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Bibelmuseum erinnert an 500 Jahre Lutherbibel

Dem Reformator nahe kommen

Münster

Vor 500 Jahren übersetzte Martin Luther die Bibel auf seine Weise ins Deutsche: ein Donnerschlag. Das Bibelmuseum spürt dem nach.

Von Gerhard H. Kock

Im Bibelmuseum dürfen die Besucher die Bibel abschreiben. Am Ende entsteht ein einzigartiges Dokument und ein weiteres Exponat. Foto: Gerhard H. Kock

Kleines Museum – große Geschichten: der Teufel im Löffel, ein Plagiator, der sich schämt, europäische Geistesgeschichte auf einen Blick, und Besucher können sich an einer mittelalterlichen mönchischen Tradition erproben. Mehr kann man von einer Ausstellung auch nicht erwarten. Münsters Bibelmuseum erinnert an 500 Jahre Lutherbibel: „das man deutsch mit ihnen redet“ heißt die Ausstellung.

Vorab ein Parforceritt durch die Religionsgeschichte über Wittenberg, Worms und Wartburg: Luther nervt die Tetzelei mit dem Ablasshandel, der Mensch kann sich nicht von Sünden freikaufen, ist bereits erlöst, allein die Schrift zählt; der Mönch schlägt 1517 seine 95 Thesen an die Kirche, soll 1521 in Worms Abbitte leisten, wird für rechtlos erklärt, flüchtet und hat nun Zeit, Weltliteratur zu schreiben: eine Bibel auf Deutsch. In der Schutzhaft auf der Wartburg übersetzt er als Junker Jörg (das Bibelmuseum zeigt das Haltestellen-Schild von Münsters Junker-Jörg-Platz) das Neue Testament in nur elf Wochen aus dem griechischen Grundtext in die deutsche Volkssprache.

Die Lutherbibel war ein Donnerschlag, aber keine Premiere. „Die Geschichte der Bibel ist eine Übersetzungsgeschichte“, erläutert Kustos Dr. Jan Graefe. Und viele Exponate belegen das. Bibeln auf Deutsch hatte es ebenfalls zuvor schon gegeben. Das Bibelmuseum zeigt sie. Und eine tragische Geschichte: Die letzte vorlutherische deutsche Bibel erschien ausgerechnet im Jahr 1522 – für den Drucker ein Fiasko. Angesichts der Luther-Konkurrenz lag die wie Blei in den Regalen. Gegen den lutherischen Erfolg wollten Papst und Co. eine deutsche „Gegenbibel“ setzen; Hieronymus Emser sollte es machen, der nahm sich den Luthertext vor. Graefe hat Texte durch eine Plagiatssoftware laufen lassen – Ergebnis: Emser war ein Plagiator. Indes wollte der „Sudler von Dresden“, wie Luther ihn nannte, immerhin nicht namentlich genannt werden.

Weitere Exponate verbreiten die Aura der Entstehungszeit: Der mit dem Erfolg der Lutherbibel untrennbar verbundene „moderne“ Buchdruck wird durch eine Original-Seite der lateinischen Gutenberg-Bibel von 1462 gezeigt. Aus einem dreibeinigen Grapen-Topf aus Mansfeld könnte Mutter Luther den kleinen Martin gefüttert haben. Ein Fayence-Schälchen aus dem Lutherhaus zeigt den Wohlstand des Reformators, und die Wartburg hat dem Bibelmuseum in Münster den Original-Reiselöffel Luthers zur Verfügung gestellt – schönes Detail: Im Knick des Bestecks steckt die Fratze des Teufels.

Das derart wertvolle Exponate nach Münster ausgeliehen werden, liegt auch an der aufwendigen Museumstechnik, die Volker Miklasz (agn) prototypisch mitentwickelt hat. Bei 50 Lux, 18 bis 20 Grad Celsius, 45 bis 50 Prozent Luftfeuchtigkeit an jedem Punkt der beiden langen Vitrinen sowie nicht sichtbarem Luftzug trotz Luftaustausch bleiben die Kostbarkeiten weiteren Generationen erhalten – für viele weitere Geschichten aus der Welt der Bibel.

Die Ausstellung „das man deutsch mit ihnen redet – 500 Jahre Lutherbibel“ ist im Bibelmuseum, Pferdegasse 1, bis zum 13. November zu sehen.

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Kleines Museum – große Geschichten: der Teufel im Löffel, ein Plagiator, der sich schämt, europäische Geistesgeschichte auf einen Blick, und Besucher können sich an einer mittelalterlichen mönchischen Tradition erproben. Mehr kann man von einer Ausstellung auch nicht erwarten. Münsters Bibelmuseum erinnert an 500 Jahre Lutherbibel: „das man deutsch mit ihnen redet“ heißt die Ausstellung.

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