Medizinmesse Medica
Problem Datenschutz: Google & Co. haben Zugriff auf sensible Gesundheitsdaten

Münster/Düsseldorf -

Auf der weltgrößten Medizinmesse in Düsseldorf drehten sich viele Gespräche im Big Data, KI und selbstlernende Maschinen. Doch ein Thema lässt aufhorchen: Internetriesen wie Google, Facebook und Amazon wollen sich Patientenakten und Gesundheitsdaten sichern. Datenschützer sind alarmiert.

Sonntag, 24.11.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 24.11.2019, 15:04 Uhr
Die Vernetzung von Daten ist gerade im Gesundheitsbereich ein äußerst sensibles Thema.
Die Vernetzung von Daten ist gerade im Gesundheitsbereich ein äußerst sensibles Thema. Foto: imagoimages

Für das Smart Hospital von morgen, in dem Vernetzung und kurze Wege zum Klinikalltag gehören, und den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen sind sie der Treibstoff: Patientendaten und Fallakten.

Auf der am Donnerstag zu Ende gegangenen Medica in Düsseldorf, der weltgrößten Medizinmesse, drehten sich zahllose Gespräche um Big Data, KI und selbstlernende Maschinen. „Die Patienten müssen die Souveränität über ihre Daten behalten“, betonte NRW-Digitalminister Pinkwart mehrfach während der Messe, verwies dabei auf europäische und deutsche Standards beim Datenschutz.

Patientendatensätze von 51 Millionen Bürgern

Doch Medienberichte der vergangenen Tage lassen aufhorchen: Danach sind Internetgiganten wie Google , Facebook und Amazon dabei, sich auf dem Weg über spezialisierte Gesundheits-Websites bzw. direkte Verträge mit Klinikbetreibern den Zugang zu zig Millionen Patientenakten und hochsensiblen Gesundheitsdaten zu sichern. Datenschützer und Bürgerrechtler sind alarmiert.

Google bestätigte Mitte November, auf technischem Gebiet eng mit der großen amerikanischen Gesundheitskette Ascension zusammenzuarbeiten, die 2600 Einrichtungen des Gesundheitssystems – von der Klinik bis zum Seniorenheim - verwaltet. Inzwischen soll das US-Gesundheitsministerium prüfen, inwieweit bei es bei dieser Auftragsdatenverarbeitung Verstöße gegeben hat.

Laut Ärzte-Zeitung sollen seit 2018 Patientendatensätze von 51 Millionen Bürgern aus 21 Bundesstaaten weitergeleitet worden sein, ohne dass Patienten oder Ärzte davon wussten. Namen, Geburtsdaten, Laborergebnisse und Klinikdokumente landeten beim IT-Unternehmen. Mindestens 150 Mitarbeiter sollen einen Zugriff darauf haben – Arbeitstitel: „Project Nightingale“ (Nachtigall).

Datensouveränität muss im Vordergrund stehen 

Mit der Datenflut will Google nach eigenen Angaben gemeinsam mit Ascension KI-Anwendungen und maschinelles Lernen testen. Experten sehen darin aber auch einen Ansatz Googles, in die milliardenschwere Gesundheitsbranche einzusteigen. Als erste berichtete das „Wall Street Journal“ über den Vorgang.

Die in London erscheinende Wirtschaftszeitung „Financial Times“ legte jetzt nach und wies auf ein weiteren Ansatz der Internet-Riesen hin, an Gesundheitsdaten zu gelangen. Danach fließen bei Internet-Klicks über Dutzende Gesundheits-Websites Daten zu medizinischen Symptomen und Krankheitsbildern in Richtung Google und Co. Die Datenweiterleitung erfolgte in Großbritannien bei Stichwörtern wie Abtreibung oder Drogen – ohne Einverständnis der Internet-Nutzer. Laut „Financial Times“ profitiert ein Google-Ableger für Werbung (DoubleClick) von den Daten.

In Deutschland hat der Ethikrat gefordert, dass beim KI-Einsatz und Big Data im Gesundheitsbereich die Datensouveränität im Vordergrund stehen muss. Patienten sollen mitbestimmen können, wie und in welchem Kontext ihren Daten verwendet und weitergeleitet werden.

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