr verdient - auf der anderen weniger. Doch werden die Unterschiede kleiner.

Wie groß sind die Unterschiede beim Einkommen?

Der Verdienst im Osten liegt im Schnitt tatsächlich deutlich hinter jenem im Westen. Allerdings klafft er bei Frauen und Männern im Osten oft weniger stark auseinander als im Westen. Vollzeit arbeitende Männer kamen im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt etwa in Bayern im Schnitt auf knapp 60.000 Euro, Frauen auf gut 48.000 Euro. Im benachbarten Thüringen waren es nur 41.000 Euro bei den Männern und 39.000 Euro bei den Frauen. In Mecklenburg-Vorpommern kamen Männer im Schnitt auf gut 40.000 Euro, Frauen auf 39.000 - in Schleswig-Holstein waren es gut 49.000 beziehungsweise knapp 43.000 Euro.

Ist die Republik beim Vermögen gespalten?

Die Unterschiede sind groß. Nimmt man das Geld- und Immobilienvermögen und die Schulden privater Haushalte zusammen, kommt man für das frühere Bundesgebiet 2018 auf einen Durchschnitt von netto rund 182.000 Euro pro Haushalt. Zehn Jahre zuvor waren es erst 132.000. Auch bei den Haushalten in Ostdeutschland gab es zwar einen Anstieg. Allerdings ging es hier laut Statistischem Bundesamt nur von 54.600 im Jahr 2008 auf 88.000 zehn Jahre später nach oben.

Erreichen die Menschen in Ostdeutschland bei Rente Westniveau?

Nein. In den ostdeutschen Länder erhalten die Rentner im Schnitt geringere Bezüge. In Thüringen sind es bei den Männern im Schnitt 1292 Euro, in Sachsen-Anhalt 1299, in Mecklenburg Vorpommern 1306 und in Sachsen 1309 Euro. Dann kommt Brandenburg mit im Schnitt 1343 Euro. Die Westländer liegen alle darüber - bis zu Nordrhein-Westfalen mit 1522 und dem Saarland mit im Schnitt 1545 Euro brutto im Monat nach 35 Versicherungsjahren. Eine Sonderrolle nimmt die ehemalige Hauptstadt der DDR ein. Rentner in Berlin-Ost kommen mit im Schnitt 1454 Euro auf für Ostverhältnisse recht hohe Altersbezüge, da hier viele Rentner mit Ansprüchen aus ehemaligen Zusatz- und Sonderversorgungssystemen der DDR wohnen.

Wie haben sich die Renten in den vergangenen Jahren entwickelt?

Es gab einen deutlichen Angleichungsprozess. Ende 2019 lag die durchschnittliche Altersrente nach mindestens 35 Versicherungsjahren im Osten bei 1320 Euro und im Westen bei 1457 Euro.Fünf Jahre zuvor waren es im Osten noch 1110 Euro und im Westen 1277 Euro - ein Plus von rund 19 Prozent im Osten und 14 Prozent im Westen. Grund: Die höheren Rentenanpassungen im Osten wegen der positiven Lohnentwicklung.

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