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24 Stunden Süd-Ost

10 Uhr: Harmonie nicht nur auf dem Notenblatt

Markus Lütkemeyer

Münster-Wolbeck - Zehn Uhr. An Wolbecks größter Schule, dem Gymnasium, beginnt die dritte Schulstunde. Die große Pause ist vorbei. Heute ist für Wolbecks Abiturienten nicht irgendein Tag. Bundesweit werden heute die Klausuren in Mathematik gestellt.

Aber darüber denken die Schülerinnen und Schüler aus der fünften Klasse von Musiklehrer Wilderich Daniel noch nicht nach - das Abitur ist für sie noch sehr weit weg.

Die Schüler von Lehrer Daniel gehören zu „Klasse musiziert“, einem Projekt, bei dem der Musiklehrer gleichzeitig der Klassenlehrer ist und bei dem aus einer ganz normalen Schulklasse in Windeseile eine kleine Schulband wird. Hauptaugenmerk liegt dabei auf einfachen Schlaginstrumenten und müsste Daniel den Sound von „Klasse musiziert“ beschreiben, er würde es „Xylophon-Pop“ nennen. Die Idee ist: „Alle spielen mit und wechseln die Instrumente von Stück zu Stück“, sagt Daniel. Es ginge ihm bei diesem Projekt nicht um musikalische Elite: „Wir suchen hier keine musikalischen Talente“, erklärt auch die Schulleiterin Edith Verweyen-Hackmann, vielmehr ginge es um soziale Kompetenz, „ums Zuhören und um Teamwork“.

Der Erfolg ist beachtlich. Schon nach einem halben Jahr hatte die Klasse ihren ersten Auftritt und gerade eben vor der großen Pause wieder einen - vor Mitschülern, die so begeistert waren, dass sie laut „Zugabe!“ forderten. Tatsächlich ist jeder erst mal von der „Wall of Sound“ beeindruckt, welche die Kinder an den Xylophonen zustande bringen: Die Musik klingt satt und voll.

„Ohne Bass kein Spaß“, erklärt Daniel das Phänomen. Der satte Bass wird deswegen von einem Synthesizer unterstützt - anstelle einer Bass-Gitarre. „Welches Kind kann in diesem Alter schon Bass spielen?“

Sowieso: Berührungsängste kennen die Kinder nicht. Heute probt Daniel ein neues Stück und bei der Vergabe der Instrumente gehen fast immer die Hälfte aller Arme in die Höhe - beinahe jeder bewirbt sich für das Rhythmus-Xylophon, nur das Glockenspiel ist eher unbeliebt.

Katharina kriegt die Congas. „Kannst du das auch so schnell?“, fragt Daniel erst skeptisch. Sie spielt, und Daniel unterbricht: „Wow! Das ist jetzt zu schnell!“ Katharina hat sich eben angestrengt und wollte sich beweisen.

Johann durfte schon am Becken spielen, Xylophon und Bass bedienen. Das Xylophon hat er am liebsten. Er hat offenbar sein eigenes System, um neue Stücke einzustudieren, er notiert sich die Noten auf einen kleinen Schmierzettel.

Als die Stunde zu Ende ist, summen einige Schüler das neue Lied.

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