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Tönne Speckmann (alias Otto Lohle) stellt sein erstes Buch vor

Lügen und andere Wahrheiten

Gronau

Wie schreibt wohl einer, der im Schatten der Agatha-Kirche groß geworden ist? Auf Platt natürlich! Und was schreibt einer, der viele Promis aus der Kulturszene Freunde nennt? Hintersinnige, humorvolle Geschichten mit feiner Ironie. Passt das zusammen? Ja, so gut wie Tönne Speckmann zu Otto Lohle passt . . .

Von Frank Zimmermannund

Tönne Speckmann ist in die Buchhandlung am Markt in Gronau gekommen, um es mit eigenen Augen zu sehen: Tatsächlich, sein Buch liegt hier stapelweise in der Auslage und wartet auf Leserinnen und Leser. Foto: Frank Zimmermann

Wer über Tönne Speckmann nachsinnt, der findet im Titel seines frisch gedruckten Buches einen wichtigen Hinweis: „Lüëgen un anner Waorhaiten“ heißt es. Germanisten können trefflich darüber streiten, ob es sich dabei um ein Oxymoron oder ein Paradoxon handelt. Klar ist: Irgendwie passt da was nicht zusammen – und genau das macht die Sache interessant.

So ist es auch bei der Kunstfigur Tönne Speckmann. Der ist zwar ein Mann in den besten Jahren, wie man so schön sagt, aber eigentlich doch noch ein recht junger Hüpfer. Anfang der 1990er-Jahre hob Otto Lohle sein Alter Ego aus der Taufe. Das Eper Urgestein, stets mit Cordhut und Holzschuhen unterwegs, bildete in der Talk- und Comedy-Show „Max kommt!“ den Widerpart zum schnodderigen Gronauer Rathaushausmeister Kalle Kaminski (alias Klaus Wiedau). „Das war bei Max das Salz in der Suppe“, sagt Otto Lohle.

Erlebtes, Gehörtes, Erstunkenes und Erlogenes

„Max kommt!“ ist 2017 in den Ruhestand gegangen, Otto Lohle als stellvertretender Leiter des Kulturbüros Ende 2019. Trotzdem – oder gerade deshalb – betritt Tönne Speckmann jetzt wieder die Bühne: als Autor. Denn just ist im Aschendorff-Verlag „Lüegen un anner Waorhaiten“ erschienen. Untertitel: „Erlebtes, Gehörtes, Erstunkenes und Erlogenes aus dem Münsterland in 23 Geschichten auf Platdüütsk.“

In diesem Buch passiert wieder, was der Titel schon andeutet: Otto Lohle verknüpft scheinbar Gegensätzliches, erzählt im vermeintlich hausbackenen Dialekt seiner Heimat Geschichten voller Humor, Ironie und feingeistigem Hintersinn. Denn er ist felsenfest davon überzeugt, dass das Plattdeutsche eben nicht hausbacken ist. Dass in anderen Regionen Deutschlands das Plattdeutsche in der Rock- und Popmusik ebenso zu Hause ist wie bei Poetry Slams, ist Lohle dafür Beweis genug. „Nur der Westfale ziert sich“, hadert er damit, dass Platdüütsk in seiner Heimat ein Schattendasein führt. Da will er nun ein bisschen gegensteuern, nicht zuletzt, weil er die Mundart auch als Brücke zu den Menschen erlebt hat. Und das schon in jungen Jahren, als er in Epe „op’t Amt“ eine Verwaltungslehre absolvierte.

Gegensätze in Buch und Autor vereint

So wie das Buch vereint auch Otto Lohles Biografie viel Gegensätzliches: Die krisenfeste Berufslaufbahn auf dem Amt hat er aufgegeben, um im Studium der Sozialarbeit zu lernen, „wie man sich um die Probleme anderer Leute kümmert“ – wie es sein Vater einmal ausgedrückt hat. Und aus der Sozialarbeit heraus hat er wiederum den Schritt in die Kulturarbeit gewagt. Aufgewachsen im Schatten der Agatha-Kirche war er später beim Jazzfest mit vielen Weltstars auf Du und Du. Aber eben nicht, weil er in die Welt hinausgezogen ist, sondern weil er die Weltstars in seine Heimatstadt geholt hat. Zwei Jahre hat Otto Lohle an seinem Buch gearbeitet und gefeilt. Hat eigene Geschichten aufgeschrieben, Geschichten von Freunden wie dem Münchner Kabarettisten Gerhard Polt oder dem Poetry-Slammer Andreas Weber aus Münster, sie bearbeitet und schließlich alles ins Plattdeutsche übertragen. Dabei war ihm wiederum ein anderer Autor eine große Hilfe: Dr. Klaus-Werner Kahl aus dessen Feder das „Wörterbuch des Münsterländer Platt“ stammt.

Erste Lesung im Herbst

Das Buch-Projekt hatte der junge Rentner Lohle ohnehin im Hinterkopf, die Corona-Pandemie („Die Zeit der Internierung“) hat der Sache dann zusätzlichen Schub verliehen. In dieser Zeit hat er auch Heinrich Schwarze-Blanke kennengelernt. Ein paar Mal habe er den Cartoonisten auf seiner Tenne in Horstmar besucht. Die beiden Münsterländer hatten schnell einen guten Draht zueinander und Heinrich Schwarze-Blanke lieferte die Illustrationen zu Otto Lohles Buch.

„Lüëgen un anner Waorhaiten“

Cover des Buchs von Otto Lohle, das im Aschendorff Verlag erschienen ist. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Wer die Geschichten von Tönne Speckmann nicht nur lesen, sondern auch hören möchte, kann sich auf seine Lese-Tour freuen. Die startet am 14. und 15. September – natürlich in Epe. Dann liest Tönne Speckmann jeweils ab 19.30 Uhr in der Alten Tenne, Sunderhook 3, aus seinem Buch. Karten für die Lesungen gibt es bald beim Touristikservice Gronau.

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Wer über Tönne Speckmann nachsinnt, der findet im Titel seines frisch gedruckten Buches einen wichtigen Hinweis: „Lüëgen un anner Waorhaiten“ heißt es. Germanisten können trefflich darüber streiten, ob es sich dabei um ein Oxymoron oder ein Paradoxon handelt. Klar ist: Irgendwie passt da was nicht zusammen – und genau das macht die Sache interessant.

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