Viel Zuversicht für die Börse
Wird 2019 ein gutes Aktien-Jahr?

Münster -

Schwach, schwächer, Dax – in diese drei Worte ließe sich das bisherige Aktienjahr für den Deutschen Aktienindex packen. Während die Börsen in den USA von Rekord zu Rekord eilen, liegen Europa-Aktien und insbesondere die 30 größten deutschen Titel im Minus. Doch es gibt einige gute Gründe, warum sich das im kommenden Jahr umkehren könnte.

Freitag, 09.11.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.11.2018, 06:00 Uhr
Wohin der Kurstrend 2019 geht, ist noch offen – die meisten Börsenexperten sind aber sehr optimistisch gestimmt.
Wohin der Kurstrend 2019 geht, ist noch offen – die meisten Börsenexperten sind aber sehr optimistisch gestimmt. Foto: colourbox.de

Auf die lange Sicht ist Börse einfach: Die Aktienkurse steigen langfristig so schnell, wie die Gewinne der Unternehmen wachsen. Kurz- und mittelfristig können die Kurse schneller steigen, als die Gewinne es hergeben, oder sie können diesen hinterherhinken. Dies war 2018 in den USA nicht der Fall. Dort entwickelten sich die Aktienmärkte fast parallel zu der erwarteten Gewinnsteigerung von sage und schreibe 20 Prozent.

„Der kräftige Anstieg der US-Börsen in diesem Jahr hat dieses Mal mehrere Väter“, erklärt Hartwig Webersinke, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Aschaffenburg: „Das Wachstum der Umsätze und der Margen dürfte insgesamt zwei Drittel zum Gewinnwachstum beitragen. Das andere Drittel geht auf das Konto der Steuersenkungen durch Präsident Trump“, sagt der Dekan der Fakultät Wirtschaft und Recht.

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Klar ist: Der Steuer-Effekt wird sich nicht wiederholen. Zudem liegen die Kurse in den USA nun deutlich über dem Trend des langfristigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV). Das bedeutet: Der US-Aktienmarkt ist aus längerfristiger Sicht ziemlich teuer.

Wachstum in Europa

Und Europa? Dort erwartete die Schar der Analysten zu Beginn des Jahres ein Gewinnwachstum von zehn Prozent, was dank Trump später auf sieben Prozent gekürzt wurde. Besonders tief senkte sich der Daumen über die Dax-Aktien, die Gewinnerwartungen wurden von zehn Prozent auf null eingedampft.

„Verantwortlich dafür waren die hausgemachten Probleme der deutschen Automobilbranche, die Eskalation beim Handelsstreit mit den USA sowie einmalige Investitionen vieler Dax-Unternehmen“, erklärt Prof. Webersinke.

Der Münsterländischer Vermögenstag

Die Folgen für Anleger waren nicht gerade erfreulich: Der Europa-Index Stoxx 600 und der Dax büßten 2018 zeitweise kräftig ein, erholten sich aber sporadisch wieder leicht. Auch mittelgroße und kleinere deutsche Firmen kamen unter die Räder: Der MDax für mittelgroße Aktien und der SDax für kleinere Unternehmen liegen im Vergleich zum Jahresbeginn spürbar zurück.

Hoher Kurszuwachs

Die Schere zwischen europäischen und amerikanischen Aktien klafft damit nun weit auseinander. Insbesondere deutsche Aktien sind im Vergleich zu den Börsen anderer Industrienationen ziemlich günstig, obwohl die Wirtschaft gut läuft. So errechnete die Privatbank M. M. Warburg, dass der Dax bei einem Stand von 12 300 Zählern ein KGV von weniger als zwölf aufweist.

Sollte der Index auf sein durchschnittliches KGV von 13,5 steigen, könnte er demnach die Marke von 13 800 Zählern erreichen. Das entspräche bei einem Stand von 11 900 Punkten einem Kurszuwachs von mehr als 15 Prozent. Ähnliches gilt für die zweite Reihe am deutschen Aktienmarkt. „Voraussetzung dafür ist, dass sich die Stimmung der Anleger verbessert. Das könnte etwa passieren, wenn sich der Handelskonflikt mit den USA entschärft“, sagt Webersinke.

Ähnlich sieht die Lage bei den Europa-Aktien aus. Sollten die großen US-Fondsgesellschaften Europa und insbesondere Deutschland in nächster Zeit „wieder ent­decken“, könnte es mit den Aktienmärkten des Alten Kontinents schnell nach oben gehen – etwa so wie Ende 2014, als der Dax von 8500 Zählern im Oktober 2014 auf 12 000 Punkte im März 2015 stieg. „Eine solche Entwicklung kann es jedoch nur geben, wenn den Europäern keine Italien-Krise in die Quere kommt und die Gewinne tatsächlich so wachsen, wie es die Analysten für 2019 erwarten“, so Webersinke.

Zuversicht für den Leitindex

Michael Kopmann, Analyst bei der DZ-Bank, pro­gnostizierte schon im Sommer für den deutschen Leitindex Dax bis Mitte 2019 einen Anstieg auf 14 200 Punkte. Für den Euro Stoxx 50, das Leitbarometer der Eurozone, erwartet der Fachmann in diesem Zeitraum einen Anstieg bis auf 3900 Punkte. Doch Vorsicht: Seine Prämisse ist, dass Italien in der Eurozone keine neue Schuldenkrise auslöst.

Kopmann begründete seine Zuversicht für den deutschen und den europäischen Leitindex insbesondere mit steigenden Unternehmensgewinnen. Kopmann rechnet aber auch mit einem soliden Dividendenwachstum und damit einer hohen Kapitalrentabilität. Dies alles werde, so die Erwartung der DZ-Bank-Analysten, den bereits seit dem Jahr 2009 laufenden Bullenmarkt weiter antreiben. Auf der Konjunkturseite helfen laut Kopmann die noch synchron laufende Weltwirtschaft sowie der Mix aus niedriger Inflation und Zinsen. Der Handelsstreit zwischen den USA und China bedeutet allerdings ein beträchtliches Risiko für diese optimistische Vorhersage.

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