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Lokales

100.000 beim „Krisen-Korso“

Wolfgang Schemann

Münster - Die Krise als Top-Thema, dazu entsprechend trübes Wetter - und dann auch noch eine mehr als halbstündige Lücke im Zug: Die Karnevalisten hatten es gestern nicht leicht, das Motto des Rosenmontagszuges („Lächeln, lachen, Freude machen“) richtig rüberzubringen. Freilich: Geschätzte 100000 Menschen - 20000 mehr als im Vorjahr - ließen es sich trotzdem nicht nehmen, für die insgesamt 125 Zugnummern ein fröhliches Spalier zu bilden.

Die Krise kam im Zug unter anderem als „Heuschreckenplage“ (Narrenzunft Aasee) und „Bank of (Ab-)Zocker“ (Siedlergemeinschaft Düesbergweg) daher. Aber die KG Freudenthal hatte ein Gegenmittel parat: „Wirtschaftskrise und Gesundheitsfonds? Mit Michael II. beißen wir uns durch!“

Prominent vertreten war auch das Thema Wahlen. Dabei sahen die Provinzler Angelmodde den Angelmodder OB-Kandidaten Lewe schon im Anflug aufs Rathaus. Motto: „Diät verleiht Flügel“.

Auch die Leezen sind natürlich immer wieder einen Wagen wert. So nahmen die Lustigen Westfalen das „Leezen-Chaos“ am Bahnhof auf die närrische Schüppe, während die Witten Müse empfahlen, für das Befahren des Ludgerikreisels besondere „Kreisellizenzen“ auszugeben - und dafür ein eigenes Amt einzurichten.

Dass Rolf Jungenblut, Präsident des Bürgerausschusses Münsterscher Karneval (BMK) im vergangenen Jahr viele Wagen als „fahrende Bretterbuden“ kritisiert hatte, hatten sich die Karnevalsgesellschaften übrigens zu Herzen genommen. Ihre Antwort: noch mehr „Bretterbuden“. Diesmal aber solche mit Witz. Die KG Bremer Platz präsentierte eine schmucke Hundehütte als „Bretterbudentraum(a)“. Der Carnevalsclub Hiltrup reimte „Dem BMK wird angst und bange, die CCH-Kiste fährt noch lange“. Und die KG Freudenthal interpretierte die Abkürzung BMK ganz neu: „Bretterbude macht Karneval“. Jungenblut war denn auch nicht unzufrieden: „Elf Prozent besser als im Vorjahr“, resümierte er - sah aber gleichwohl „noch Luft nach oben“.

Die farbigsten und fantasievollsten Tupfer im Zug setzten einmal mehr die Holländer, die fast ein Viertel der Zugnummern stellten. Und natürlich Prinz Michael II. als Schluss- und Höhepunkt des Spektakels. Aber als er, von seinen Untertanen bejubelt, in Münsters gute Stube einzog, brach fast schon die Dämmerung herein: Der Zug kam hier erst mit großer Verspätung an, weil ein Zugteilnehmer notärztlich versorgt werden musste.

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