Vermögens-Check
Corona-Impfstoff-Roulette für Anleger

Münster -

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat die Verzinsung auf fast allen Bankkonten gestoppt. Jetzt heißt es: Alternativen suchen. Beim kostenlosen Vermögens-Check unserer Zeitung vom 7. März bis zum 31. Juli analysieren unabhängige Vermögensverwalter/-berater, welche Anlagemöglichkeiten Ihnen in dieser Situation noch Rendite bringen.

Freitag, 03.07.2020, 15:06 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 15:19 Uhr
Die Suche nach dem Impfstoff: Biotech- und Pharmaaktien sind derzeit bei Anlegern gefragt.
Die Suche nach dem Impfstoff: Biotech- und Pharmaaktien sind derzeit bei Anlegern gefragt. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Donald Trump , US-Präsident, hatte sich schon früh festgelegt: Hydroxychloroquin sei das Wundermittel gegen das weltweite Coronavirus, twitterte er Mitte März. Die Aktie des deutschen Chloroquin-Herstellers Bayer bewegte sich seitdem beständig nach oben. Auch wenn das eigentlich gegen Malaria entwickelte Medikament die Erwartungen bisher nicht erfüllt hat.

Stattdessen soll das Ebola-Medikament Remdesivir der US-Firma Gilead Sciences die ultimative Waffe gegen die vom Virus ausgelöste Krankheit Covid-19 werden. Zumindest die Europäische Kommission hat am Freitag der Zulassung von Remdesivir zugestimmt.

Konzentration auf langfristigen Profit

Allgemein sind Biotech- und Pharmaaktien derzeit bei Anlegern gefragt. Dutzende Firmen forschen an Medikamenten für die Behandlung von Covid-19 und an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Das beflügelt die Kurse der gesamten Branche. Der US-amerikanische Nasdaq-Biotech-Index hat seit Mitte März um über 40 Prozent zugelegt. Der breiter angelegte weltweite MSCI Pharma- und Biotech-Index steht mehr als 20 Prozent höher. Damit liegen Pharma-Aktien jedoch nicht viel höher als der breite Markt. Der S&P 500, der den breiten amerikanischen Markt abbildet, hat im gleichen Zeitraum etwa 28 Prozent zugelegt.

Doch die Suche nach dem Gewinner des Rennens ist ein Glücksspiel. „Als Anleger kann man da nur verlieren“, warnt Vermögensexperte Andreas Stöter von der Value Experts Vermögensverwaltung AG in Beckum. Derzeit gebe es viele winzige Biotech-Firmen, die im Zuge der Hoffnung auf einem Impfstoff Marktkapitalisierungen im Milliarden-Dollar-Bereich hätten. „Das ist wie Roulette spielen“, sagt Stöter. Es werde vielleicht einen Gewinner, sicherlich aber viele Verlierer geben. Er konzentriert sich lieber auf Branchen, die langfristig profitieren werden.

Versorgungsengpässe sorgen für Umdenken

Die Biotechs und Pharmafirmen gehören für ihn dennoch dazu, unabhängig von Corona. „Medizin, Pharma und Medizintechnik werden in der Wahrnehmung noch mehr an Bedeutung gewinnen. Damit wird künftig mehr Geld in die Branche fließen“, meint Stöter.

Auch wenn das Rennen um einen Impfstoff möglicherweise eine amerikanische Firma gewinnt, könnten europäische Firmen langfristig eine gute Wahl sein.

 „Bestimmte Produkte werden wieder in Europa hergestellt werden“, ist sich auch Guido Bauer von der Franz Heinrich Bauer Asset Management GmbH & Co. KG in Münster sicher. Die Versorgungsengpässe bei Masken, Medikamenten und Geräten würden hier für ein Umdenken sorgen.

Allerdings wollen auch andere Länder, dass die Firmen künftig bei ihnen vor Ort produzieren. „Es ist nicht auszuschließen, dass es zu einem Anreizwettbewerb kommt“, sagt Bauer. Von den Subventionen und Vergünstigungen könnten die Firmen zusätzlich profitieren.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7479393?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F200%2F1190814%2F
Nachrichten-Ticker