Vermögens-Check
Sparen mit gutem Gewissen

Münster -

Geld anlegen und damit Klima und Umwelt schützen oder die Menschrechte stärken: Das ist nicht nur etwas für Moralapostel, sondern bringt reale Renditevorteile. Neue EU-Vorgaben werden das künftig noch verstärken.

Samstag, 04.04.2020, 08:00 Uhr
Vermögens-Check: Sparen mit gutem Gewissen
(Symbolbild) Foto: colourbox.de

Die Welt retten durch richtiges Sparen, ist das möglich? Für immer mehr Anleger sind die Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien wie Umweltschutz, soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung entscheidend, ob sie in etwas investieren oder lieber nicht. In Fachkreisen wird das unter dem Kürzel ESG zusammengefasst, das für die englischen Begriffe Environment, Social und Governance steht.

Die Europäische Union plant, dass es künftig bei Investmententscheidungen leichter ersichtlich sein wird, welche ESG-Kriterien etwa von Unternehmen oder Fonds erfüllt werden. Banken und Finanzberater werden wohl künftig nicht nur die Risikoneigung ihrer Kunden abfragen, sondern auch wie nachhaltig das Geld arbeiten soll. Das ist sicher gut für das eigene Gewissen, aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kein Nachteil. 

Mehrfach nachhaltig

„In den letzten 12 bis 24 Monaten haben sich die meisten Fonds, die aktiv nach Unternehmen suchen, die einen positiven Beitrag für die Umwelt leisten, überdurchschnittlich entwickelt“, sagt Margarete Kordt vom Münsteraner Vermögensverwalter Spiekermann & CO AG: „Jedem Unternehmen sollte heute klar sein, dass Umweltschutz, gute soziale Standards und Unternehmensführung der Erfolgsgarant für die Zukunft sind.“ Aber die Erfüllung von ESG-Kriterien hat nicht nur Renditevorteile, sondern reduziert auch das Risiko. Denn achtet das Management auf solche Themen, sinkt die Wahrscheinlichkeit von teuren Klagen und Imageverlusten. Langfristig könnten diejenigen, die sich nicht an ESG-Kriterien ausrichten, in doppelter Hinsicht Probleme bekommen. „Auf der einen Seite werden diese Unternehmen bei zukünftigen Anlageentscheidungen von Investoren zunehmend gemieden, was zu einer erschwerten Kapitalbeschaffung führen wird“, erklärt Peter Lackamp von der Kroos Vermögensverwaltung AG aus Münster: „Auf der anderen Seite wird es für diese Unternehmen zunehmend schwerer, sich mit ihren Produkten am Markt zu profilieren.“ ESG-Themen zu ignorieren, wird sich ein langfristig denkendes Management kaum mehr leisten können. Allerdings ist es bisher gar nicht so einfach zu erkennen, was überhaupt nachhaltig ist. 

Objektive ESG-Bewertung

Geht es nach den Vorstellungen der EU werden wohl Ratingagenturen, wie etwa Standard and Poor’s oder MSCI bewerten, wer welche Anforderungen erfüllt. „Wir sehen den Einzug von ESG in der Finanzbranche grundsätzlich positiv, sehen aber die Gefahr, dass das komplexe Thema Nachhaltigkeit zu sehr vereinheitlicht wird“, sagt Spiekermann-Expertin Kordt. Gerade bei jüngeren Kunden sei das Thema immer präsenter, aber oft ist es gar nicht so eindeutig, was unter dem Strich nachhaltig ist. Noch fehlt eine international anerkannte Definition für ESG von unabhängiger Stelle. Ob zum Beispiel Atomkraft geeignet ist, das Klima zu schützen oder nicht, wird zum Beispiel in Frankreich und Deutschland völlig unterschiedlich gesehen. Auch am Thema E-Auto scheiden sich die Geister, ob die Umweltschäden durch die Förderung der benötigten Rohstoffe nicht den positiven Klimaeffekt konterkarieren. Es wird wohl am Ende eine persönliche Frage bleiben, wie Anleger ESG-Kriterien im Einzelfall definieren, in jedem Fall werden sich immer mehr Menschen mit dem guten Gewissen beim Sparen beschäftigen. „Die Auswirkungen werden die Unternehmen, die Märkte und damit langfristig den Klimaschutz beeinflussen“, sagt Kroos-Vermögensverwalter Lackamp. Wie ESG-Themen schon heute sinnvoll bei der eigenen Sparplanung eingebaut werden, können Leser der Westfälischen Nachrichten beim kostenlosen Vermögenscheck erfahren, bei dem sie sich noch bis zum 15. April anmelden können.

Nachhaltigkeit bringt langfristigen Renditevorteil

Beim Vergleich des Index MSCI World mit einer globalen Auswahl von Aktien anhand von Nachhaltigkeitskriterien (ESG), dem MSCI World SRI, zeigt sich ein klar messbarer Ertragsvorteil. Im Schnitt lag die jährliche Performance der Nachhaltigkeitselektion seit 2007 bei 6,45 Prozent, während es die nicht nach ESG-Kriterien gefilterte Mischung nur auf 5,69 Prozent brachte. Ein gutes Gewissen brachte also eine bessere Rendite. Ein Blick auf die zehn größten Werte des Nachhaltigkeitsindex MSCI World SRI zeigt allerdings die Schwierigkeiten bei der individuellen Bewertung von ESG-Kriterien. Darunter sind unter anderem die Fastfoodkette McDonalds, Getränkehersteller Pepsi und der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, die nicht zu jedem nachhaltig orientierten Anleger passen dürften. 

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Quelle: MSCI ( https://www.msci.com/documents/10199/641712d5-6435-4b2d-9abb-84a53f6c00e4

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