Manches wird teurer
Corona wirbelt die Preise durcheinander

Eine Regel beim Einkaufen: Die Preise von Laptops und Co. geraten ein paar Monate nach der Markteinführung ins Rutschen. Wer sparen will, muss nur warten. Doch in der Krise gilt das nicht.

Montag, 03.05.2021, 11:33 Uhr aktualisiert: 03.05.2021, 11:36 Uhr
Die Corona-Krise hat goldene Regeln des Einkaufens außer Kraft gesetzt. Preise, die sonst sinken würden, sind zum Teil gestiegen.
Die Corona-Krise hat goldene Regeln des Einkaufens außer Kraft gesetzt. Preise, die sonst sinken würden, sind zum Teil gestiegen. Foto: Christin Klose

Düsseldorf (dpa) - Homeoffice statt Büro, Online-Einkauf stattShopping-Bummel, Videochat mit Freunden statt Kneipenbesuch: DieCorona-Krise hat in Deutschland viele Gewohnheiten auf den Kopfgestellt. Auch bei der Preisen im Einzelhandel gelten plötzlich neueRegeln, wie mehrere Marktuntersuchungen zeigen. Darauf sollten sichdie Verbraucherinnen und Verbraucher einstellen.

«Corona wirbelt auch bei den Preisen die Welt durcheinander»,beobachtet die Handelsexpertin Eva Stüber vom Kölner Institut fürHandelsforschung (IFH). Entscheidend für die Preisentwicklung sei beivielen Produkten wie Laptops oder Fahrrädern plötzlich weniger derWettbewerb als die Warenverfügbarkeit. «Alte Regeln - etwa dass diePreise neuer Elektronikgeräte nach ein paar Monaten ins Rutschenkommen - gelten plötzlich nicht mehr», sagt sie.

Gestützt wird ihre Einschätzung gleich von zwei Marktstudien, diekürzlich veröffentlicht wurden. Eine Untersuchung desVerbraucherportals Testberichte.de, die für den Zeitraum von Mai 2019bis Februar 2021 die Preisentwicklung in mehr als 1000Produktkategorien auswertete, zeigte, dass die Corona-Krise bei einerganzen Reihe von Produkten zu kräftigen Preissteigerungen führte. DerPreis von Webcams etwa habe sich seit Mai 2020 fast verdoppelt. Hierhabe sich zuerst eine spürbare Angebotsverknappung durch den erstenLockdown in China ausgewirkt - und dann die wachsende Nachfrage durchden Homeoffice-Boom in Deutschland und Logistikprobleme.

Preissteigerungen im Verlauf der Pandemie

Die goldene Regel, dass die Preise von Fernsehern, Laptops oderDruckern ein paar Monate nach der Markteinführung ins Rutschengeraten, wurde der Testberichte.de-Studie zufolge im Corona-Jahr 2020nicht nur außer Kraft gesetzt. Wer mit dem Kauf wartete, um Geld zusparen, konnte sogar eine böse Überraschung erleben. Die Preise fürPCs seien um 79 Prozent gestiegen, die für Drucker um 19 Prozent,beobachtete das Verbraucherportal.

Aber auch in anderen Produktkategorien machten sich der Studie zufolge die veränderten Lebensbedingungen in der Pandemie - etwa dashäufigere Selberkochen oder der die Schließung von Fitnessstudios -bemerkbar. So verteuerten sich Küchenmaschinen der Studie zufolge um25,4 Prozent, Geschirrspüler um gut 20 Prozent und Crosstrainer umfast 18 Prozent. Auch Fieberthermometer und Haarschneider wurden inder Pandemie deutlich teurer.

Ganz ähnlich fiel eine Studie des Verbraucherforums mydealz aus, fürdie die Preise von 550 zufällig ausgewählten Produkten verglichenwurden. Mehr als die Hälfte von ihnen verteuerte sich demnach zwischen dem 15. Februar 2020 und dem 15. Februar 2021. «Die Corona-Pandemie hat die Märkte aus dem Gleichgewicht gebracht», urteilt Firmengründer Fabian Spielberger . Nicht nur Fernseher und Drucker seien teurer geworden, sondern auch Besteck, Geschirr und Gläser sowie Filme und Videospiele. Zurückzuführen sei das wohl darauf, dass viele Verbraucher mehr Zeit zuhause verbracht hätten.

Kettenreaktion durch Corona

Corona habe eine Art Kettenreaktion ausgelöst, meint Spielberger.Produktionseinschränkungen, Logistikprobleme, Engpässe in derChipproduktion und ein plötzlicher Nachfrageschub unter anderem beiallem was mit Homeoffice zu tun hatte, hätten zu vorher unbekanntenPreisauswüchsen geführt. «Teilweise wurde Ware zu Preisen über demempfohlenen Verkaufspreis verkauft.»

Für die Handelsexpertin Stüber steht fest: «Die Strategie, sich vorallem über den Preis im Wettbewerb zu profilieren, ist von derPandemie ein Stück weit ausgehebelt worden. Zurzeit gewinntderjenige, der die Lieferkette im Griff hat und tatsächlich liefernkann - auch zum vollen Preis.» Das zeige sich gerade imElektronikmarkt, wo sonst die kurzen Produktzyklen für einen raschenPreisverfall sorgten.

Doch sieht der Marktbeobachter Spielberger für die Verbraucher Lichtam Ende des Tunnels. In einigen Produktgruppen sei bereits wiedereine gewisse Normalisierung zu beobachten. So seien die Preise fürWebcams zuletzt wieder deutlich gesunken, auch wenn sie noch nichtwieder ganz auf dem Vor-Krisen-Niveau lägen.

«Die Nachfrage geht langsam runter, das beruhigt die Preise», meinteer. Und auch beim Thema Logistik sei Besserung absehbar. Bei vielenProdukten sei ein Ende der preislichen Höhenflüge in Sicht, ist erüberzeugt. «In den nächsten Monaten sollte da langsam wieder etwasEntspannung reinkommen.»

© dpa-infocom, dpa:210503-99-446343/2

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7947056?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F200%2F
Nachrichten-Ticker