Traktor-Blockaden
Wütende Landwirte protestieren gegen Handels-Preispolitik

Verbraucher wollen billig einkaufen, doch viele Bauern bekommen den Preisdruck des Lebensmittelhandels zu spüren. Und gehen dagegen auf die Straße. In zahlreichen Städten gab und gibt es Blockaden mit Traktoren.

Dienstag, 01.12.2020, 12:49 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 12:52 Uhr
«Lebensmittel sind keine Ramschwaren»: Bauern-Protest vor dem Zentrallager von Lidl in Cloppenburg.
«Lebensmittel sind keine Ramschwaren»: Bauern-Protest vor dem Zentrallager von Lidl in Cloppenburg. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Cloppenburg (dpa) - Landwirte haben in mehreren Bundesländern ihre Proteste gegen die Preispolitik des Lebensmittelhandels fortgesetzt.

In Cloppenburg blockierten nach Polizeiangaben rund 100 Traktoren die Zufahrt zu einem Zentrallager des Discounters Lidl . Im benachbarten Emstek beteiligten sich den Angaben zufolge 20 Traktoren an der Blockadeaktion. Auch in Rade (Kreis Harburg) und in Schwanewede hatten Landwirte bis zum frühen Dienstagmorgen die Zufahrt zu Lidl-Lagern blockiert. Eine Treckerdemo gab es auch in Westerkappeln (Kreis Steinfurt/NRW) nahe der niedersächsischen Grenze.

In Kiel versperrten Bauern die Zufahrt zu einem Rewe-Logistikzentrum. Bis etwa 23 Uhr dauerte die Aktion am Montagabend an, wie die Polizei am Dienstagmorgen mitteilte. Ungefähr 100 Personen hätten an der Demonstration teilgenommen, 70 Traktoren seien vor Ort gewesen. Hintergrund sind die aus der Sicht der Landwirte existenzgefährdenden Niedrigpreise im Lebensmittelhandel. Auch in Rostock kam es in der Nacht zu Dienstag zu einer Demonstration von Landwirten. Mit Dutzenden Traktoren blockierten Bauern ein Lidl-Logistikzentrum.

Ein Sprecher der Bauern-Initiative «Land schafft Verbindung» in Niedersachsen hatte im Zusammenhang mit der Aktion bei Lidl angekündigt, dass die Proteste in Schleswig-Holstein bei Rewe und am Donnerstag in Hamburg bei Edeka fortgesetzt werden sollen.

Die Landwirte sind wütend über einen Brief der großen Handelsketten an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Darin hatten sich die Topmanager der Konzerne Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) über Äußerungen von Bundesagrarministerin Julia Klöckner beschwert. Die CDU-Politikerin hatte einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, mit dem Landwirte und kleinere Lieferanten besser vor dem Preisdruck der Handelsriesen geschützt werden sollen. Sie sprach von teils unfairen Bedingungen. Klöckner habe ein Zerrbild der Handelsunternehmen gezeichnet, klagten die Supermarkt-Ketten.

© dpa-infocom, dpa:201201-99-529345/2

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